American War – Omar El Akkad

Der Autor lässt uns in seinem Erstling an einer Anti-Utopie teilhaben. Er schildert eine USA im Jahr 2075, zerrissen von einem zweiten Bürgerkrieg. Der Ton ist düster, die Umwelt aus den Fugen und die Machtverhältnisse auf der Erde haben sich entscheidend verändert.

von
Hans Lenzi

12. Oktober 2017
09:00

Die beiden Weltplayer sind neu China und das so genannte Bouazizi-Reich, im Nahen Osten gelegen. Derweil liefern sich in den USA die «Roten» im Süden mit den «Blauen» im Norden einen erbitterten Schlagabtausch, wobei auch der Klimawandel mächtig mitmischt. Liest man das alles in der gegenwärtigen Situation schlimmer Hurricanes und Überschwemmungen in ebendiesem Land, so gewinnt alles eine gewisse Aktualität.

Hauptakteurin ist Sarat Chestnut, eine Südstaatlerin. Sie erlebt hautnah all die inneren und äusseren Katastrophen und entwickelt einen tiefen Hass gegenüber den bösen «Blauen». Als Widerstandskämpferin tötet sie einen hochrangigen Gegner, wird verraten und über Jahre schlimm gefoltert. Gebrochen an Leib und Seele, findet sie bei ihrem versehrten Bruder Unterschlupf. Über den Kontakt zu ihrem Neffen packt sie nochmals das Leben. Nur, um den Norden mit einer tödlichen Krankheit, die sie dahin einschleppt, mit vieltausendfachem Tod ein letztes Mal zu bestrafen.

Das Buch wurde bei seiner Erscheinung über alle Massen gelobt. Hält es dem stand? Meine Wenigkeit kann sich diesem Hype nicht anschliessen. Klar, da werden die USA mächtig durchgeschüttelt und es passiert ihnen Vieles, was sie Drittstaaten gegenüber selber verursacht haben oder noch verursachen. Ihre frühere Macht schlägt gewissermassen auf sie selber zurück. Und doch: So wirklich gepackt hat mich diese Lektüre nicht. Es gibt ähnliche Science Fiction – und das sind diese rund 450 Seiten ja –, die mehr Spannung erzeugen.


Über den Autor

Omar El Akkad, 35-jährig, war Kind, als seine Eltern Ägypten verliessen und nach Kanada auswanderten. Der Journalist reist rund um die Welt, um über den Krieg in Afghanistan, die Prozesse in Guantanamo, die «Black Lives Matter»-Bewegung in Ferguson zu berichten. Omar El Akkad lebt mit seiner Familie in Portland, Oregon. «American War» ist sein erster Roman.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

«Angst und Stress schwächen»

Für Hans Hofmann (73) aus Baden ist das Coronavirus laut BAG wegen seines… Weiterlesen

Vier Stimmen aus der Region

Marina, Luca, Arnat und Alexandra konnten bei der TV-Sendung «The Voice of… Weiterlesen

region

«Zäme schaffe mers»

Sie fallen auf, die bunten Regenbogen-Blachen in Fislisbach. Der Aufruf ist… Weiterlesen

blog

Rabenkreisel Wettingen

Malvorlage | Diese Woche war Sven Mathiasen in Wettingen und kreiierte eine… Weiterlesen

region

Virtuelle Sitzungen im Homeoffice

Die Corona-Krise hat auch die Gemeinden und ihre Führung fest im Griff. Wie… Weiterlesen