Das Tagebuch der Anne Frank – Oscarkino aus Deutschland

Amsterdam 1942: Margot Frank, die Schwester von Anne, wird im Alter von 16 Jahren von den Nationalsozialisten zum «Arbeitsdienst» einberufen.

Szenenbild aus «Das Tagebuch der Anne Frank» (Bild: © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.)
Szenenbild aus «Das Tagebuch der Anne Frank» (Bild: © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.)

von
Andrin Schmidhalter

07. April 2016
06:44

Um seine Tochter davor zu bewahren, lässt Otto Frank im Geheimen ein Versteck errichten, in dem sich die Familie vor den Nazis verstecken kann. Hier wird Anne Frank die letzten beiden Jahre vor ihrer Deportation verbringen und ihre Gedanken in einem Tagebuch festhalten.

 

Erste deutsche Kinoadaption

Obwohl es schon öfters verfilmt wurde, ist «Das Tagebuch der Anne Frank» die erste deutsche Kinoadaption von Annes Tagebuch. Leider eröffnet der Film den Zuschauern, trotz der tollen Ausstattung und der hervorragenden Besetzung, keinen neuen Blickwinkel auf die Thematik. Dafür ist die Inszenierung zu mutlos, zu distanziert und zu perfektionistisch. So erinnert das «Tagebuch der Anne Frank» zuweilen stark an die blutleeren, aber technisch perfekten Biopics, die jährlich eigens für die Oscarverleihungen produziert (und von der Jury prämiert) werden.

 

Ähnlich wie in Annes Aufzeichnungen stehen die Beziehungen der jungen Frau zu ihren Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern sowie ihre Gefühle im Vordergrund. Trotz den widrigen Umständen – Anne ist  mitten in der Pubertät, eingesperrt mit der Familie und fremden Menschen – entwickelt sich Anne, die schon zu Beginn sehr reif für ihr Alter ist, immer weiter, während die Entwicklung der restlichen Eingesperrten stehen zu bleiben scheint.

 

Spannende Dynamik

Grosse Teile der Gedanken und Monologe sind Originalzitate aus Annes Tagebuch. Leider werden diese oft nur unzureichend in die Handlung des Filmes eingebettet. So widerspiegeln die zitierten Passagen oft nur bedingt die Geschehnisse im Hinterhaus. Ausserdem werden die geradezu klaustrophobischen Zustände, welche die Bewohner des Hinterhauses ertragen mussten, nur sehr schwach vermittelt.

 

Trotz der etwas stereotypen Figurenzeichnung, die vielleicht auch dem Blick eines vierzehnjährigen Mädchens geschuldet ist, entwickelt sich mit der Zeit eine spannende Dynamik zwischen Anne und den anderen Charakteren, die von allen Darstellern sehr gut verkörpert werden. Schlussendlich aber steht und fällt ein Film wie «Das Tagebuch der Anne Frank» mit der Leistung ihrer Hauptdarstellerin. Tatsächlich kann die Jungschauspielerin Lea van Acken diese anspruchsvolle Rolle hervorragend ausfüllen und steht ihren älteren Kolleginnen und Kollegen in nichts nach.

 

Fazit: «Das Tagebuch der Anne Frank» ist eine solide Neuverfilmung mit einer tollen Hauptdarstellerin, die dem Zuschauer nichts Neues zu erzählen hat.

3.5 von 5 Punkten

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