Der grosse Polt – Gerhard Polt

«Das vorliegende Buch will eher als Mach- denn als Werk verstanden sein», lässt sich der Autor im Nachwort vernehmen. Das Werk ist eher ein Büchlein oder, im Untertitel, ein Konversationslexikon. Wer Neologismen liebt – Polt würde wohl sagen: Lasst uns neuworteln – , der kommt hier auf die Rechnung. Er erschafft viele Neuworte. Es liegt nun an den Lesern, dass sie überleben.

von
Hans Lenzi

29. Juni 2017
09:00

Klar, der Titel ist doppeldeutig: Er kann das 170 Seiten starke Lexikon meinen, aber auch den bekannten bayerischen Satiriker, dem aufmerksamen Fernseher längst bekannt. Dort verkörpert er seit Jahren den knorzigen Grantler, der hinterfragt und mit viel trockenem Humor seine Zuschauer- und –hörerschaft bei Laune hält.

Und – das zeigt das Büchlein deutlich – er ist halt auch ein Wortschöpfer, ein Sprachbeobachter, einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Am besten demonstriert man das mit ein paar seiner Wortfiguren. So ist in seiner Sprache die Witwenrente ein Abfrachprämie, also eine «frühzeitige Anerkennung der Wertlosigkeit». Ein «Haferlschiabler» (bei uns würde das wohl «Nachthafenherumschieber» heissen) ist in Polts Welt ein Kriegsdienstverweigerer. Der «Exzem Homo» ist in böser Abwandlung eben nicht der biblische Ausdruck für «seht, welch ein Mensch!» (ecce homo), sondern der «unmittelbare Nachbar, ein Schädling, ein Besserwisser».

So geht das munter weiter. Und findet Zustimmung. So lässt sich Elke Heidenreich dergestalt zitieren: «Polt benennt die Dinge, wie sie sind.» In der «Welt» wird schliesslich befunden: «Das Lexikon ist ein Glossar durch Polts sprachlichen Kosmos, das darüber hinaus dem geneigten Leser im Alltag allergrößten Nutzen erweisen kann – wenn es darum geht, das Gegenüber punktgenau und treffsicher zu beleidigen.» Also ein Buch mit praktischem Nutzen. Lesen Sie!


Über den Autor

Gerhard Polt (*1942 in München) brilliert seit 1975 als Karbarettist, Schauspieler und Philosoph auf deutschen und internationalen Bühnen. 2001 wurde er mit dem bayrischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet. Er ist Autor von zahlreichen Büchern, CDs und DVDs, zuletzt «Circus Maximus» und «Ekzem Homo». Polt lebt und schreibt in Schliersee, München und Terracina.

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