Die Formel des Lebens – Enrico Coen

Dieses Werk ist ein weiterer Versuch, die menschliche Entstehung und Entwicklung zu verstehen. Ihn unternimmt der renommierte Genetiker Enrico Coen. Keine leichte Kost, diese sieben Prinzipien, die der Autor hier aufstellt. Ob seine «Theorie des Wandels» überdauert?

von
Hans Lenzi

23. November 2017
09:00

Der britische Entwicklungsbiologe Coen erkennt sieben Prinzipien, nämlich Variation, Beständigkeit, Verstärkung, Wettbewerb, Wiederholung, Kooperation und Vielfalt. Sie sollen den Wandel auf sämtlichen Organisationsebenen des Lebens forcieren. Man spürt heraus, dass der Verfasser einen weitern Versuch wagt, eine Art «allgemeine Biologie» zu formulieren, die zutiefst menschliche Eigenschaft, alles Entstehen auf eine klare, verständliche Linie zu bringen. Auch Coen kommt dabei nicht an Charles Darwin vorbei und dessen «Evolution durch natürlich Auslese». Er betont aber, dass Wettbewerb allein nicht reicht, um den evolutionären Wandel zu verstehen. Er sieht auch so genannt kooperative Prozesse am Werk. Fortentwicklung legt nach ihm nie eine Pause ein und wird auch nie einen Abschluss finden, denn der Kontext in diesem evolutionären Wandel ändert sich ständig. Das deshalb, weil der Raum der Möglichkeiten in genetischer oder kultureller Hinsicht derart gross ist, dass evolutionäre Entfaltung unendlich viele Richtungen einschlagen kann.

Coen beschreibt auf den fast 400 Seiten ausführlich, wie mit seiner «Lebensformel» die Entwicklung von der befruchteten Eizelle zum ausgewachsenen Organismus und das individuelle Lernen bis hin zur kulturellen Evolution verstanden werden kann. Gelingt es Coen, eine allgemeine Theorie evolutionären Wandels zu entwickeln? Eher nicht, aber seine Aufführungen bringen den Lesenden dazu, von gängigen Erklärungswegen abzuweichen und neue Denkbahnen einzuschlagen. Und das ist ja in jedem Fall zu begrüssen.


Über den Autor

Enrico Coen ist Molekularbiologe am John Innes Centre in Norwich. Er ist seit 1998 Mitglied der Royal Society sowie seit 2001 der US National Academy of Sciences. Ihm wurde die «EMBO Medal», der «Science for Art Prize», die «Linnean Gold Medal» sowie die «Royal Society Darwin Medal» verliehen.

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