«Eigentlich bin ich ein Ausdruckstänzer»

Der Badener Mundart-Popstar Adrian Stern spricht im Interview über seine aktuelle CD «Chumm mir singed die Songs wo mir liebed und tanzed mit ihne dur d’Nacht» und seine Solo-Tournee, auf der er auch in unsere Region kommt.

Adrian Stern spricht im Interview über sein aktuelles Album und die Tour
Adrian Stern spricht im Interview über sein aktuelles Album und die Tour (Bild: zVg)

von
Reinhold Hönle

13. Dezember 2017
09:50

Adrian Stern

Der Sänger, Musiker und Songschreiber Adrian Stern wurde am 22. März 1975 geboren und wuchs in Baden auf. Nach der Matura, Jazzschule und zwei Bands mit englischen Songs landete er 2003 mit «Ha nur welle wüsse» von seinem Solo-Debütalbum «Stern» auf Anhieb einen Radio-Hit. Der grosse Durchbruch gelang ihm mit der 4. CD «Herz» (Swiss Music Award) sowie den Singles «Amerika» und «Nr. 1». Das aktuelle Album «Chumm mir singed die Songs wo mir liebed und tanzed mit ihne dur d’Nacht» (Sony Music) war sein 5. Top-10-Erfolg.

www.adrianstern.ch

 

Freitag 12.01.2018 Baronessa Lenzburg

Samstag 20.01.2018 Tradinoi Mellingen

Sonntag 21.01.2018 Tradinoi Mellingen

Freitag 26.01.2018 Guggenheim Liestal

Samstag 27.01.2018 Kellerbühne St. Gallen

Mittwoch 31.01.2018 Cubus Birrhard

Freitag 23.02.2018 ONO Bern

Freitag 02.03.2018 Guss39 Bülach

Mittwoch 07.03.2018 Fricks Monti Frick

Freitag 16.03.2018 Kellertheater Brig

Samstag 21.04.2018 Zeltainer Unterwasser

Freitag 27.04.2018 Stadthaussaal Dietikon

Was für ein Tänzer sind Sie?

Adrian Stern: Ich bin einer, der sich nicht an Tanzschritte hält. Eigentlich ein Ausdruckstänzer, der aber zu vermeiden versucht, dass er wie einer aussieht. (Lacht) Wenn mir etwas gefällt, gibt es kein Halten. Es gab allerdings ein Jahrzehnt, in dem mich die Tanzmusik völlig kalt liess – in der Techno-Zeit. Dabei ging ich sicher hundert Mal in Clubs, weil ich dachte: Irgendwann wird dieser Sound doch auch bei mir einfahren ...


Haben Sie einst Ihre heutige Ehefrau zum ersten Tanz aufgefordert oder war es umgekehrt?

Das kann man alles in «Funke» auf meinem letzten Album hören. Wir waren damals so aufgeregt und unsicher, dass wir beide nur herumgestanden sind, obwohl wir eigentlich in den Club gegangen waren, um zu tanzen. Es war ein Abend, an dem für uns nicht nur die Zeit still stand!


Sie waren also noch gar kein Paar?

Nein, es war unser erstes Date und wir wollten tun, was man «so macht». Vorher dem Club-Besuch gingen essen - in einem Restaurant, das mein Vater empfohlen hat! - und tranken sogar Wein, obwohl ich das nur selten tue und Mylen wegen ihrer asiatischen Gene Alkohol überhaupt nicht verträgt ...  


Weshalb haben Sie bei der aktuellen CD wert auf erhöhte Tanzbarkeit gelegt?

Als nach den Bataclan-Terroranschlägen von Paris alle vor Angst und Schrecken erstarrt waren,  hatte ich aus einem Hauch von Hippie-Geist das Bedürfnis Songs zu machen, welche die Menschen zusammen bringen. Da war es wichtig, dass diese nicht nur über den Text, sondern ebenfalls über die Musik funktionieren.

Offizielles Musikvideo: Adrian Stern – Songs wo mir liebed


Wie stark bewegt es Sie, wenn die Fans bei «Amerika», «Nr. 1» oder «Ha nur welle wüsse» mitsingen?

Das ist das Grösste für mich! In diesen Momenten habe ich das Gefühl, mit dem Publikum eins zu sein. Wenn ich diese akustische Verschmelzung auf Livealben höre, kommen mir manchmal Tränen.


Sie machen sich Gedanken übers Älterwerden. Haben Sie eine Midlife-Crisis?

Ich scherze darüber noch ziemlich oft, denn ich habe keine Krise. Aber ich mache mir schon Gedanken, die ich mir machen würde, wenn ich eine hätte. (Lacht) Ich frage mich, wie ich in den nächsten 20 Jahren für meine Familie sorgen kann. Und ob ich immer als Sänger auf der Bühne stehen oder mich mehr auf anderen Gebieten ausleben werde – als Produzent, Theatermusiker oder Songschreiber für andere Künstler? Momentan bin ich völlig auf Nadeln, möchte am liebsten mit allem loslegen, um herauszufinden, wo meine Zukunft liegt.


Und privat?

Mich nervt es, dass ich mich zwischen allen Stühlen und Bänken fühle. Ich spüre, dass ich nicht mehr ganz jung bin und sich meine Interessen verschoben haben. Die Social-Media-Welt ist für mich längst nicht so wichtig wie für andere. Ich habe mein iPhone gerade auf Eis gelegt und geniesse es, nur noch ein Senioren-Handy zu benutzen. Die reale Welt um mich herum bedeutet mir viel mehr.


Betrachten Sie die Informationsflut, der wir ausgesetzt sind, als Bedrohung?

Ich weiss nicht nur mehr, ich zweifle auch mehr. Meiner Meinung nach resultiert daraus mehrheitlich Passivität. Weil mich das mega stresst und ich nicht mehr der sein will, der nichts tut, schrieb ich «Warte uf es Wunder». Ich habe jedoch auch keine Patentlösung.


Aber vielleicht einen Lösungsansatz?

Ich denke, dass ich im Lokalen noch am ehesten einen gewissen Einfluss nehmen kann. So mache ich meine Grosseinkäufe im Quartierladen, obwohl das teurer ist, um ihn zu erhalten. Und wenn wir im Kulturlokal Stanzerei den «Song Circle» machen, habe ich das Gefühl, etwas für Baden zu tun.


Was sonst hat Sie zu «Chlini Stadt & wildi Ross», der Liebeserklärung an Ihre Stadt inspiriert?

Industriegebiete haben mich schon immer fasziniert. Bereits als Jugendlicher reiste ich nach London, um die Battersea Power Station zu sehen, die auf einem Pink Floyd-Cover («Animals») war. Ich habe viel auf den Parkplätzen der ABB geskatet und liebte das Fernweh, das die Schwertransporte der Turbinen in die grosse, weite Welt in mir erzeugten.


Nun gehen Sie solo auf Tournee. Was unterscheidet diese Abende von den Konzerten mit Band?

Ich alleine mit der Gitarre, das ist für mich die ultimative Freiheit! Da kann ich Songs spontan neu arrangieren, unfertige Ideen ausprobieren und nach Lust und Laune die Reihenfolge ändern.


Haben Sie Ihr erfolgreiches TV-Format «Songmates» und das «Songcircle»-Konzept in der Badener Stanzerei zu diesem Konzept inspiriert?

Meine erste Solotour absolvierte ich bereits im 2009, vor Songcircle und Songmates. Ich erinnere mich, da spielte ich zum ersten mal «Amerika» und «Nr.1», bevor es diese überhaupt auf Platte gab…


Was bedeutet es Ihnen, wieder einmal andernorts im Aargau in einem intimen Rahmen aufzutreten?

Ich freue mich einfach darauf! Mir geht es langsam selber so, dass ich lieber sitzend ein Konzert im kleinen Rahmen geniesse als in der tobenden Menge zu stehen und irgendwie dünkt mich dieser Rahmen passender für Musik, bei welcher man die Texte versteht.

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