Einziger Lockruf – Alex Sadkowsky

Der in Schneisingen lebende und arbeitende Künstler Alex Sadkowsky vereinigt neue Gedichte und eine Novelle zu einem einzigartigen Buch.

von
Walter Labhart

13. Dezember 2018
09:00

Alex Sadkowsky ist Maler, Zeichner, Grafiker, Objektkünstler, Dichter, Fotograf, Filmemacher und Performer –und um originelle Ideen nie verlegen. Bevor der international bekannte Künstler im kommenden Frühjahr zu seinem 85. Geburtstag mit Ausstellungen in Aarau (Neue Galerie 6) und Wettingen (Gluri Suter Huus) geehrt wird, feiert er einmal mehr Sprach­orgien in Buchform. Seine neueste Veröffentlichung trägt, da es sich um zwei Bücher in einem handelt, zwei
Titel: «Die Umwandlung» steht für eine umfangreiche Novelle, «Einziger Lockruf» sind die jüngsten Gedichte überschrieben. In beiden Werken schlägt der Autor mit eigenwilligen Einfällen unzählige sprachschöpferische Purzelbäume.

Dem Leser begegnet in der Novelle ein Katarakt von Wortbildungen und bildhaften Formulierungen nach dem anderen. So folgt etwa der «Überraschung» die «Unterraschung», neben dem «Handy» taucht das «Footy» auf, eine Frau handelt «vegetarisch lächelnd», «Augen kratzten an ihrem Gesicht» und «den fliegenvielen Leuten» muss etwas bewiesen werden.

 

Fantasievolle Wortbildungen

Das Buch handelt von einem Zahlenallergiker, der die Zahlen durch Namen von Musikinstrumenten aus aller Welt ersetzt. 105 wird zu «Kernspaltflöte», 111 zu «Wurstfagott», das «Giraffenklavier» gilt für die Zahl 133, das «Hamburger Cithrinchen» für 298. Mit 500 Nummern verlieren die enzyklopädischen Auflistungen von Instrumentenamen leider an Reiz. Der Autor wird immer wieder Opfer seiner überquellenden, ja ihn geradezu verfolgenden Fantasie. 

Dennoch zählt «Die Umwandlung» nach Kafkas Erzählung «Die Verwandlung» (1915) zweifellos zu den sprachlich brillantesten Geschichten einer auf einen einzigen Gegenstand bezogenen Metamorphose. Kam schon die fast 2000 Seiten umfassende Romantrilogie «Die chinesische Wespe» (Bilgerverlag, Zürich) einem Stück unerwarteter Weltliteratur aus dem aargauischen Surbtal gleich, gilt dies erst recht für diese vor witzigen Geistesblitzen sprühende Neuerscheinung.

 

Zeitlose Schönheit

Im Unterschied zur weit ausholenden und mit Wiederholungen gesättigten Novelle geben Sadkowskys Gedichte ihren Inhalt meistens auf knappem Raum wieder. Die Sammlung «Einziger Lockruf» enthält zahlreiche sprachliche Juwelen, die sich durch Feinschliff auszeichnen, raffiniert mit Assoziationen spielen und nicht selten eine fast volksliedhafte Einfachheit erreichen. Der Siebenzeiler «Das Leben ist schön» besticht besonders durch seine Verdichtung: «Ein Kuss / von der Sonne aufs Lid / ein Kuss vom Mond ins Auge / ein Tropfen Morgentau auf die Lip / pen eine Umarmung mit einem / Kind das Leben ist / schön.»

Derlei Poesie von zeitloser Schönheit verströmt auch das «Dezemberlied»: «Lass wehen ihn dir, / den kühlen Atem, / der Zeit im Jahr, am Ziel. / Längst sind die Rosen verwelkt, / schon tanzen die Flocken / über der Landschaft / im tiefen Schlaf. / Zuckerblau der Schnee. / Er spricht.»

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