«Es ist einfach geil mit dieser Band»

Sänger und Songschreiber Büne Huber (57) über den Erfolg von Patent Ochsner und wie er es schafft, im Winter nicht erkältet zu sein.

Von links: Christian Brantschen, Disu Gmünder, Büne Huber, Monic Mathys, Andi Hug, Daniel Woodtli (Bild: zVg)

von
Reinhold Hönle

23. Oktober 2019
10:10

Büne Huber

Der Sänger und Songschreiber ist der Kopf der Berner Band Patent Ochsner. Sie ist seit dem Debüt­album «Schlachtplatte» (1991) mit den Hits «Bälpmoos» und «Scharlachrot» nicht mehr aus dem Schweizer Mundartrock wegzudenken. Während Kuno Lauener für Coolness steht, ist es bei Huber die Emotionalität, die ihn und seine Musik auszeichnet. Mit dem neuen Album «Cut up», das Platz 1 der Hitparade erobert hat, und der Single «Für immer uf di», der nur Lady Gaga vor der Sonne stand, sind Patent Ochsner nun auf Club-Tournee. Der gelernte Metallbauschlosser und Sozialpädagoge hat drei Kinder und lebt mit seiner zweiten Frau Sue und den Kindern Julie (4) und Max (3) in Bern.

Büne Huber, wie geht es Ihnen? Schweben Sie auf Wolke 7?

(Lacht) Wieso?

 

Sie haben eine Riesentournee vor sich, bei der schon im Voraus fast alle Konzerte ausverkauft sind. Welche Gefühle weckt das bei Ihnen?

Schon unsere beiden letzten Touren waren komplett ausverkauft. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich. Wir starten in der Mühle Hunziken (Rubigen BE). Da waren zuerst vier Abende geplant, und nun sind bereits die drei Zusatzkonzerte ausverkauft. Das ist ja wahnsinnig, dass eine Band so einen Zuspruch hat! Wir werden im Moment dafür belohnt, dass wir über all die Jahre schöne Konzerte gegeben haben. Wir sind wirklich eine starke Live-Band. Das hat sich herumgesprochen.

 

Wie anstrengend sind 50 Konzerte in fünfeinhalb Monaten?

Ich glaube, wir haben das immer geschafft, aber wir müssen schon schauen, wie wir das kräftemässig durchstehen. Das Hauptproblem an einer Winter-Tour ist der Wechsel. Draussen ist es kalt, drinnen ist die Luft trocken, und du schwitzt auf der Bühne wie wahnsinnig. Da ist die Chance ziemlich gross, dass du dich erkältest. Erst recht in der heutigen Zeit, wo die Fans verschnoddert zu dir kommen und ein Selfie wollen! (Lacht)

 

Haben Sie irgendwelche Tricks, um bei Stimme zu bleiben?

Ich habe schon lange aufgehört zu rauchen und merke, dass ich seither viel weniger gefährdet bin. Ansonsten arbeite ich mit den Tricks, die man früher schon kannte: Inhalieren, schauen, dass Feuchtigkeit auf die Stimmbänder kommt, nicht blöd tun nach den Auftritten und genug Schlaf. Eigentlich weiss man ja, was es braucht, aber es ist dennoch nicht immer einfach ... 

 

Sie haben auf dem Gurten ein grandio­ses Konzert gegeben, nach dem sich Fans und Medien vor Begeisterung überschlugen. Wie haben Sie jenes Wochenende erlebt?

Vor dem Konzert am Freitag hatten wir eine intensive Probewoche mit Stephan Eicher, der am folgenden Sonntag bei «Moon & Stars» auf der Piazza Grande in Locarno unser Special Guest war. Zunächst gaben wir aber am Donnerstag ein klitzekleines Konzert im Thuner Café Mokka. Um uns abzulenken, damit wir nicht auf dumme Gedanken kommen, da der Gurten ein Heimspiel ist, das uns wahnsinnig nervös macht. 2012 und 2015 hatten wir dort zwei so gewaltige Abende, dass ich überzeugt war, dass wir sie nie würden toppen können. Mit dieser Einstellung versuchte ich Ruhe zu bewahren. 

 

Und das hat funktioniert?

Ich habe schon gespürt, dass die Erwartungen riesengross waren: Die Ochsners kommen wieder auf den Berg! Und dann ist ein gewaltiges Konzert (er stockt) ... passiert. Ich habe wirklich nicht damit gerechnet. Es war unglaublich emotional. Wenn 20'000 Leute deine Lieder singen, das haut dich um. Wir haben danach extrem viel Post bekommen. 

 

Haben die vielen hübschen jungen Frauen, die man tags darauf in der TV-Aufzeichnung sah, alle geschrieben?

Das weiss ich nicht, aber sie sind mir, wenn ich ehrlich bin, auch aufgefallen! (Schmunzelt)

 

Bei welchen Songs schnellt Ihr Adrenalin- und Endorphin-Pegel momentan besonders in die Höhe?

Momentan kann ich das nicht an einem bestimmten Lied festmachen. Es ist einfach geil mit dieser Band. Sie hat einen Wahnsinnsschwung und eine Leichtigkeit. Ausserdem ist unser Repertoire so gross wie nie. Wir könnten fünf bis sechs Stunden spielen! 

 

Wie gehen Sie mit der Herausforderung um, an diesem Gurten-Konzert gemessen zu werden?

Ich zweifle keine Sekunde daran, dass das, was indoor passiert, gewaltiger sein wird, als das, was wir auf dem Gurten gemacht haben. Zwar spielen wir nicht vor einer solchen Masse von Leuten, aber wir können im Rahmen dieser Tournee tiefer schürfen als auf dem Gurten. Dort ist im Zeitkorsett von 90 Minuten kaum Platz für stille Momente, in denen es ganz fragil werden kann. Grobmotorisches und Breitleinwand ist angesagt. Drinnen kannst auch spielen, was kein Hit war, sondern nur dich bewegt. Ich freue mich wie verrückt!

 

Tauscht der Familienmensch Büne Huber während der Tournee seine Familie gegen Band und Roadies ein?

Das ist eine schwierige Frage, die meine Frau und mich gerade sehr beschäftigt. Auf Tournee leben wir Musiker ein bisschen abgesondert. Wenn ich dann zwischendurch heimkomme, gelingt es mir oft nicht, richtig herunterzukommen. Vor dieser Herausforderung habe ich Respekt, aber meine Frau – mein ganzes Umfeld – unterstützt mich so toll, dass ich zuversichtlich bin, dass der Switch diesmal besser klappen wird. 

 

Was packen Sie an Instrumenten, Kleidern und anderen Sachen ein? In Koffer, Tasche oder Container?

(Lacht) Koffer reichen mir. Ich bekomme ausserdem eine Gitarre aufs Zimmer, damit ich mich beschäftigen kann, wenn ich noch zu aufgedreht bin, um schlafen zu können. Früher hatte ich noch eine Hermes Baby dabei, aber wenn die Familie mitkommt, schreibe ich auf meinem Laptop-Logbuch, weil eine Schreibmaschine die Kinder wecken würde. 

 

Sind die denn schon dabei?

Nein, Max ist vier und Julie ist drei Jahre alt. Das wäre noch zu früh. Beim Soundcheck und im Studio er­leben sie ihren Papa manchmal, und die Band ist für sie Teil unserer Familie. 

 

Was mögen Sie am Touren speziell?

Man kommt in andere Ecken der Schweiz. Ich habe immer das Gefühl: Nach einer Tour spüre ich das Land besser und weiss, was die Leute in der Deutschschweiz beschäftigt. Ich komme bei Konzerten mit Menschen in Kontakt und achte mich, wenn ich im Ort herumlaufe, welche Ausstellungen und Museen es gibt, für die ich zu Hause mit zwei Kindern keine Zeit hätte. Ich genies­se es, wenn ich unterwegs kulturell auftanken kann. 

 

Wann machen Sie das?

Das geht nur früh am Morgen, wenn wir am Konzertort übernachtet haben. Senile Bettflucht! (Lacht)

 

Wenn Sie das Land so spüren, hätten Sie auch für das neue Parlament kandidieren können …

Nein, das hätte ich nicht. Ich tauge nicht zum Politiker. Mit fehlt dazu so gut wie alles.

 

Haben Parteien versucht, Sie für sich einzuspannen?

Nein, aber einzelne Politiker haben mich gefragt, ob ich sie unterstützen könnte, z. B. auf Social Media. Das habe ich jedoch abgelehnt. 

 

Aus Prinzip?

Nein, sie haben mir einfach keine Lust gemacht, mich für sie zu engagieren ... (Grinst)

 

Patent Ochsner war einst Vorband von Stephan Eicher. Welche inzwischen bekannte Anheizer hatten Sie schon?

Bei uns hat es nie wirklich gut mit den Vorbands funktioniert. Das Pub­likum war immer sehr ungeduldig. Sie wollten uns hören. Anders war es, wenn wir Künstler für ein, zwei Songs auf die Bühne holen. Da erhielten sie mehr Aufmerksamkeit. 

 

Bei wem könnten Sie sich vorstellen, ihnen diese Plattform zu bieten?

Martina Linn und Shirley Grimes haben wahnsinnig schöne Scheiben herausgegeben, und Veronica Fusaro finde ich auch toll.

 

Sie treten im Salzhaus auf. Welche Erinnerungen verbinden Sie damit?

Brugg ist ein Klassiker. Es liegt nahe genug bei Bern, weshalb keine Übernachtung nötig ist. Mir ist das Salzhaus sehr sympathisch, da es von einem Kollektiv betrieben wird, in dem es die Leute untereinander gut zu haben scheinen.

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