«Folge deinen guten Instinkten»

Steve Garrigan, Sänger von Kodaline über Schreib­blockaden, Tattoos, den Wert von Freundschaft und den Einfluss der Band U2.

Die irische Band Kodaline, vorne rechts der Sänger Steve Garrigan
Die irische Band Kodaline, vorne rechts der Sänger Steve Garrigan (Bild: zVg)

von
Reinhold Hönle

20. Oktober 2018
09:00

Kodaline

Sänger Steve Garrigan und Gitarrist Mike Prendergast gründeten Kodaline 2011 in ihrer Heimatstadt Dublin. Nach ihrem ersten Hit «High Hopes» erreichten sie schon mit ihrem ersten Album «In A Perfect World» die Top Ten der Schweizer Hitparade, was ihr auch mit dem Nachfolger «Coming Up For Air» gelang. Nach der Zusammenarbeit mit Tropical-House-Mitbegründer Kygo für die Single «Raging» wurde die Veröffentlichung von «In A Perfect World» immer wieder verschoben. Die starken Vorab-Veröffentlichungen «Brother» und «Follow Your Fire» sorgten jedoch dafür, dass das Interesse nicht abklang, sondern weiter wuchs. Songs wie «Shed A Tear» und «Worth It» erweisen sich nun als ebenso stadiontauglich, was das Quartett am 31. Oktober in der Zürcher Samsung Hall beweisen kann. 

Die irische Band Kodaline hat sich für ihr lang erwartetes drittes Album «Politics Of Living» Unterstützung bei Ed Sheerans «Shape Of You»-Koautor geholt und bietet nun noch radiogeneren Elektropop mit emotionalen Balladen und mitreissenden Hymnen.

 

Steve Garrigan, Kodaline hat für «Politics Of Living» dreieinhalb Jahre Zeit gebraucht. Hatten Sie eine Schreibblockade?

Sänger Steve Garrigan: Es war nicht wirklich eine Schreibblockade ... Wir waren mit dem ersten Album lange auf Tournee, haben den grössten Teil der Songs für «Coming Up For Air» unterwegs geschrieben, gingen ins Studio und gaben nach der Veröffentlichung gleich wieder Konzerte. Wir hatten vier Jahre aus dem Koffer gelebt und brauchten eine Pause. Dort kam uns dann das Leben in die Quere. Die einen zogen aus dem Elternhaus aus, zwei heirateten gar. 

 

Haben sich die privaten Veränderungen auch in der Musik niedergeschlagen?

Alles, was wir wussten, als wir mit dem Schreiben begannen, war: Wir wollten nicht noch einmal das gleiche Album machen. Meine Komfortzone als Songwriter sind langsame Balladen und emotionale Songs. Die fühlen sich für mich immer noch richtig an, aber ich wollte auch irgendwohin, wo ich noch nie war. Statt wie bisher alles selbst zu machen, haben wir mit verschiedenen Koautoren und Produzenten experimentiert. Johnny McDaid, der schon bei Ed Sheerans «Shape Of You» und P!nks «What About Us» mitgearbeitet hat, ist ein grossartiger Songschreiber, der wie ein älterer Bruder für die Band wurde und uns antrieb, an unsere Grenzen zu gehen.

 

Was hat das bewirkt?

Wir spürten, dass wir immer, wenn es unangenehm wurde, etwas richtig machten. Wir sind stolz, dass jeder Song seine eigenen Qualitäten hat und eine andere Geschichte erzählt. Obwohl wir uns treu geblieben sind, klingt der Sound frisch. Das Album markiert für uns fast den Beginn einer neuen Ära. 

 

Weshalb halten Sie «Follow Your Fire» für Ihre bislang beste Single?

Für uns war der Song sehr aufregend, weil er schnell ist und nicht melancholisch, sondern optimistisch. Ich liebe die Botschaft, obwohl sie sehr einfach ist: Kämpfe für das, woran du glaubst, folge deiner Leidenschaft und deinen guten Instinkten. 

 

Hatten Sie auch eine grosse Jugendliebe?

Ich glaube, die hat jeder. Und wird sie nie vergessen. Das Lustige ist, dass ich «Follow Your Fire» ursprünglich über einen Jugendfreund geschrieben habe. Dann habe ich jedoch eine Zeile über eine Beziehung hineingebracht. So wurde daraus ein Lied über eine Jugendliebe, nach der du getrennte Wege gegangen bist. Du schaust zurück und fragst dich, ob das Mädchen getan und erreicht hat, wovon sie geträumt und gesprochen hat. Oder ob sie nun macht, was die anderen sagen.

 

Stimmt es, dass Sie von den Schweizer Frauen schwärmen?

Ehrlich, das sind die schönsten Frauen der Welt! 

 

Gibt es noch Groupies, und welche Rolle spielen Sie in Ihrem Leben?

Ich hatte schon ein paar Möglichkeiten, aber ich war einfach zu schüchtern. Ich bin wohl einfach nicht so talentiert im Umgang mit Frauen ... Aus­serdem bin ich nun in einer Langzeitbeziehung und sehr glücklich. 

 

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Anfänge mit der Gruppe 21 Demands? 

Gitarrist Mike Prendergast und ich waren noch Teenager, als wir die Band gegründet hatten und bald Schulfreund Vinny May als Schlagzeuger dazukam. Wir spielten hauptsächlich in Pubs und schrieben ein paar Songs, die mich jedoch erschaudern lassen, wenn ich sie heute höre. Wir hatten noch viel zu lernen. Wir liebten und entliebten uns, gingen aufs College und brachen es ab, als wir bei der irischen Casting-Show «You’re A Star» den zweiten Platz erreichten.

 

Weshalb haben Sie den Namen 2011 geändert?

Nach unserem ersten Nummer-eins-Hit versandete der TV-Ruhm schon bald. Deshalb nahmen wir mit Bassist Jason Boland als Kodaline einen neuen Anlauf. Wir begannen textlich tiefer zu schürfen. Der erste richtige Song, den ich mit 20 schrieb, war «High Hopes» und brachte unseren internationalen Durchbruch. 

 

Welche hochfliegenden Hoffnungen haben Sie?

Wir lieben es, Musik zu machen, und möchten ein noch grösseres Publikum erreichen. Um es mit einer Metapher zu sagen: Jeder Song und jedes Konzert sind eine Treppenstufe, um weiter nach oben zu kommen. Und das wollen wir machen bis wir alt und grau sind.

 

Was hat Sie zur unter die Haut gehenden Ballade «Brother» inspiriert?

Es geht um den Wert einer starken Freundschaft, speziell in schwierigen Zeiten, wenn man jemanden braucht, mit dem man reden kann oder der einfach zuhört. Für uns ist aber auch die Band ein «Bruder-Ding», obwohl wir nicht verwandt sind, denn wir kennen uns, seitdem wir acht Jahre alt sind.

 

Im Song werden Tattoos erwähnt. Haben Sie auch welche?

Ich habe eins auf meiner Brust. Ich habe den Gutschein dafür von einem Freund zum 18. Geburtstag bekommen. Es ist ein wirklich sehr schlechtes Tattoo! (lacht) Meine Idee war eine Sternschnuppe mit Musiknoten. Es ist verschmiert und sieht schrecklich aus, aber es gehört nun zu mir.

 

Kodaline werden oft mit Coldplay verglichen, erinnern aber auch an U2 ...

Wir waren Riesenfans. Deshalb macht es auch Sinn, wenn man sie als unsere grössten Einflüsse heraushört. Ausserdem sind U2 ebenfalls Iren.

 

Kennen Sie Bono persönlich?

Ich habe ihn schon mehrfach getroffen. Als wir in Los Angeles waren, hat er uns mal zu einer Bandprobe eingeladen. Wir sassen da in absoluter Ehrfurcht auf einer Couch und fanden es erfrischend, sie mal nur mit Gitarre, Bass und Schlagzeug zu erleben. Während «Vertigo» kam Bono zu uns, legte seinen Arm um unseren Schlagzeuger und sagte: «All dies könntet ihr auch erreichen.» Er gab uns eine Menge Ratschläge, machte aber auch Witze und lachte. Es war wirklich cool. U2 schickten uns sogar schon Champagner und Guinness.

 

«High Hopes» lief im Kinohit «Fack ju Göhte». Haben Sie ihn gesehen?

Noch nicht, aber Jason findet ihn ziemlich gut. Zuerst hatten wir gar nicht mitbekommen, dass der Song für diesen Soundtrack ausgewählt worden war. Dann kamen plötzlich Leute auf uns zu und sagten: «Fack ju Göhte!» Es klang, als würden sie «Fuck you!» sagen. Bis uns jemand sagte, dass der Film im deutschsprachigen Raum ein Blockbuster war...

 

 

Mittwoch, 31. Oktober, 19.30 Uhr
Samsung Hall, Zürich

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