Glücklich sterben? – Hans Küng

Küng zu lesen ist immer Gewinn. Weil dieser Theologe nie seicht daher kommt. Sondern seine Themen immer umfassend ausleuchtet, sauber präsentiert. Und Substanz abliefert. Bei ihm geht’s stets um gelingendes Leben – auch im Sterben.

von
Hans Lenzi

03. August 2017
09:00

Hans Küng gibt auch Persönliches preis. Er spricht von seinen Alterserkrankungen – Parkinson, Makuladegeneration, Polyarthritis. Und wie er die vielen Lebensjahre spürt. Er erzählt Beispiele schrecklichen Hinscheidens von Personen seines nahen Umfeldes und kommt zum Schluss: So will ich nicht abgehen. Das ist würdelos und kann auch nicht im Sinne des Herrgotts sein, dessen herausragende Qualität spätestens seit Jesus Liebe und Barmherzigkeit sind. Er bringt Argumente für ein Leben nach dem Tod, ohne zu verschweigen, dass wir hier ewig in Beweisnot bleiben und nichts als blankes Vertrauen bemühen können: «Ich glaube nicht, dass ich in ein Nichts, sondern in ein letzte Wirklichkeit hineinsterbe, in die tiefe, tiefste Wirklichkeit.»

Der Autor plädiert, je nach Situation, dafür, dass «man aus Gottesvertrauen heraus freiwillig sterben kann». Ganz so, wie damals seine Mutter: «Sie beschloss eines Tages, nicht mehr zu essen, nicht mehr zu trinken. Und sie starb innerhalb weniger Wochen friedlich und ruhig.» Er kann schliesslich nicht erkennen, dass Gott für jeden Menschen einen bestimmten Zeitpunkt verfügt hat; die biblischen Quellen lassen so etwas nicht belegen und «mit Vernunft ist es nicht zu begründen». Dieselben Quellen verböten – laut Küng – nirgends Selbsttötung ausdrücklich.

Eine ernstzunehmende Botschaft. Sie kommt von keinem Leichtgewicht. Sondern von einem der profiliertesten Theologen unserer Zeit. Solche Stimmen sind unersetzlich.


Über den Autor

Hans Küng (*1928) wuchs in Sursee auf, ist Theologe, römisch-katholischer Priester und Autor. Von 1960 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 war er Theologie-Professor an der Eberhard Karls Universität in Tübingen, zuletzt für Ökumenische Theologie. Bis März 2013 war er Präsident der von ihm mitgegründeten Stiftung Weltethos Kirchenkritiker. Insbesondere seine Kritik am Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit führte zum Entzug seiner für die römisch-katholische Glaubenslehre durch die Deutsche Bischofskonferenz. Er hat unzählige Werke verfasst.

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