Grenzgängerin – Evelyne Binsack

Die bekannte Ausnahme-Alpinistin gewährt spannende Einblicke in ihr Leben. «Ein Leben für drei Pole» ist der zweite Titel ihres Buches. Sie beschreibt darin ihre Trips zum Südpol, auf den Mount Everest und zum Nordpol. Eine spezielle Schweizerin. Die gut 200 Seiten lesen sich leicht.

von
Hans Lenzi

21. Dezember 2017
10:00

«Es geht mir gut. Heute weiss ich: Ich bin Evelyne Binsack, Bergführerin und Abenteurerin. Ich bin Pilgerin und Nomadin, ein Grenzgängerin. Deshalb werde ich wieder aufbrechen. Immer wieder.» Mit dieser Feststellung endet das vorliegende Werk. Vorher erfahren wir von Binsacks Trauer über den Tod der Eltern, von ihren alpinistischen Erfolgen, dem Fast-Tod aus Erschöpfung am Südpol, der siegreichen Erklimmung des welthöchsten Berges und vor allem von ihrem letzten Vorhaben: Das Erreichen des Nordpols, mit all ihren Rückschlägen und Schwierigkeiten. Wir hören, dass sie schon als Kind und Teenager vor allem eines gut konnte: Schnell und ausdauernd laufen. Was sie für eine Zeit zur Leichtathletik brachte. Die gelernte Sportartikelverkäuferin lässt sich als eine der ersten Frauen in Europa 1991 zur diplomierten Bergführerin ausbilden. Im Laufe der Jahre kommt noch das Brevet als Helikopterpilotin und in Hollywood jenes als Dokumentarfilmerin dazu. Neben ihren Referaten vor grossem Publikum findet sie zudem noch Zeit, zwei Bücher – das vorliegende ist das dritte – zu schreiben. Eine ungemein aktive Zeitgenossin.

Wir vernehmen, dass Evelyne Binsacks Herz für Tiere schlägt, dass sie – die Eisbär-Begeisterte — diese erhabenen Geschöpfe nie gefährden würde: «Aber ich werde niemals, auch nicht in einer Notsituation, den Lauf des Gewehrs oder des Revolvers auf einen Eisbären richten.» Dass es genau bei ihrer Nordpol-Expedition zu einer solchen Situation kommt, ist für sie unerträglich. Sie hadert mit dem verantwortlichen Leiter. An diesem Punkt werden der charismatischen Berner Oberländerin wohl nicht mehr alle Leser und Leserinnen folgen, weil hier die Wertigkeiten von menschlichem und tierischem Leben auseinanderklaffen.

Das alles zeigt, was diese Frau, die in ihrem Leben auch immer wieder Rückschläge einstecken musste, derart erfolgreich sein lässt: Es ist ihre emotionale Stärke, ihre fokussierte Willenskraft sowie, ganz entscheidend, ihre Fähigkeit, nicht zurück-, sondern stets vorwärts zu schauen.

 

Über die Autorinnen

Evelyne Binsack (*1967) verstand schon früh, dass es für das Überleben essenziell ist, die Gesetze der Natur zu respektieren und die physischen sowie mentalen Fähigkeiten unermüdlich zu trainieren. 1991 absolvierte sie als eine der ersten Frauen Europas die Ausbildung zur diplomierten Bergführerin und bestieg zehn Jahre später als erste Schweizerin den Mount Everest. Im September 2006 startete sie vor ihrer Haustür Richtung Südpol, den sie nach 484 Tagen erreichte. Und dies mit dem Fahrrad, zu Fuß, mit Ski und mit Schlitten. Aber erst 2017 erfüllte sich ihr lang gehegter Traum, auch noch den dritten Pol, den Nordpol, aus eigener Muskelkraft zu erreichen. Evelyne Binsack arbeitet als Bergführerin, ist als gefragte Referentin zu Themen wie Risikomanagement, Zielverwirklichung und Selbstführung unterwegs.

Doris Büchel (*1971) in Buchs SG, schreibt als freischaffende Journalistin Reportagen, Porträts, Interviews und Kurzgeschichten. Gern auch rund um den Themenbereich Sport. 2016 lancierte sie die «Edition Onepage», in der sie alle zwei Monate ein «reduziertes Magazin im wunderbaren Plakatformat A1» herausgibt. Doris Büchel lebt in Liechtenstein. 

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