Hillbilly-Elegie – James David Vance

Dieser New York Times-Bestseller liest sich flüssig und ist inhaltlich interessant. So sehr, dass sich sogar der SRF-Literaturclub damit befasste. Er zeichnet ein Sittenbild der gegenwärtigen Situation von weissen US-Familien im so genannten Rostbelt. Und lässt einen ernüchtert zurück. Nichts mehr von «American Dream of Life»…

von
Hans Lenzi

17. August 2017
09:00

«Das wichtigste politische Buch des Jahres» nennt die Süddeutsche Zeitung das vorliegende Werk. Wieso? Weil der Autor am eigenen Beispiel erklärt, wie schwierig es für einen Grossteil der (weissen) amerikanischen Bevölkerung heute geworden ist, noch auf einen grünen Zweig zu kommen. Gezeichnet von Hoffnungslosigkeit, von familiärer Gewalt, von Drogenkonsum schaffen es diese Fabrikarbeiter trotz Einsatz einfach nicht aus der Armut heraus.

Dieser Stress entlädt sich – nach innen und nach aussen. Und macht diese Gesellschaftsschicht empfänglich für populistische Parolen, wie sie der aktuelle Präsident Donald Trump so trefflich verbreitet. Schlechte Schulen, ständiger Schuldendruck tun ihr Übriges. Eine wahrlich pessimistische Sicht auf die «Hillbillys», jene Menschen im Rostbelt, also im ehemaligen Instustriegürtel Amerikas, der gegen das Ende des 20. Jahrhunderts seinen Niedergang erlebte.

Dennoch – keine Regel ohne Ausnahme: J.D. Vance gelingt – mit viel Glück und guten Fügungen – der Absprung aus der Millionenschar hoffnungsloser Zeitgenossen. Er schafft es an die bekannte Yale-Universität und ist heute anerkannter Jurist. Dass ihn aber die Kinder- und Jugendzeit ständig wieder einholen (wie verhält man sich eigentlich in gehobenen Kreisen; wie geht man in Beziehungen sinnvoll miteinander um?), das führt uns Vance eindrücklich vor Augen. Amerika – einmal anders. Die Lektüre lohnt sich.


Über den Autor

James David Vance (*1984) stammt aus der Industriestadt Middletown im US-Bundesstaat Ohio. Während seiner Jugend erlebte er den wirtschaftlichen Niedergang und den Abstieg der Menschen dort und wächst in zerrütteten Familienverhältnissen auf. Es gelingt ihm dennoch, an der Yale-Universität Jura zu studieren. Heute arbeitet er in einer Investmentfirma. Sein Buch «Hillbilly-Elegie» hat mit überwältigender Wucht eingeschlagen. Er lebt in Columbus, Ohio.

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