«Ich bin nie im Ausgang»

Latino-Pop-Star Loco Escrito, der mit seinem neuen Album von 0 auf 1 in die Hitparade einstieg, erzählt von der Wende in seinem Leben.

Loco Escrito hat Ende Januar das Album «Estoy Bien» veröffentlicht. Damit stieg er in den Charts direkt auf Platz 1 ein (Bild: zVg)

21. Februar 2020
08:00

Loco Escrito

Nicolas Herzig, 29, wurde als Sohn eines Kolumbianers und einer Schweizerin in Medellén geboren und wuchs in Wetzikon auf. Mit 14 Jahren begann er in der Hip-Hop-Formation LDDC zu rappen. 2013 schlug er als Loco Escrito eine Solokarriere ein. Nach seinem Debütalbum und einer EP verlegte er sich 2017 aufs Single-Format und eine Mischung aus Rap, Pop und lateinamerikanischen Rhythmen. Vier Songs erreichten schon Platinstatus: «Sin ti», «Mi Culpa», «Adiós», das bei den Swiss Music Awards zum Hit des Jahres 2018 gewählt wurde, und «Punto», das in diesem Sommer auf Rang 2 vorstiess. Mit seinem brandneuen Album «Estoy Bien» tritt der Latino-Pop-Star am 6. März im Badener Nordportal auf.

locoescrito.com

Sie nennen Ihr neues Album «Estoy Bien». Es ging Ihnen aber nicht immer gut?

Ja, vor der Geburt meiner Tochter und während ihrer ersten zwei Lebens­jahre hatte ich noch keinen Erfolg, und viele Leute meinten, als Vater müsse ich es mir nun erst recht überlegen, ob das mit der Musik eine Zukunft hat. Ich wollte Aisha jedoch zeigen, dass ich meinen Traum verwirklichen kann. Jetzt lebe ich von der Musik, kann für sie sorgen, ihre Mutter tatkräftig unterstützen und sogar mein Team vergrössern. 

 

Wie haben Sie reagiert, als Sie vor drei Jahren erfuhren, dass Sie Vater werden?

Ehrlich gesagt, ich war zuerst geschockt und dachte, «Nein, das geht nicht!», denn wir waren kein Paar mehr. Und ich hatte das Gefühl, dass es für uns beide zu früh wäre. Zudem hatte ich mein Leben damals nicht im Griff und wusste nicht, wie ich das finanziell stemmen sollte. Trotzdem haben wir uns für das Baby entschieden. Ich glaube, es hätte mir sonst mein ganzes Leben lang zu schaffen gemacht. 

 

Welche Rolle spielte der Motorrad­unfall, als Ihnen ein Autofahrer den Vortritt genommen hatte?

Als ich auf der Strasse lag und meine Beine nicht mehr spürte, war mein einziger Gedanke, dass ich dieGeburt meines Babys noch erleben will. Dieser Entscheid war jedoch vorher schon gefallen, aber durch den Unfall verlor ich die Angst vor den Folgen. 

 

Und kümmern sich nun zu 50 Prozent um Aisha?

Genau. Ein Freund von mir, der auch getrennt ist, hat immer gesagt: «Zwei Vögel ums Nest sind besser als einer.» Ich habe viele Paare beobachtet, die versuchten, die Liebe zueinander durch das Kind zu finden, aber das ist ungerecht gegenüber dem Kind. 

 

Wie schaffen Sie es, Kind und Musik unter einen Hut zu bekommen? 

Meine Mutter, bei der ich bei Aishas Geburt noch lebte, hat mir geholfen. Ich bin aber selbst alle zwei Stunden aufgestanden, als ich meine Tochter nach einem Monat schon regel­mässig bei mir hatte. Ich bin so dankbar für diese Zeit! Sie hat mich sehr stark gemacht. 

 

Wann ist Nicolas Herzig trotzdem noch Loco?

Wenn ich auf meinen Töff steige, habe ich noch immer alle Schrauben locker. Deshalb fahre ich nur noch so wenig wie möglich. Ein Konzert gibt mir mehr Adrenalin. 

 

Heute ist es schon fast normal, dass man auch zu gewissen Substanzen greift, um sich zu stimulieren. Wie halten Sie es damit?

Ich habe früher sehr viel gekifft. Alkohol habe ich nie konsumiert. Dann habe ich aufgehört zu rauchen und bin immer mehr auf den «Trip» gekommen, so bewusst wie mög­lich zu sein. Weil ich ein Workaholic bin, greife ich hin und wieder zu einem Joint, aber es ist vor allem meine Tochter, die mich immer wieder runterholt.

 

Inspiriert Sie ein Joint?

Wenn ich kreativ sein will, muss ich den Stecker zur restlichen Welt ziehen. Ohne den Joint dauert das vielleicht etwas länger, aber er hilft mir nicht, gute Musik zu machen.

 

Ihr Vater ist Kolumbianer. Was bedeutet Ihnen Ihre zweite Heimat?

In Kolumbien habe ich zum ersten Mal gesehen, wie die Realität für die meisten Menschen auf diesem Planeten aussieht. Den krassen Gegensatz zwischen Macht und Ohnmacht, Reichtum und Armut. Obwohl ich mich krass mit Kolumbien identifiziere und meinen Vater, der dort lebt, schon oft besucht habe, bilde ich mir nicht ein, zu wissen, wie das Leben dort wirklich ist. Ich spüre jedoch, dass die manchmal naiv wirkende fröhliche Grundeinstellung hilft, wenn man mit so viel Schwierigem umgehen muss. Gleichzeitig schätze ich die Schweiz wieder mehr. Wir sind vielleicht nicht so herzlich miteinander, aber dafür kann man sich darauf verlassen, was die Leute sagen, und hat gegenüber anderen Menschen einen grossen Grundrespekt, der uns jedoch auch hemmt, weil
wir Angst haben, uns falsch zu verhalten.

 

Wo haben Sie den Sommer genossen, wenn Sie mal in Zürich waren?

Ich bin halt immer bei meiner Tochter oder am Arbeiten. Ich bin nie im Ausgang oder mache sonstige Freizeitaktivitäten. Wir sind höchstens mal mit dem Boot eines Freundes auf den See hinausgefahren.

 

In welche Clubs würden Sie mit Freunden aus Kolumbien gehen?

Keine Ahnung, ich war seit drei Jahren nicht mehr im Zürcher Nachtleben unterwegs! Ich glaube, das «Barrio5» gibt es noch, wo viele Latinos verkehren, falls ich den Freunden einen zu grossen Kulturschock zu Beginn ersparen möchte (lacht).

 

Wo kaufen Sie Ihre Kleider ein?

Ein Laden, den ich kürzlich entdeckt habe, ist das «Titolo», da ich gerne exklusive Schuhe trage. Ansonsten ist das ein Gebiet, in dem ich noch dazulerne. Shoppen mag ich nicht so gerne, besonders Hosen anprobieren. 

 

Wo kann man Sachen kaufen, die ein dreijähriges Mädchen glücklich machen?

(lacht) Die gibt es an vielen Orten. Das Wichtigste ist jedoch, dass man mit Kindern in diesem Alter raus in die Natur geht. Ich kaufe Aisha auch ab und zu etwas, aber so viel Freude wie an einem Stecken oder einem Stein, den sie selbst gefunden hat, macht ihr das selten. Ein Tipp für Leute, die nicht so viel Geld für Kleider oder Spielsachen haben: Geht dort in Secondhandläden, wo viele Reiche leben. Die kaufen so viele Sachen, die sie gar nie brauchen. In Küsnacht zum Beispiel, da findet man krasses Zeug!

 

Sind sind zum ersten Mal mit einer richtigen Band auf Tournee. Was hat sich dadurch für Sie verändert?

Das Auftreten war schon immer meine grösste Leidenschaft, welche durch meine Liveband und meinen Tänzerinnen noch viel mehr gewachsen ist. Es macht doppelt so viel Spass und ich muss erwähnen, dass ich zurzeit wirklich die besten Jungs und Girls an meiner Seite habe.

 

Weckt Ihr Konzert am 6. März im Nordportal spezielle Erinnerungen an frühere Auftritte in Baden?

Ich kann mich noch genau an einen meiner ersten Auftritte erinnern, den ich im Grand Casino Baden hatte. Ich war sehr stolz. Es freut mich deshalb speziell, mit der Tour und dem neuen Album im Gepäck wieder nach Baden zu kommen.

  

Freitag, 6. März, 20 Uhr, Nordportal, Baden

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