«Ich habe früher viel Zeit vergeudet»

Popstar Anastacia lässt sich von Morbus Crohn und Brustkrebs nicht unterkriegen und hat sich das Zeichen für «ewiges Leben» tätowieren lassen.

Anastacia: «Man muss sich Herausforderungen stellen»
Anastacia: «Man muss sich Herausforderungen stellen» (Bild: zVg)

von
Reinhold Hönle

27. Juli 2018
09:00

Stars in Town

Das «Stars in Town», das vom 7. bis 11. August wieder auf dem Herrenacker stattfindet, dem malerischen Platz in der Schaffhauser Altstadt, zieht die Fans mit einem vielfältigen und gut sortierten Programm an. Das Festival mit je drei Konzerten pro Abend beginnt mit den finnischen Metalrockern Nightwish und Gotthard unplugged als Zugpferden. Am Mittwoch werden sicher Bluesman Rag’n’Bone Man und die talentierten Lokalmatadoren The Gardener & The Tree gefeiert. Am Donnerstag folgt der Soul-Frauenpower-Doppelheadliner Anastacia und Joss Stone. Der deutschsprachige bzw. berndeutsche Freitag lässt vom aktuellen Erfolg her gar keine Rangierung zu, sondern nur vom eigenen Geschmack: Adel Tawil, Lo & Leduc und Vincent Weiss. Der Superstar des 9. «Stars in Town» ist fraglos James Blunt. Er beschliesst es am Samstag nach Hecht, die 2017 den Swiss Music Award als Best Live Act gewannen. Mehr Details: www.starsintown.ch.

Der Durchbruch gelang Anastacia zur Jahrtausendwende mit dem Superhit «Iʼm Outta Love» – im Alter von 32 Jahren, wenn die Karriere-Uhr für die meisten ihrer Kolleginnen bereits abgelaufen ist. In ihren Anfängen war die Tochter des Sängers Robert Newkirk und der Broadway-Schauspielerin Diane Hurley Tänzerin und Studiosängerin, wurde allerdings seit der Scheidung ihrer Eltern von Morbus Crohn gebremst, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, die oft psychosomatische Ursachen hat. Nach weiteren Bestsellern wie «Not That Kind» und «Paid My Dues», auf denen sie ihre kraftvolle Soulröhre erneut mitreissend zum Tragen brachte, erkrankte sie 2003 zum ersten Mal und 2013 zum zweiten Mal an Brustkrebs. Dazwischen hatte sie aus­serdem zu verkraften, dass ihre Ehe mit ihrem Bodyguard Wayne Newton nur drei Jahre hielt. Die energiegeladene Amerikanerin kehrte jedoch nach jedem dieser Tiefschläge auf die Bühne zurück. Die aktuelle CD «Evolution» spiegelt einige ihrer Erfahrungen.

 

Nie erlahmender Kampfgeist

«Natürlich freut sich niemand über schlechte Nachrichten, aber man muss sich Herausforderungen stellen und sollte sich von ihnen nicht einschüchtern lassen», erklärt Anastacia ihren scheinbar nie erlahmenden Kampfgeist. Vor ihrem 50. Geburtstag meinte sie, sie würde die Weisheit, die man mit dem Älterwerden erreicht, als Segen empfinden. «Ich habe früher viel Zeit damit vergeudet, mir über private und berufliche Dinge Sorgen zu machen, die ich eh nicht kontrollieren kann.» Heute ärgert sie sich nicht mehr, dass ihre Plattenfirma es verpasste, sie in ihrer Heimat richtig zu lancieren und sie deswegen nur in Europa zum Star aufstieg. «Ich habe viel mehr von der Welt gesehen, als wenn es in den USA geklappt hätte, und kann in Los Angeles ein unbehelligtes Leben führen.» Ausser, wenn Touristen sie erkennen, weil sie statt Kontaktlinsen wieder einmal ihr einstiges optisches Markenzeichen, eine Brille, trägt.

 

Tattoos und Kreuze

Die Narben, von denen Anastacia im Lied «Boxer» singt, stammen jedoch nicht von ihren Fans, obwohl sie staunt, dass die Begeisterung bei manchen so weit geht, dass sie sich die gleiche Tätowierung stechen lassen wie die Sängerin. Ihre Bekannteste ist das Anch auf ihrem unteren Rücken. «Als spirituelle Person fühlte ich mich von Kreuzen sehr angezogen. Dann dachte ich, es sei das Prince-Symbol», erinnert sie sich an die Suche nach dem Motiv für ihr erstes grös­seres Tattoo. «Schliesslich erfuhr ich, dass dieses alte ägyptische Zeichen ‹ewiges Leben› bedeutet.» Sie schwärmt von der wunderbaren Energie, die es hat, äussert aber, sie sei sich bewusst, dass die Tatsache, dass sie wieder gesund ist, nicht ausschliesst, dass die Auseinandersetzung mit dem Krebs weitergehen wird. 

Momentan geniesst sie es aber einfach, das zu tun, was ihr am meisten Spass macht, zu singen. Seit ihrem Comeback 2016 ist der Wunsch wieder da, Songs zu schreiben und auf Tournee zu gehen. «Als ich die Stones sah, wie sie immer noch aktiv sind, dachte ich: Das will ich auch, dann habe ich noch 25 Jahre!», meint sie lachend. Eines der für sie eindrücklichsten Konzerte in der Schweiz war ein Auftritt beim «Moon and Stars» in Locarno – nicht nur wegen der Piazza-Grande-Kulisse. «Ich weiss noch, dass es sehr heiss war und ich eine Lederjacke trug», erzählt sie. «Ich habe unheimlich geschwitzt und war ganz durcheinander, aber das Publikum ist ausgeflippt.» Es wäre keine Überraschung, wenn sich dies bei «Stars in Town» wiederholen würde.

Donnerstag, 9. August ab 18.30 Uhr auf dem Herrenacker Schaffhausen

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