«Ich hatte verschiedene Rettungseinsätze»

Peter Reber (70) über seine Tournee mit dem neuen Album «Ha mys Härz uf der Büni gla», das Segeln und den Reiz von «Game Of Thrones».

Peter Reber gibt ein Konzert in Möriken-Wildegg (Bild: zVg)

von
Reinhold Hönle

04. Dezember 2019
09:00

Peter Reber, 70

Peter Reber, der am 28. April 1949 in Bern geboren wurde, landete mit Peter, Sue & Marc und ihrem dreistimmigen Gesang Hits wie «Djambo Djambo», «Cindy», «Io senza te» und «Birds Of Paradise». Er schrieb ausserdem «Swiss Lady» für Pepe Lienhard und «Cinema» für Paola. Nachdem sich das Trio 1981 getrennt hatte, brachen Reber und seine Frau Livia auf ihrem Segelboot zur Atlantik-Überquerung auf. Weil ihnen das Leben auf dem Meer so gut gefiel und seine fünf musikalischen Postkarten von «Grüeni Banane» bis «Ich wünsche dir» zuhause so gut ankamen, beschlossen sie erst 1995 zurückzukehren. Gerade noch rechtzeitig, um die Kinder Nina und Simon in der Schweiz einschulen zu können. Mit seinen gefühlvollen Mundartliedern, seinen Weihnachtsplatten und den Tourneen, oft mit Tochter Nina, blieb er äusserst erfolgreich. Das Konzert mit ihr am 13. Dezember in Möriken im Gemeindesaal ist bereits ausverkauft. Mehr Infos: www.peterreber.ch

Peter Reber, wofür schlägt Ihr Herz gerade?

Für mehrere Sachen. Immer schon für meine Familie – meine Frau, meine Tochter, meinen Sohn, meine Schwiegertochter und seit anderthalb Jahren für mein Enkelkind. Mein Herz schlägt jedoch ebenfalls für die Musik und meine Fans. Im Text des Titelsongs meiner neuen CD «Ha mys Härz uf der Büni gla» heisst es, ich hätte mein Herz nach meinem letzten Konzert hinter dem Vorhang deponiert, um bis zur nächsten Tournee so nahe wie möglich beim Publikum zu sein.

 

Wie trainieren Sie Ihr Herz?

Ich bin immer offen für Neues, das ist im übertragenen Sinn gut fürs Herz. Für die körperliche Fitness stehe ich jeden Tag 40 Minuten auf dem Stepper. Das mache ich seit anderthalb Jahren und schaue mir dabei alte Soaps an, «Game of Thrones», «Fringe» oder «Lost». 

 

«Game of Thrones» ist doch ziemlich brutal. Was gefällt Ihnen daran?

Mit geht es weniger um die Serie selbst als die Neugier, wie sie weitergeht, die sie weckt. So habe ich meinen inneren Schweinehund überlisten können und sechs Kilo abgenommen. Es ist nun zwar immer noch ein älterer Herr, der auf der Bühne steht, doch fühle ich mich als Musiker nicht weniger leistungsfähig als früher.

 

Ich habe gehört, dass Ihr Motto lautet: «Jung sterben, aber so spät wie möglich.» Eine Eigenkreation?

Nein, ich habe das irgendwann mal gehört und fand die Idee schön. Zuerst tönt sie furchtbar, aber – zumindest im Kopf – bis zum Lebensende aktiv zu bleiben, ist auch mein Wunsch.

 

Was bedeutet es Ihnen, mit Liedern aus vier Jahrzehnten auf Tournee zu gehen?

Es ist ein Rendezvous mit der Vergangenheit, aber auch mit der Gegenwart. Ich habe sehr treue Fans, die schon als Teenager Peter, Sue & Marc gehört haben und nun ihre Kinder und Enkel zu den Konzerten mitbringen. Es ist mir eine Freude, meine Lieder für sie wieder zu singen und so zu einem gelungenen «Familientreffen» beizutragen. 

 

Wie verändert sich Ihre Vater-Tochter-Beziehung, wenn Sie mit Nina auf Tournee sind?

Auf der Bühne sind wir zwei Musiker, die völlig professionell zusammenarbeiten. Da wird mir nichts erspart und ihr auch nicht. Nina ist mit ihrer schönen Stimme eine wahnsinnige Bereicherung. Wenn sie nicht zugesagt hätte, wäre ich wahrscheinlich gar nicht auf Tournee gegangen. 

 

Was gab den Ausschlag?

Nina ist Lehrerin und hatte in ihrer Zusatzausbildung gerade die Masterprüfung als Heilpädagogin gemacht. In den drei, vier Monaten, in denen sie die Masterarbeit schreiben und noch reisen wollte, war genügend Zeit für eine Tournee, bevor sie wieder unterrichtet. Da ich noch ein paar neue Lieder geschrieben habe, macht es auch Sinn, dass man sie unter die Leute bringt.

 

Welche Lieder spielen Sie nur deshalb, weil sie dabei ist? 

«Sing Children» wäre ohne sie nicht möglich. Es war einer meiner Lieblingssongs bei Peter, Sue & Marc, hatte aber im Musical «Io senza te», das nächstes Jahr bei den Thunerseespielen wieder auf die Bühne kommt, keinen Platz. Sie singt noch andere wunderschöne Lieder wie Bettina Wegeners «Sind so kleine Hände», was auch zu Ninas beruflichem Hintergrund passt.

 

Nina und Ihr Sohn Simon sind «Chinder vom Kolumbus». Wie hat sie diese Jugend geprägt?

Das muss ich präzisieren: Nina ist auf den Bahamas zu uns gestossen, und Simon hat die ersten zwei Lebensjahre auf dem Schiff verbracht. Die Zeit auf den Bahamas war für beide Kinder sehr schön. Sie konnten fast eher schwimmen als laufen. Als wir in die Schweiz zurückkamen, konnten sie auch problemlos mit dem Velo die Berge hochfahren.

 

Ein Kulturschock war es nicht?

Nein, höchstens ein Klimaschock, weil es Herbst war. Nina hat nach 14 Tagen gefragt: «Papi, wird es hier mal hell?» Und Streit hat es gegeben, wenn sie morgens Strumpfhosen anziehen sollte, denn das kannte sie nicht. Wenn es auf den Bahamas kalt ist, hat es 20 Grad! (Lacht)

 

Emil Steinberger ist einst nach New York aufgebrochen, weil er zu Hause keine ruhige Minute mehr hatte. Wie war das bei Ihnen, als Peter, Sue & Marc auseinandergegangen waren?

Emil hat ja nun wirklich jeder gekannt. Und bei einem Komiker ist es wahrscheinlich anders, weil immer erwartet wird, dass er etwas Komisches sagt. Wir sind jedoch nicht weg, weil es mir nicht mehr gefallen hat, sondern weil wir wissen wollten, was hinter dem Horizont ist. Ich hatte immer einen Bezug zum Wasser. Wir haben als Kinder am Murtensee gezeltet. Später bekam ich ein Stipendium fürs Atlantic College in Wales und wurde dort ausgebildeter Life Guard. Ich bin viel gesegelt und hatte verschiedene Rettungseinsätze. So habe ich mich intensiv mit dem Meer und mit dem Reisen auf dem Wasser auseinandergesetzt. 

 

Wie ging das in der Schweiz weiter?

Während der Trio-Zeit hatte ich mein erstes Schiff auf dem Neuenburgersee. Dort entstand der Traum von der Weltumsegelung, einem der letzten grossen Abenteuer. Nur mit einem kleinen Schiff wie Kolumbus, genau die gleiche Route übrigens. Wir segelten mit dem Passatwind. Man sagt, wenn der Anke im Kühlfach schmilzt, dreht man rechts ab! (Lacht) Nicht nur das Segeln war eine Herausforderung, sondern auch die anderen Menschen und Kulturen. Wir legten in kleinen Häfen an und blieben so lang, wie wir es spannend fanden.

 

Wie haben Sie sich in dieser Zeit verändert?

Das Reisen hat mir einen Blick von aussen auf unser Land geschenkt. Er zeigte mir, wie privilegiert man ist, wenn man in einer sozial durchlässigen Gesellschaft aufwächst. Ich konnte als Arbeiterkind studieren, während mein Vater diese Chance in einer Familie mit sieben oder acht Kindern noch nicht hatte. Die Bahamesen haben dafür eine unglaubliche Lebensfreude. Wir Schweizer sind zurückhaltender und unglaublich gut organisiert. Ich schätze es auch, dass der Strom aus dem Stecker und das Wasser aus dem Hahn kommt! (Lacht) 

 

Wann waren Sie zum letzten Mal auf den Bahamas?

Ich bin nie wieder zurückgekehrt, aber wir waren viel in Florida. Vielleicht war es die Angst, unsere Insel nicht mehr so anzutreffen, wie wir sie erlebt hatten?

 

Fällt Ihnen das Songschreiben heute leichter oder schwerer als früher?

Es wird nicht einfacher, wenn man schon ganz viele Lieder geschrieben hat, da man schon so viele Themen bearbeitet hat. Was habe ich schon gesagt, was will ich noch sagen? Aber jede Lebensphase bietet neue Themen. Allerdings hat man auch einen gewissen Namen zu verlieren und wird selbstkritischer. Dabei geht die Unbeschwertheit verloren. Manchmal sucht man auch viel zu weit. Das ist ein Vorteil des Dialekts. Dialekt ist ganz nah. Gerade wir mit unserer Berner Chanson-Tradition können schöne Geschichten erzählen.

 

Dann ist Ihre Enkelin wohl die «Ploudertäsche» in Ihrem Lied. Hat Sie das Gen von Ihnen?

Ellie kann noch gar keine richtigen Geschichten erzählen. Sie ist anderthalbjährig. Aber wir kommunizieren die ganze Zeit – über den Gesichtsausdruck – und verstehen uns bestens! Natürlich verstehe nicht alles, aber ich weiss, was sie meint. 

 

Ist sie schon ein Fan Ihres «Hippi­gschpengschtli»?

Das Kinderliederbuch «Di schön­schte Chinderlieder», das Nina und ich 2009 gemacht haben, läuft rauf und runter. Wenn man sie fördert, sind Kinder unglaublich musikalisch, denn sie haben noch keine Hemmungen. 

 

Was für ein Lebensgefühl war das, als Sie am Anfang Ihrer Karriere mit Peter, Sue & Marc von Erfolg zur Erfolg eilten?

Ich möchte vorausschicken: Er kam nicht plötzlich, sondern über die Jahre. Erst 1976 konnten wir daran denken, die Musik zum Beruf zu machen. Die folgenden fünf Jahre waren sensationell: jede Single in den Charts, jedes Jahr zwei Alben, es war crazy! Wir haben keine Ferien gemacht. Es war spannend, wir sind herumgekommen. Durch die Teilnahmen am Eurovision Song Contest, der damals noch Grand Prix Eurovision de la Chanson hiess, hatten wir auch im Ausland viele Auftritte. Wenn du deine Lieder dem Publikum vorstellen kannst, das fägt! 

 

Sie waren auch geschäftlich erfolgreich ...

Ja, wir haben ein Label gegründet, ich habe den Musikverlag Taurus aufgebaut. Ich war Unternehmer, Komponist und stand auf der Bühne. Ich ging jeden Morgen ins Büro, wir hatten Angestellte. Es war unheimlich spannend. Wir gaben etwa 150 Konzerte im Jahr. Es war ein erfülltes Leben, dreizehn Jahre lang. Trotzdem war es gut, dass wir aufhörten, da wir alle noch andere Pläne hatten. 

 

Sie haben in den letzten Jahren schon den Swiss Music Award für Ihr Lebenswerk und den Ehren-Prix-Walo erhalten. Was kann da noch kommen? Ein Grammy?

(Amüsiert). Nein, denn wir leben ja in der kleinen Schweiz. Ich freue mich über die Ehrungen und möchte nicht unhöflich sein, aber viel wichtiger ist für mich, dass die Leute sich über unsere Konzerte freuen und uns zwei Stunden mit ihrem Applaus beschenken.

 

Bei unserem Interview vor sieben Jahren wollten Sie sich künftig wieder mehr Zeit nehmen, um mit Ihrer Frau zu reisen. Haben Sie den Vorsatz umgesetzt?

Grosse Schiffsreisen machen wir nicht mehr, wir haben auch kein eigenes mehr. Es gibt aber noch viele Sachen, die ich in der Schweiz nicht gesehen habe, obwohl ich schon fast überall war, denn ich war oft nur in den Konzertsälen. Diesmal wollen Nina und ich aber auch Sightseeing betreiben. Livia und ich werden dann nach der Tournee ein bis zwei Monate auf Reisen gehen.

 

Sie und Ihre Frau sind nun schon 44 Jahre verheiratet ...

Nicht ganz. Wir lernten uns 1976 kennen. Geheiratet haben wir erst sechs Jahre später.

 

Ist das neueste Liebeslied «Am liebschte ganz mir dir allei» wie «E Vogel ohni Flügel» von ihr inspiriert?

Ja, es handelt von unserer Beziehung. Was ich da mit einem Augenzwinkern erzähle, kann jede Frau nachvollziehen.

 

Sie sind also ein Hypochonder, der wegen jedem Pfnüsel gleich ans Schlimmste denkt?

Das tun doch alle Männer! (Lacht)

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