«Ich schwebe auf einer rosa Wolke»

Auf seiner aktuellen Tournee gastiert der selbst ernannte Alpentainer Trauffer am 20. und 21. April in der Vianco Arena in Brunegg.

Auf Erfolgskurs: Alpentainer Trauffer
Auf Erfolgskurs: Alpentainer Trauffer (Bild: zVg)

von
Reinhold Hönle

11. April 2018
10:15

Trauffer (38) über die Erfüllung seines Kindheitstraums, die Schattenseiten des Erfolgs und die Freude am Pendeln zwischen seiner Holzspielwarenfabrik in Brienz und den grossen Konzertbühnen.

 

Marc A. Trauffer, Sie zählen seit fünf Jahren zu den erfolgreichsten Musikern der Schweiz. Wie hat sich Ihr ­Leben dadurch verändert? 

Mein Alltag zu Hause in Brienz ist fast unverändert. Da habe ich meine Familie und Freunde und gehe von Montag bis Donnerstag um 6 Uhr zur Arbeit in meine Firma. Komplett anders ist es, wenn ich mit meinen Musikern unterwegs bin. Die Leute erkennen mich, und ich mache schon das eine oder andere Selfie mehr ...

 

Worüber freuen Sie sich besonders?

Schon auf der «Heiterefahne»-Tournee haben wir praktisch jedes Konzert vor vollem Haus gespielt, aber diesmal waren schon vor dem Start die meisten Karten verkauft. Auch das Interesse der Medien ist riesig. So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt. Da ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Jeder, der mit seinen Kollegen eine Band gründet, träumt schliesslich vom Aufstieg aus dem Übungskeller auf die grossen Bühnen. Das haben wir erreicht, und das ist eine unglaubliche Genugtuung. 

 

Gibt es auch Schattenseiten?

An Festivals musste ich schon aufhören, nach meinem Auftritt Autogramme zu geben, weil die Leute oft weit über die Umbaupause hinaus anstanden und die Band, die nach mir an der Reihe war, das nicht lustig fand. 

 

Wie schwierig ist der ständige Wechsel zwischen Ihren beiden Welten?

Überhaupt nicht! Er macht mir unglaublich Spass. Ich komme zum Ende der Woche mit einem freien Kopf aus dem Geschäft und freue mich auf meine Jungs und das gemeinsame Musikmachen. Wir haben erfolgreiche und lustige Abende. Danach kehre ich ebenso gerne wieder in mein vertrautes Umfeld zurück. Ich habe gelernt, dass man den Erfolg, den ich gerade habe, nicht allzu ernst nehmen darf. Ich geniesse es einfach, momentan auf einer rosa Wolke zu schweben.

 

Sie haben sich nicht in jemanden aus dem Showbusiness verliebt, sondern in eine Mitarbeiterin. Konnte nur dort eine richtige Beziehung wachsen?

Diese Frage müssen Sie umformulieren, da wir getrennte Wege eingeschlagen haben. 

 

Hat sich das Showbusiness negativ auf Ihr Privatleben ausgewirkt?

Nein, die Trennung hatte andere Gründe. Die Reibungspunkte gibt es vor allem, wenn ich einen Fussballmatch meines Sohnes besuche oder mit ihm an die Berufsmesse in Bern gehe und zu viele Leute mit mir ein Selfie wollen. Hart ist es auch, wenn meine Tochter irgendwann sagt: «Du, es ist echt mühsam, mit dir unterwegs zu sein.» Das tut mir leid, denn ich möchte in der Zeit, die ich mit ihnen verbringe, ganz für meine Kinder da sein.

 

Was unterscheidet die neue CD vom Album «Fischer und Jäger», mit dem Ihr Aufstieg begann? 

Ich glaube, dass wir unser Profil als Band viel mehr geschärft haben. Ich bin ein erfolgreicher Entertainer und das will ich auch sein. Ich versuche, den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, sie zum Lachen und Tanzen zu bringen. Das hat mit irgendwelchen Singer-Songwriter-Sachen oder Kunst nichts zu tun. Ich bin ein kommerzieller Unterhalter. Die Leute sollen eine tosende Party feiern, wenn wir kommen, und genau wissen, dass Trauffer drin ist, wo Trauffer draufsteht. 

 

Sie waren mit Ihrer Holzspielwarenfabrik zuerst erfolgreich. Was haben Sie daraus gelernt?

Mir wird oft vorgeworfen, dass ich meine musikalische Karriere zu unternehmerisch angehen würde. Dann antworte ich: Ich kann nicht aus meiner Haut. Ich bin nun mal tief in meinem Herzen ein Unternehmer. Ich habe das von meinen Eltern mitbekommen. Ich verstehe mich jedoch als Patron und bin nicht auf die Maximierung meines Profits aus. Bei den Tourneen schaue ich, dass wir faire Preise haben. Wir machen zwar auch Merchandising und sind darin sogar sehr stark, aber ein T-Shirt kostet bei mir 30 und nicht 50 Franken.

 

Auf «Schnupf, Schnaps + Edelwyss» bedienen Sie nicht nur im Albumtitel besonders viele Klischees über die ländliche Schweiz. Ist das ein Teil ­Ihres Konzepts?

Der Punkt ist – und das verstehen viele Journalisten und teilweise auch Kollegen nicht: Ich mache Musik für die Fans. Um die Massen zu erreichen, biete ich etwas, mit dem sich viele Leute identifizieren können. Allerdings fühle ich mich nicht gezwungen, radiogene Songs ohne Ecken und Kanten zu machen, da ich den Erfolg mit der Musik nicht brauche, um meine Miete bezahlen zu können. So gesehen bin ich auch der freieste Künstler im Land ...

 

War die Albumaufnahme auf einer Alp mehr als nur ein geschickter PR-Schachzug?

Die Grundidee war, das Album innert dreier Wochen am Stück aufzunehmen. Wir haben anfangs nicht mal daran gedacht, dass wir das später werbewirksam einsetzen können. Die letzte CD haben wir noch über ein Jahr hinweg mal hier, mal da eingespielt. Das ging mir einfach gegen den Strich. Die Plattenfirma schlug dann vor, in ein Studio nach Südfrankreich, London oder Berlin zu gehen. 

 

Und was meinten Sie?

Was soll ich denn da? Das macht mir Angst. Komm, wir gehen auf eine Alp! Danach haben wir eine Käserei temporär in ein Tonstudio umgebaut. Der Technik sei Dank tönt das Album zwar gut, aber nicht so geschliffen. Und genau das macht das Album aus. 

 

Hatten Sie den Hit «Geissepeter» schon vorher im Kopf, oder sind alle Lieder dort oben entstanden?

Ich habe mit fünf Teams Songs geschrieben. Wir haben uns schon vorher Ideen zugespielt, zusammengefügt und weiterentwickelt. Manche Texte haben auch zwei, drei Mal gewechselt.

 

Was erwartet die Fans bei Ihren Konzerten?

Wir haben das Konzept des Chalet-Dörfli entwickelt, weil wir den Fans einen Mehrwert bieten wollen. Sie können schon vor den Konzerten verschiedene, einfache Spezialitäten geniessen und nachher noch bis um
zwei Uhr nachts Alpenparty machen. 

 

Wer 60'000 Alben verkauft, ist wohl nicht nur auf dem Land gefragt. Weshalb gibt es trotzdem kaum Konzerte in grösseren Städten?

Auf dem Land, wo sonst nicht so viel läuft, reissen sich die Leute um die Tickets und wollen nach dem Konzert auch nicht gleich nach Hause oder noch in ihren Lieblingsclub weiterziehen. Sie freuen sich über unser Eventangebot. Ich hatte auch absolut keine Lust, die Tour 2016 einfach zu wiederholen. Bei mir pumpt es immer! In Brunegg treten wir beispielweise in der Vianco Arena, einer Viehhandelshalle, auf. Das ist eine echte Herausforderung! 

 

Freitag, 20. April, 20 Uhr
Samstag, 21. April, 20 Uhr (ausverkauft)
Vianco Arena, Brunegg
www.trauffermusic.ch 

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