Igel im herbstlichen Garten

Die meisten Leute finden Igel herzig, auch wenn sie keine Streicheltiere sind. Einen Igel im eigenen Garten zu entdecken, ist für viele Gartenbesitzer ein schönes Erlebnis.

Wenn es kälter wird, brauchen Igel genügend Fettreserven für den Winterschlaf
Wenn es kälter wird, brauchen Igel genügend Fettreserven für den Winterschlaf (Bilder: Beni Herzog)

von
Edith Herzog

26. Oktober 2017
09:00

Igel bewohnen eine Vielzahl von Lebensräumen, sie finden sich unter anderem in Heckenlandschaften, Grasland und in naturnahem Kulturland. Monokulturen und der Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden in der modernen Landwirtschaft haben ihr Nahrungsangebot drastisch verringert. Der Igel ist daher zum Kulturfolger geworden und nutzt heute vermehrt Siedlungen und Gärten als Lebensraum. 

Ein Naturgarten mit einheimischen Pflanzen und Unterschlupfmöglichkeiten – und vor allem ohne den Einsatz von Gift – ist für Igel ein kleines Paradies. Igel sind Insektenfresser, ihre bevorzugte Nahrung sind Käfer und deren Larven sowie Regen- und Ohrwürmer. Ab und zu vertilgen sie auch Schnecken. Igel sind keine Vegetarier, auch wenn sie manchmal mit einem Apfel auf dem Rücken abgebildet werden. Da sie auch in Obstgärten leben, kann es vorkommen, dass sich Fallobst auf ihrem Stachelkleid aufspiesst.


Igel brauchen Unterschlüpfe

Ein geschickt angelegter Steinhaufen im Garten bietet nicht nur Igeln Unterschlupf, sondern ist auch Versteck für andere Tiere wie z.B. Eidechsen. Bodendecker sind bei Igeln beliebt. Geschützt vor Wind und Wetter sind die Stacheltiere unter Gartenhäuschen, Hühner- und Kaninchenställen und in offenen Scheunen. Wenn dazu Laub und Stroh in der Nähe sind, wird das Einrichten des Nestes erleichtert. Sogar unter der bekannten Musikbühne der Badi Villnachern richtet sich ab und zu eine Igelin ein und zieht ihre Jungen gross. Welchen Musikstil die Igel bevorzugen, entzieht sich unserer Kenntnis…


Hilfe für untergewichtige Jungigel

Igel bringen manchmal noch spät im Jahr Junge zur Welt. Da die Nahrung dann immer knapper wird, ist es für die Jungtiere schwierig, genügend Fettreserven für den Winterschlaf anzufressen. 


Solche Tiere kann man kurz vor Wintereinbruch auch noch tagsüber auf Futtersuche antreffen. Ein Igel sollte im Herbst 600 Gramm auf die Waage bringen, damit er den Winterschlaf übersteht. Bei kleineren Igeln ist eine Zufütterung sinnvoll. Empfehlenswert ist Katzentrockenfutter, Essensreste sollten nicht verfüttert werden.  


Ebenso wichtig ist die Verfügbarkeit von Wasser. Wenn keine natürlichen Wasserstellen vorhanden sind, kann man das ganze Jahr über standfeste, niedrige Schalen mit frischem Wasser bereitstellen. Kuhmilch darf nicht verabreicht werden, Igel vertragen keine Laktose, dies kann im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Kranke und verletzte Igel brauchen die Hilfe von Fachleuten. Kontaktadressen finden sich unter www.igelzentrum.ch/krankeroderverletzterigel/nuetzlichetelefonnummern.

Igel werden unter den heutigen Lebensbedingungen in der Regel drei bis vier Jahre alt. Kranke Igel, die gesund gepflegt werden, müssen wieder in die Freiheit entlassen werden. Igel sind geschützte Wildtiere und das Gesetz verbietet es, Igel eingesperrt als «Haustiere» zu halten. Leben bedeutet für sie – wie für uns Menschen – mehr als nur essen und schlafen.


Das Jahr des Igels

Im März/April erwachen Igel aus ihrem Winterschlaf, bei dem sie bis zu 40% ihres Körper­gewichts verlieren. Das Vorhandensein von Nahrung ist deshalb enorm wichtig. Im März fehlt es oft noch an genügend Insektennahrung.  Daher kann auch im Frühjahr eine Zufütterung hilfreich sein.


Igel sind Einzelgänger und finden sich nur zur Paarungszeit zusammen. Das Männchen legt auf der Partnersuche grosse Strecken zurück. Es umkreist die Auserwählte während Stunden, diese Zeremonie bezeichnet man als «Igelkarussell». Die bei einer Igel-Hochzeit verursachten Geräusche lassen Gartenbesitzer manchmal auf einen Einbrecher schliessen. Nach erfolgter Paarung zieht das Männchen von dannen und sucht eine neue Partnerin.

Das Weibchen bringt nach einer Tragzeit von 35 Tagen durchschnittlich fünf Junge zur Welt. Bei der Geburt sind die noch weissen Stacheln der Igelbabys in die Rückenhaut eingebettet, damit sie die Mutter nicht verletzen. Augen und Ohren sind noch verschlossen.

Baby-Igel, circa eine Woche alt
Baby-Igel, circa eine Woche alt


Im Alter von rund 3,5 Wochen erkunden die Jungen ihre Nestumgebung und versuchen, auf ihren Ausflügen Nahrung zu finden. Die Mutter zeigt ihnen weder Beutetiere, noch ist sie bei der Jagd behilflich. Deshalb säugt sie ihren Nachwuchs bis zur sechsten Lebenswoche. Die Sterblichkeit im ersten Lebensjahr beträgt 60 bis 80 %. 


Ein spezielles Verhalten des Igels ist das «Bespeicheln». Er prüft damit unbekannte Stoffe und Gerüche. Zunächst bekaut oder beriecht der Igel den fremden Stoff, wobei er schaumigen Speichel produziert. Hat er die Sinneseindrücke verarbeitet, spuckt er den Speichel unter Verrenkungen auf seinen Rücken.


Gefahren für Igel und Abhilfe

Der grösste Feind des Igels sind Strassen und Verkehr. Unzählige Igel werden jedes Jahr überfahren und als Folge davon verlieren viele noch unselbstständige Jungigel ihr Leben, weil ihre Mutter dem Verkehr zum Opfer fiel.

Viele weitere Gefahren, derer man sich als Mensch oft nicht bewusst ist, werden Igeln zum Verhängnis:

  • Keine metaldehydhaltigen Schneckenkörner verwenden. Wenn Schneckenkörner, dann nur solche mit Ferramol. Schädlingsbekämpfungsmittel schaden Igeln, sei es durch die Vernichtung ihrer Beutetiere, durch die Aufnahme der Gifte über die Haut oder mit der Nahrung.
  • Keller-Aussentreppen ohne Betonrampe. Damit Igel Treppen wieder hochkommen, Stufenhöhe verringern, indem seitlich auf jede Treppenstufe ein Ziegelstein gelegt wird; bei Verwendung von Ziegelsteinen mit Löchern darauf achten, dass die Seite mit den Löchern nach vorne gerichtet ist und nicht nach oben.


Treppenaufstieg und Ausstiegshilfe aus Lichtschacht (hinten)
Treppenaufstieg und Ausstiegshilfe aus Lichtschacht (hinten)

  • Lichtschächte mit engmaschigem Draht bis zur Hauswand bespannen, aus Gräben Bretter als Ausstiegshilfe montieren.
  • Hülsen von Wäschespinnen (Stewi) oder Fahnenmasten mit Deckel oder Stein verschliessen, kleine Igel können hineinfallen.
  • Igel werden oft in Garagen, Geräteschuppen, Garten- oder Treibhäusern eingesperrt. Eine kleine Aussenöffnung oder eine nur von innen aufschwenkbare Klappe in Tür oder Wand lösen das Problem.
  • Igel können schwimmen und einen flach auslaufenden Gartenteich verlassen. Fallen sie hingegen in einen Swimmingpool, schwimmen sie bis zur Erschöpfung dem Rand entlang und ertrinken jämmerlich. Ausstiegshilfen anbringen.
  • Fadenmäher, Tellersensen, Rasenmäher und Rasenroboter können Igel verstümmeln. Unter Hecken vorher alles gut absuchen oder noch besser: unter Hecken nicht mähen. Rasenroboter nachts nicht laufen lassen.
  • Laubsauger saugen nicht nur Laub, sondern auch Kleinlebewesen und sogar kleine Igel auf.
  • Vor dem Verbrennen von Reisig Haufen umsetzen. Bei Brauchtumsfeuern (1.-August-Feuer) den Haufen erst am Tag der Verbrennung aufschichten oder andernfalls eine geeignete Absperrung darum herum errichten. Igel oder andere Tiere wie Kröten verkriechen sich gerne unter solchen Haufen.
  • In Mäuse- und Rattenfallen können auch Igel sterben oder sich schwer verletzen.
  • Netze an Kulturen (Reben) straff spannen und nicht lose bis zum Boden hängen lassen, Igel und Vögel verheddern sich darin. Mobile elektrische Weidezäune für Schafe straff spannen und unten genügend Freiraum für einen Durchschlupf lassen.
  • Schlecht verknotete Abfallsäcke in Abstellräumen werden von Igelinnen gerne als Neststandort gewählt. Igel können sich durch schmale (untere) Türspalten hindurchzwängen.
  • Nie Blechdosen, Yoghurtbecher, Gartenbast und -schnüre liegen lassen.
  • Ein besetztes Igelnest im Garten in Ruhe lassen, eine Mutter kann ihre Babys töten, wenn ein «potenzieller Feind» Störungen verursacht oder sich ständig in der Nähe aufhält.


Igel, die sich sonnen, sind krank

Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv, sie nehmen normalerweise keine Sonnenbäder. Igel, die «sünnelen», sollte man sofort ins Haus nehmen, in einer hochwandigen Kartonschachtel mit zerknülltem Zeitungspapier platzieren und in einen fliegensicheren Raum bringen. Eine Igelfachstelle oder der Tierarzt können weiterhelfen. Überlässt man solche Igel ihrem Schicksal, setzen Schmeissfliegen ihre Eier auf dem kranken und geschwächten Tier ab und innert kürzester Zeit schlüpfen Fliegenmaden und fressen den Igel ganz langsam auf, ein extrem schlimmer Tod.

Will man einem Igel, der am Überqueren einer Strasse ist, helfen, muss man ihn unbedingt in Laufrichtung an den andern Strassenrand bringen. Igel sollten nicht an einen andern Wohnort gezügelt werden, es könnte sich um eine Igelmutter handeln. Verwaiste Jungigel sterben einen langsamen Hungertod. Junge Igel zwitschern wie Vögel, wenn sie hungrig sind und nach ihrer Mutter «rufen».


Umherstreifende Jungigel zuerst beobachten

Jungigel erkunden ihre Nestumgebung manchmal am Tag. Deshalb ist es wichtig, das Verhalten aus der nötigen Distanz über längere Zeit zu beobachten. Vielleicht taucht ein weiteres Jungtier oder die Mutter auf. Nur bei eindeutig verwaisten Jungtieren sollte man einschreiten und fachliche Hilfe suchen. Jungigel werden mit einer Spezialmilch grossgezogen, Igelpflegestationen oder Privatpersonen mit entsprechender Kenntnis übernehmen diese Aufgabe. Selbstversuche sind zwar gut gemeint, aber ohne das notwendige Wissen sollte man dies unterlassen.


Verwaiste Jungigel gehören in die Hände von Fachleuten
Verwaiste Jungigel gehören in die Hände von Fachleuten


Igel-Unterschlüpfe erstellen

Hier ein Tipp für einen schnell erstellten Igel-Unterschlupf: An einer schattigen Stelle und abseits von Spielwiesen viel trockenes Laub anhäufen, Reisig und Äste darauf schichten. Über diesen Haufen eine Plastikplane ziehen, deren vier Zipfel am Boden mit Steinen beschweren. Als Tarnung der Plane diese mit weiterem Reisig zudecken.

Hohlräume unter Paletten und Holzstapeln schätzen Igel, Holzstapel sollte man während des Winters nie gänzlich abbauen. Im Herbst fällt im Garten viel Schnittmaterial an. Ast- und Laubhaufen sind ideale Unterschlüpfe für Igel.


Ein Komposthaufen ist nicht nur ein warmes Quartier, sondern gleich noch die Speise­kammer. Weil Igel sich gerne in offenen Komposthaufen aufhalten, sollten diese mit einer Schaufel bearbeitet werden. Mit der Heu- oder Mistgabel kann man den Igel aufspiessen oder schwer verletzen.

Igel suchen sich ihre Schlafplätze am liebsten selber aus, das kann vorübergehend auch einmal unter einem Gartengrill oder unter einer Gartenmöbelabdeckung sein. Tiere, die an solchen Orten «stören», in einer nahen Hecke unterbringen und niemals im Wald aussetzen. Igel mögen keine dichten Wälder.

Wer mehr über Igel wissen möchte: Empfehlenswert ist das Büchlein «Igel im Garten» von Monika Neumeier, Kosmos-Verlag (ISBN 978-3-440-14246-2).

Kommentare (2)

  • Brigit Herzog
    Brigit Herzog
    am 18.11.2017
    Liebe Edith
    Ein super lehrreicher Bericht. Auch ich beherberge Momentan einen kleinen Igel in meinem Garten. Er wiegt noch nicht ganz 600 gr und so füttere ich noch mit Nassfutter. Seinen Platz zum überwintern hat er sich übrigens selber ausgesucht , in seiner Futterkiste! Auch ich als ehemalige Helferin in einer Igelstation konnte noch viel von deinem Bericht dazulernen.
    Es sind wirklich putzige kleine Kerlchen, die leider viel von ihrem Lebensraum verloren haben, helfen wir ihnen doch so gut es geht in unserem eigenen Garten zu überleben!
  • Senn Margrit
    Senn Margrit
    am 29.10.2017
    Liebe Edith, wie gewohnt von dir ein interessanter, lehrreicher Beitrag.
    Dazu die schönen Fotos. Einfach wunderschön!
    Danke

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