In Bloody Mary's Haus

Der Europapark ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis - aber nie so schaurig-schön wie während der Halloween-Zeit! Gruselig? Nein, das ist er allerdings nicht. Vielleicht ist meine Familie auch zu hartgesotten ...

Gespenster, Hexen, Zombies, Mumien: Im Europapark geistert's noch bis 3. November. (Bilder: is)

von
Ilona Scherer

30. Oktober 2019
22:10

Bloody Mary geisterte schon seit einigen Wochen bei uns zuhause herum. Irgendwo mussten unsere Teenie-Töchter von dem rachesüchtigen Geist gehört haben, der vornehmlich in Badezimmerspiegeln erscheint. Ihr kennt die junge Frau vielleicht auch: Langes dunkles Haar umhüllt ihr verschwommenes Gesicht, sie trägt ein weisses Gewand, und je nach Legende läuft aus einer langen Schnittwunde Blut aus ihrer Stirn übers Gesicht oder auch nicht. «Alles nur erfunden», erkläre ich meinen Kindern und beruhige damit in erster Linie mich selbst. Denn unserem Nachwuchs scheint die blutigen Marie keine Angst einzuflössen.  

Als wir nun kürzlich in der Halloween-Zeit für zwei Tage in den Europapark fuhren, galt das besondere Interesse der Mädchen natürlich der «Bloody Mary's Mansion» - dem Geisterhaus im englischen Bereich. «Maximaler Grusel» wird einem dort versprochen, und Live-Darsteller, die Besucher durch das Haus jagen. Klingt verheissungsvoll.

Vorerst aber schlenderten wir gemütlich vom Haupteingang in Richtung England, vorbei an den wunderbarsten Kürbis-Kreationen. Denn Halloween- ist hier in erster Linie Kürbis-Zeit: Über 180'000 Kürbisse in allen Formen wurden für Dekoration verwendet, dazu 15'000 Chrysanthemen, 3000 Strohballen, 6000 Maispflanzen, Spinnenbäume und allerlei Spinnweben. Allein für diese Deko lohnte sich die Anreise aus dem Aargau. Der Park macht auch in diesem Bereich seinem Ruf, sehr viel Wert auf Sauberkeit zu legen, alle Ehre: Unterwegs begegneten wir immer wieder einem Reinigungstrupp, der tagaus, tagein der Aufgabe nachgeht, sämtliche Kürbisse auf ihren Zustand zu überprüfen, überreife oder faule Früchte zu ersetzen und das Laub wegzurechen.

Natürlich kreuzten sich unsere Wege auch mit gruseligen Gestalten auf Riesen-Stelzen, die urplötzlich einen Säbel aus dem Mantel zauberten und wild vor unserem Gesicht herumfuchtelten. Oder wir begegneten einem Zombie, der mit finsterer Miene im roten Wägeli durch den Park kutterte und Selfie-Wünsche mit Kleinkindern bereitwillig erfüllte. Unsere Mädels verzogen beim Anblick dieser Wesen selbstverständlich keine Miene. Alles Kindergeburtstag. Wir wollen zu Bloody Mary! 

  • Kunstvoll wurde dieser Kürbis mit Snorri, dem Maskottchen der neuen Wasserwelt Rulantica, bemalt. (Bilder: is)
  • Blick in den «Besenwagen»: Hier liegen die aussortierten Kürbisse, die gegen neue ausgetauscht wurden.

Als wir schliesslich vor Mary's Hütte in der Schlange standen, verliess uns jedoch zusehends der Mut. Nicht nur, weil im Teich rundherum Mumien stumm in ihren «Nussschalen» auf dem Wasser schaukelten. Viel eher wegen der Schreckensschreie, die ab und an aus dem Haus ertönten. Am Eingang erwartete uns ein unheimlicher Türsteher, der Linsen mit Pupillenschlitzen trug. Und regelmässig machten Besucher schon kurz nach dem Betreten der Mansion Kehrt und huschten mit verschämtem Blick an der Menschenkette vorbei Richtung Ausgang. 

Schliesslich standen wir doch vor dem dunklen Eingang. Der Türsteher beschnupperte mich kurz – ich konnte seinen Atem hören – und winkte uns durch. Hand in Hand schritten wir mit zittrigen Knien durch den Vorhang am Eingang. Jederzeit eine Attacke erwartend, die uns erschauern lässt. Ein eiskaltes Händchen, das sich einem auf die Schulter legt. Oder ein Monster, das aus einer Ecke springt und brüllt. Oder zumindest eine gruselige Lichtinstallation.

In nicht mal einer Minute durchqueren wir die drei Räume, ohne wirklich einmal Angst zu haben. Zwar sind uns unterwegs einige Figuren begegnet, die jedoch eher einen verlorenen Eindruck machten und wie ferngesteuert im Halbdunkel herumirrten. Ungläubig gingen wir durch den letzten Vorhang zurück ins Licht - und mit einer Mischung aus Enttäuschung und Erleichterung standen wir wieder mitten im Leben. «Was, bitte, war das denn?», fragen unsere Töchter empört. «Vielleicht hatten die Zombies heute einfach einen schlechten Tag. Das dürfen die ja auch mal», antwortete ich.

Gut, dass wir das gleich zum Beginn unseres Aufenthalts erledigt hatten und nun Bloody Mary von der Bucking-Liste streichen konnten. Denn im Europapark gibts während der Halloween-Saison noch so viel mehr zu sehen: eine tolle Eiskunstlauf-Show in Griechenland (Surpr'ice with the Celtic Shadows), Sand-Skulpturen bei der Wildwasserbahn im Tirol, die holländischen Kaffeetassen, die sich in «Griezelkopjes» verwandeln. Ein echtes Highlight ist auch die Kürbisausstellung rund um das Thema Musik im Schlossgarten im deutschen Themenbereich. Und natürlich gehört die fröhlich-schaurige Halloween-Parade nach dem Eindunkeln zum Pflichtprogramm. Nein, Bloody Mary kann uns nächstes Jahr gestohlen bleiben. Schade, dass bei den Traumatica Horror Nights erst ab 16 Jahren Zutritt gewährt wird …

Gruselige Grüsse,

Ilona

PS: Ein echtes Highlight war übrigens das neue Hotel Kronasar, das etwas abseits des Parks erbaut wurde und einen direkten Zugang zur neuen Indoor-Wasserwelt Rulantica, die am 28. November eröffnet wird, hat. Die heben wir uns aber für nächstes Jahr auf.

  • Mumien schaukeln stumm in ihren Nussschalen im Teich vor Bloody Mary's Mansion. (Bilder: IS)

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