Jeder mürrische alte Mann hat einen weichen Kern

«Ein Mann namens Ove» ist in seiner Heimat Schweden überaus erfolgreich angelaufen. Ob er auch hierzulande auf ähnlich gute Resonanz stossen wird, wird sich noch zeigen. Wir haben den neusten schwedischen Exportfilm unter die Lupe genommen.

Verbittert und unsympathisch: der Rentner Ove (Bild: © 2016 Praesens Film)
Verbittert und unsympathisch: der Rentner Ove (Bild: © 2016 Praesens Film)

von
Andrin Schmidhalter

16. Mai 2016
07:00

Ove ist ein mürrischer pedantischer Witwer. Seine Freizeit verbringt er vorwiegend damit, die Wohnsiedlung in Ordnung zu halten. Er sortiert den Müll der Nachbarn, sammelt den Abfall auf der Strasse ein und er setzt mit eiserner Faust das Fahrverbot im Viertel durch. Als ihm von seinem Arbeitgeber gekündigt wird, beschliesst er seinem Leben ein Ende zu setzen, um seiner verstorbenen Frau zu folgen.

Kurz bevor er seinen Plan in die Tat umsetzen kann, muss er sein Vorhaben jedoch auf unbestimmte Zeit verschieben, da eine neue Familie ins Nachbarhaus einzieht. Die Neuankömmlinge müssen schliesslich mit den Regeln der Siedlung vertraut gemacht werden. Bald schon merkt Ove, dass auch andere Menschen auf seine Hilfe angewiesen sind.


Eine vorhersehbare Entwicklung

Dass verbitterte, unsympathische Rentner im Film selten unsympathisch und verbittert bleiben, ist nicht erst seit Filmen wie «Der grosse Sommer» (2015) oder St. Vincent (2014) bekannt. Stets entpuppen sie sich als liebenswürdige, wenn auch etwas kauzige, Grossvaterfiguren, nachdem sie von ihren Mitmenschen weichgeklopft wurden.

Rolf Lassgård, der Darsteller von Ove, kann diesen Archetyp hervorragend darstellen. Überhaupt liegt es nicht an den Darstellern, dass der Film nicht so richtig überzeugen kann. Das Problem ist vielmehr die mangelnde Balance zwischen ernsten und lustigen Szenen. So ist der Humor des Films im Vergleich mit den berühmten skandinavischen Komödien viel zu brav und dort wo der Film emotional sein will, wird viel zu dick aufgetragen.

Vor allem in den Rückblenden, in denen Oves Vergangenheit beleuchtet wird, wird diese Schwäche augenscheinlich. Diese beanspruchen einen grossen Teil der Spielzeit und lassen so der Entwicklung der Hauptfigur nur wenig Zeit. Dadurch wirkt die gesamte Handlung gedrängt. Ausserdem werden der alte Ove und der junge Ove sehr ähnlich dargestellt. Das Verhalten, das für einen Mann im Rentenalter authentisch ist, wird eins zu eins auf den jungen Ove übertragen, was sehr unglaubwürdig und unfreiwillig grotesk wirkt. Darüber hinaus versucht der Regisseur oftmals zu stark, die Persönlichkeit durch Ereignisse in dessen Kindheit und Jugend zu erklären.


Skandinavischer Charme und eine zuckersüsse Allegorie

«Ein Mann Namens Ove» will eine psychologisierende Charakterstudie, Entwicklungsfilm und schwarze Komödie in einem sein – eine Hybridform, die so nicht funktionieren kann. Zugute kommt dem Film aber der typische skandinavische Charme, der einige Schwächen vergessen macht. Wer nicht zu viel erwartet, kann von «ein Mann names Ove» durchaus positiv überrascht werden und den erwartet ein Ende mit einer zuckersüssen Allegorie.



Fazit: 3.5 von 5 Punkten

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