Jürg Jegges dunkle Seite – Markus Zangger

Obwohl aktuell in allen Medien und damit immer in der Gefahr, rasch abgelutscht zu sein: Dieses Buch hält einen gefangen. Es will in einem Zug gelesen werden. Eine weitere Missbrauchsgeschichte wie sie sich leider immer wieder ereignen. Trotzdem: Jede Aufdeckung hilft, kann weiteren Opfer Schub geben, sich ihrem Trauma zu stellen.

21. Juni 2017
14:00

Der «Die Übergriffe des Musterpädagogen» bringt es auf den Punkt: Autor Zangger beschreibt auf 188 Seiten das raffinierte Vorgehen des jahrelang abgefeierten Lehrers Jürg Jegge. Er, der die «angstfreie Schule» propagierte und die Regelschulen schlecht redete, wird selber zum Angstverbreiter und vielfach Übergriffigen.

Der Protagonist erhält mit zwölf von seinem späteren Peiniger die Diagnose «Sonderschüler». Und dieser weist ihn auch gleich seiner alternativen Schule zu. Hier wird der heute 59-Jährige – und nicht nur er – vom vermeintlichen Musterpädaogen, Verfasser des Bestsellers «Dummheit ist lernbar» und Liedermacher Jürg Jegge mit der «Dureschnuufä»-Therapie jahrelang in pädosexueller Manier missbraucht. So sehr, dass er sich erst mit 28 von der physischen und deutlich später von den psychischen Abhängigkeiten lösen kann. Es ist vor allem Scham, die ein früheres Outen verunmöglicht: Gegenüber den Eltern, der späteren Ehefrau und der eigenen Tochter.

Erst nach tiefer Lebenskrise fasst Markus Zangger den Mut, die dunkle Seite Jegges öffentlich zu machen. Möge das einfallende Licht der Wahrheit seine Arbeit verrichten.


Über den Autor

Markus Zangger (*1958) wuchs als jüngstes von fünf Kindern in einer intakten Familie in Embrach auf. Nach seiner Schulzeit machte er eine Töpferlehre, wurde später Bühnenmeister und arbeitet heute in einem Betrieb des öffentlichen Verkehrs. Nach dem Tod seiner Frau Doris begann er 2009 übers Schreiben, den erfahrenen Missbrauch durch seinen ehemaligen Lehrer Jürg Jegge aufzuarbeiten. Das Gespräch mit ehemaligen Klassenkameraden zeigte ihm, dass er nicht das einzige Opfer Jegges ist. Nun wollte er nicht mehr länger schweigen, sondern das Unfassbare beim Namen nennen. Markus Zangger hat eine erwachsene Tochter und lebt im Zürcher Unterland.

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