Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss? – Heiner Geissler

Keine Angst: Nur der Titel ist sperrig! Der Inhalt dieses topaktuellen Büchleins liest sich danach «in einem Schnurz». Es ist wohl dem Alter des 87-jährigen Autor geschuldet, dass er keine Umwege mehr macht, sondern rasch zum Punkt kommt. Sich aufs Wesentliche konzentriert. Da ist viel Denkarbeit vorausgegangen. Überzeugen Sie sich!

von
Hans Lenzi

08. Juni 2017
08:00

«Ich bin getaufter Christ und will es nach Möglichkeit bleiben», gibt der bekannte deutsche Politiker Heiner Geissler gleich zu Beginn die Marschrichtung vor. Um danach aber über viel sogenannt Christliches keinen Stein auf dem andern zu lassen. Er ist tief verunsichert rund um den seit Jahrhunderten gepredigten Gott und kann und will nicht verstehen, dass dieser seine Schöpfung in ihrem millionenfachen Elend einfach so vor sich her leben lässt.

Die üblichen Erklärungen und Beschwichtigungen reichen Geissler nicht mehr. Er entlarvt sie als willkommenes Mittel einer institutionalisierten Kirche, ihre Anhänger in Abhängigkeit von ihr zu halten. Eine Taktik, die der mündige Mensch immer klarer durchschaut: «Immer mehr rebellieren gegen die Sprachlosigkeit der Kirchen auf die Frage nach der Gerechtigkeit eines angeblich allmächtigen Gottes. Sie verlangen nicht Rituale und fromme Lieder, sondern Wahrheit.»

Obwohl in vielem desillusioniert, hält sich der Schriftsteller an einem aufrecht: Jesus. Für ihn ist diese historisch belegte Figur und dessen Heilsbotschaft es wert, in Hoffnung und Liebe weiterzufahren. Dieser Christus ist und bleibt für Geissler absolut glaubwürdig – Sünde, Himmel, Hölle, verirrte Kirche, absenter Gott hin oder her. Eine nach-denkenswerte Botschaft.


Über die Autoren

Heiner Geissler (*1930) studierte als Mitglied des Jesuitenordens vier Jahre Philosophie und anschliessend Rechtswissenschaften. Er war 25 Jahre lang Mitglied des deutschen Bundestages, Landesminister in Rheinland-Pfalz, Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit in Bonn und gilt als einer der besten politischen Redner der Bundesrepublik. National und international engagiert er sich für die Wahrung der Menschenrechte und die Humanisierung des Globalisierungsprozesses.


Er ist Autor verschiedener Bücher, zum Beispiel:

  • Was müsste Luther heute sagen? (2016)
  • Sapere aude! (2012)
  • Was würde Jesus heute sagen? (2004)

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