Kaschmirgefühl – Bernhard Aichner

Das Buch «Gut gegen Nordwind» von Daniel Glattauer ist wohl noch vielen in Erinnerung. Damals war die Idee, sich per Mail kennen zu lernen noch neu. Bernhard Aichner, ebenfalls Österreicher, ist nun, viele Jahre und einige technische Errungenschaften später, nicht weniger einfallsreich.

von
Dorfbibliothek Obersiggenthal

23. November 2019
09:00

Er lässt ein Paar, das sich scheinbar nicht kennt, über das ganze Buch hindurch miteinander telefonieren. Dies in einer Zeit, in der die zwischenmenschliche Kommunikation immer mehr über das getippte Wort oder Fotos erfolgt und die Stimme und der Tonfall des Ausgedrückten keine Rolle mehr spielen.  Das ganze Buch ist also ein einziger Dialog, der an einem Abend beginnt, wenn im Fernsehen der Abendfilm anfängt und viele Stunden später im Morgengrauen endet. Wie es so schön im Klappentext heisst: «Zwei Menschen verlieben sich ineinander und wir sind live dabei».

Zu Beginn wählt Gottlieb, der in einem Hospiz arbeitet, die Nummer einer vermeintlichen Sexhotline. Dass  die Angerufene keinen Telefonsex anbietet,  ahnt der Leser schon bald. Und schon beginnt ein Gespräch mit originellen Irrungen und Wirrungen, die humorvoll und charmant, aber nicht romantisch daherkommen. Die beiden erfinden nämlich die grössten Lügengeschichten über sich. Immer wieder legt einer der beiden auf und wir Leser dürfen als Zeichen dafür eine türkisfarbene Zwischenseite umblättern, auf der die Uhrzeit des erneuten Anrufs steht.

Auch wenn man gespannt auf eine Auflösung wartet, ist ihr Inhalt eine geglückte Überraschung.

 

Über den Autor

Bernhard Aichner (*1971 in Innsbruck) ist ein österreichischer Schriftsteller und Fotograf.

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