Kunz fliegt auf Nachhaltigkeit

Der Luzerner Marco Kunz hat sich längst zum Mundart-Star entwickelt. Nun tritt er mit seinem Nr.-1-Album «Förschi» im Nordportal Baden auf.

Marco Kunz tritt im Nordportal auf (Bild: zVg)

von
Reinhold Hönle

26. April 2019
09:00

Marco Kunz, 34

ist in Mauensee LU aufgewachsen. Das Klavier, gemeinsames Singen mit der Familie und Jodel-Proben des Vaters weckten die Passion zur Musik. Von 2005 bis 2012 war er Mitglied der A-cappella-Gruppe «a-live». 2009 zog es Kunz zu seinen eigenen Liedern, in Mundart geschrieben. 2012 veröffentlichte Kunz seine erste EP «Chopf Härz Hand», 2014 sein erstes grosse Album «Eifach so». Sein bereits viertes Album «Förschi» erschien Anfang dieses Jahres.

Marco Kunz, wo haben Sie beim vierten Album «Förschi» gemacht?

Ich habe mich in verschiedener Hinsicht weiterentwickelt. Die Band hat einen neuen Gitarristen und einen neuen Pianisten sowie zwei Bläser statt Streicher. Ich habe zum ersten Mal alle Lieder allein geschrieben, und wir haben von HitMill-Produzent Georg Schlunegger zu Thomas Fessler gewechselt.

 

War das nicht ein grosses Risiko, nachdem Sie mit den drei HitMill-Alben zweimal Platz 1 und dreimal Gold-Status erreicht hatten?

Nein, Thomas Fessler ist ein Produzent, von dem man weiss, dass er auch ein Spezialist für Mundart-Künstler ist, die massentaugliche Musik machen. Zugleich betrachtete ich es als Chance, dass er uns nicht gekannt hat und frisch an die Sache herangegangen ist. Nach drei erfolgreichen Alben wäre die Gefahr sonst gross gewesen, dass wir träge geworden wären und einfach auf das Altbewährte zurückgegriffen hätten. Ich war jedoch nicht dick und satt, sondern hatte Lust, neue Sachen auszuprobieren.

 

Wie kamen Sie auf die Bläser, die ein echter Gewinn zu sein scheinen?

Sie passen ausgezeichnet zu meinen Liedern, da die Musik die Wirkung der gefühlvollen Texte verstärken soll. Beispielsweise hebe ich beim Titelsong spätestens dann ab, wenn die Bläser-Soli einsetzen.

 

Gibt es nationale oder internationale Künstler, deren Bläser Ihnen besonders gefallen?

Bruce Springsteen ist dafür bekannt, dass er live immer einen tollen Saxofonisten dabei hat und der Sound seiner grossen Band extrem fetzt. Solche Musik würde ich auch gern machen. Und die muss das Ziel sein.

 

In der Schweiz sind Patent Ochsner in Sachen emotionsgeladene Bläser der Massstab.

Ich gebs zu, ich bin ein grosser Patent-Ochsner-Fan! (Lacht) Deshalb ist es für mich eine Ehre, dass die Bläser, die Büne Huber später auf Tour mitnimmt, zuerst uns begleiten.

 

Konnten Sie die Bläser-Arrangements selbst schreiben?

Nein. Ich war vorsichtig, da ich das Instrument nicht selbst spiele. Wir haben Posaunist René Mosele gefragt, wie er den freien Raum in unseren Kompositionen füllen würde, wenn diese oder jene Stimmung erzeugt werden soll. Diese Einbindung lohnt sich doppelt, weil die Lieder besser klingen und die Musiker sich mit ihnen noch mehr identifizieren, obwohl ich sie geschrieben habe und mein Name auf der Scheibe draufsteht. 

 

Was hat Sie zum hitverdächtigen Song «Paris» inspiriert?

Am Anfang hiess es «Ich war noch nie in Paris», doch dann habe die Aussage geändert und daraus ein Lied über die Generation meiner Eltern gemacht. Die sagte noch: «Wenn wir einmal pensioniert sind, tun wir dieses oder jenes!» Wir leben ganz anders und versuchen, Leben und Arbeit unter einen Hut zu bringen, damit die Wünsche möglichst in Erfüllung gehen.

 

Waren Sie als Frischvermählter schon in der Stadt der Liebe?

Noch nicht! (Lacht) Vielleicht, weil es so nahe ist, spart man es sich auf, bis man nicht mehr so mobil ist? Frankreich interessiert mich aber sehr! 

 

Ist Ihre Ehefrau Jenny auch ein «Reisefüdli» wie Sie?

Auf jeden Fall. In den Flitterwochen sind wir durch halb Brasilien gereist und haben die Vielfalt dieses riesigen Landes erlebt.

 

Wenn Sie so lange Ferien machen konnten, läuft das Business wohl nicht so schlecht?

Das hat eher etwas mit viel Sparen und langer Enthaltsamkeit zu tun. Seit ich als Musiker selbständig bin, hatte ich nur noch wenig oder keine Ferien mehr gemacht. Wir waren vier Jahre quasi nonstop im Einsatz. Ich bin aber unheimlich dankbar, dass ich jetzt von der Musik leben kann.

 

Welche Art von Ferien bevorzugen Sie?

Am Strand zu liegen, wird mir nach fünf Tagen zu langweilig. Dann habe ich meine beiden Bücher durchgelesen und unternehme lieber was. Sand ist nicht so meine Materie, aber manchmal ist es nötig, dass man nichts tut. Ansonsten interessieren mich vor allem die Natur und fremde Kulturen. Für drei Tage Sightseeing herumzujetten, kommt für mich jedoch nicht infrage. Wenn ich weit fliege, richte ich es ein, dass ich einen Monat bleiben und in dieser Zeit viel vom Land sehen kann. Meine Form von Nachhaltigkeit, denn das Fliegen bereitet mir trotz CO2-Kompensation immer ein schlechtes Gewissen. 

 

Kennen Sie das Gefühl, dass man unter der Woche «büglet» und stets dem Wochenende entgegenfiebert?

Absolut! Ich habe selbst auf dem Bau gearbeitet und kenne die tägliche Routine. Da freut man sich mega auf freie Zeit. Manchmal muss man leiden, um nachher richtig geniessen zu können! (Lacht) 

 

Woran denken Sie?

Auf dem Bau gibt es nichts Schöneres als den Freitagnachmittag! Nach dem Betonieren noch ein Bier ziehen, dazu ein Waldfest – das ist Cervelat mit Brot – essen. Noch mit Erde an den Händen. Ein bisschen mit den Kollegen reden und dann ins Wochenende fahren. Das habe ich nie wieder erlebt, da meine Wochenenden nun Arbeitstage sind. Alles hat seine Vor- und Nachteile. 

 

Weshalb tragen Sie auf den aktuellen Fotos Gilets statt Hosenträger, Ihr bisheriges visuelles Markenzeichen? 

In unserem humoristischen Making-of-Video «Förschi – der Film» findet unsere Plattenfirma, dass ich von meinem Landstreicher-Look wegkommen muss. (Lacht) Auf der Bühne sind Hosenträger aber immer noch mein Ding, da ich mit ihnen gut verpackt bin, wenn ich herumhüpfe. Schliesslich muss ich ja anständig aussehen! 

Donnerstag, 16. Mai, 20 Uhr
Nordportal, Baden
www.kunzmusik.ch 

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