Die Hauptstadt – Robert Menasse

Dieser Roman wird im Feuilleton über alle Massen gelobt. Man spricht vom «grossen europäischen Roman». Auch im letzten Litertaurclub auf SRF 1 feierte man Werk und Autor in den höchsten Tönen.

von
Hans Lenzi

08. Februar 2018
10:00

Grund genug, das Buch zu bestellen und zu konsumieren. Der Plot handelt in Brüssel, Headquater der Europäische Union. Der Österreicher Robert Menasse soll dort vier Jahre verbracht und sich mit unzähligen EU-Beamten ausgetauscht haben, um diesen bürokratischen Koloss besser zu verstehen. Man lernt, dass Beamte überall dieselben sind: Neben ihrer Arbeit sind sie auch stets damit beschäftigt, ihre eigene Karriere zu befördern. Wobei es sehr darauf ankommt, dass man in der richtigen Abteilung beschäftigt ist. Das Ressort Kultur beispielsweise gehört nicht dazu. Menasse zieht viele Fäden durch seine Geschichte: Es passiert ein Mord, ein frei herumlaufendes Schwein verunsichert die Bevölkerung, ein emeritierter Professor liest im Sinne einer grimmigen Abrechnung den Mitgliedern eines EU-Think-Tank die Leviten, eine Jubiläumsfeier soll die EU-Kommission endlich wieder in ein besserer Licht rücken, der mit der Mordaufklärung beauftragte Kommissar wird desavouiert. So geht das zu und her. Auch Auschwitz und der Nationalsozialismus spielen eine Rolle.

Tatsächlich: Der Stoff kommt dicht daher, und immer wieder frage ich mich erstaunt, wieso ich die 459 Seiten in recht kurzer Zeit durchlese. Denn wirklich packt mich der Dreh nie; ich eile vorwärts, weil ich hoffe, das grosse Feuerwerk werde jetzt dann bald entzündet. Das aber passiert nicht. Entscheiden Sie selber!


Über den Autor

Robert Menasse (*1954 in Wien) und dort auch aufgewachsen. Er studierte Germanistik, Philosophie sowie Politikwissenschaft an diversen Universitäten und promovierte im Jahr 1980. Er lehrte anschließend sechs Jahre an der Universität São Paulo. Dort hielt er vor allem Lehrveranstaltungen über philosophische und ästhetische Theorien ab. Seit seiner Rückkehr aus Brasilien 1988 lebt Robert Menasse als Literat und kulturkritischer Essayist. 

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