Marcia aus Vermont – Peter Stamm

Peter, der Künstler aus der Schweiz, hat soeben die Stiftung verlassen, den Ort, an dem er während ein paar Wochen als Stipendiat gelebt hat. Vom ländlichen Vermont her ist er mit seinem Auto auf dem Weg nach New York. Auf den Strassen durchwandert er seine Erinnerungen, die ein Eigenleben entwickeln.

Rein zufällig hat er vor gut 30 Jahren Marcia, eine Fotografin, in New York kennengelernt. Eine kurze, turbulente Zeit voller Liebe und Leidenschaft zusammen mit dem Schriftsteller David und seiner Frau bescherten ihm die seltsamsten und intensivsten Weihnachtstage, die er je erlebt hat. Dieses Gefühl von Freiheit kann er nicht mehr finden. In der Stiftung in Vermont stösst er auf eine Geschichte, die mit ihm zu tun hat, und hofft auf ein Wiedersehen mit Marcia. Ein Bildband aus der winzigen, lokalen Buchhandlung im Ort erweckt seine Aufmerksamkeit. Und dann ist da noch Tracy, die Rezeptionistin der Stiftung.

Was es wohl mit dem Satz «ein Kind ist uns geboren» auf sich hat und warum Peter dann doch so rasch wie möglich nach Hause will, obwohl es ihm nichts mehr ausmacht an Weihnachten alleine zu sein?

Peter Stamm zeichnet gewohnt virtuos und sehr realistisch auf 80 Seiten die Lebenswege seiner Figuren in feinen Strichen und betrachtet sie gekonnt, so dass der Leserschaft viel Spielraum für die eigene Vorstellungskraft bleibt. Das Buch nimmt jeden mit auf die Reise in die eigene Geschichte. Eins ist klar: Das Leben kann man nicht nachholen, denn wir alle sind nicht von hier oder dort, wir sind das, was wir aus uns machen. Dann wird es Weihnachten.

Eine kompakte Lektüre, unaufgeregt und spannend, absolut empfehlenswert und genau das Richtige für einen Abend vor dem knisternden Kamin.

 

Über den Autor

Peter Stamm (*1963) ist in Weinfelden im Kanton Thurgau aufgewachsen. Nach einer kaufmännscischen Lehre absolvierte er einige Semester Anglistik, Psychologie und Psychopathologie an der Universität Zürich. Seit 1990 arbeitet er als freier Autor und Journalist. 

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