Martin Heidegger | Der gottlose Priester – Anton M. Fischer

Philosophen – nein danke! Zu kompliziert, zu verschwurbelt, zu anstrengend. Das muss nicht sein: Mit dem «Psychogramm eines Denkers» legt uns der Verfasser keine neue Weltanschauung auf den Nachttisch, sondern lässt uns die verhängnisvollen Verstrickungen‚ des grössten Philosophen des 20. Jahrhunderts im Nationalsozialismus miterleben. Eindrücklich.

von
Hans Lenzi

04. Mai 2017
22:45

Der junge Heidegger hat mit seinem Denken viele bewegt und begeistert: Er stellte die lebendige Existenz des Menschen in den Mittelpunkt und schrieb der Gedankenarbeit eine grosse Macht zu: Sie kann seine Entfremdung aufheben.

Allerdings: Als Zeitgenosse des Nationalsozialismus meinte er in selbigem den grossen Aufbruch zu entdecken, nahm begeistert Partei – und scheiterte. Diesen Makel hängt seinem Werk und seiner Person bis heute an und erregt die Gemüter. Um seine Existenz winden sich Legenden, Halbwahrheiten, Behauptungen und Lügen. 

In diesem Werk analysiert der Autor das Phänomen Heidegger mit tiefenpsychologischer Schärfe. Es ist die bislang umfassendste Biographie über diesen Jahrhundert-Denker: Wie ist aus diesem autoritätsgläubigen Priesteranwärter ein radikaler Philosoph geworden? Und wie aus dem Tadler philosophischer Elfenbeintürme der Experte einer Seinsreligion, der die Gegenwart grundsätzlich in Frage stellt? Ja, und warum verliebt sich der Vertreter eines Antisemitismus gerade in die jüdische Studentin Hannah Arendt?


Blick in ein dunkles Kapitel Zeitgeschichte

Der Lesende wirft einen Blick zurück in eine dunkle Zeit des letzten Jahrhunderts. Und spürt etwas von der damals vorhandenen Aufbruchstimmung. Heute wissen wir: Aufbruch in die falsche Richtung. Und man fragt sich unwillkürlich: Hätte ich der Versuchung jener Ideologie widerstanden? Grund zur Demut ist durchaus vorhanden.  


Über den Autor

Dr. Anton M. Fischer (*1945) studierte Psychologie und Philosophie sowie Soziologie, Politikwissenschaft, Archäologie, Geschichte und Kunstgeschichte. Seit seiner Zeit als Klinikpsychologe arbeitet er als Psychoanalytiker, Paartherapeut und Unternehmensberater und hält Vorlesungen am Psychoanalytischen Seminar Zürich. Er lebt in Zürich und im Tessin.

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