Mein Leben – Hannes Keller

Der Unterbözberger Ex-Ammann und langjährige Architekt Hannes Keller hat eine Rückschau auf sein reiches Leben vorgelegt.

von
Hans Lenzi

11. August 2018
09:00

Mit «Mein Leben» hat der 84-Jährige eine 167-seitige Rückschau auf seine reich befrachtete Existenz vorgelegt. Es ist die Geschichte einer Jugend in Armut und Entbehrung bis hin zum geachteten Berufsmann, der Spuren hinterlassen hat. Es wird deutlich: Der schwierige Lebensstart wurde zum anhaltenden Antrieb weiterzukommen, es «zu etwas zu bringen», ein Unterfangen, das dem Autor zweifelsohne geglückt ist. Dass auf diesem Wege auch Opfer zu bringen waren, erstaunt nicht.

 

Eindrückliche Bilanz

Es stimmt: Der Bözberger hat vieles erreicht. Gegen 200 Häuser – Mehrzweckgebäude, Posthaltereien, Einfamilienhäuser etc. – entstammen seiner planerischen Feder –, unzählige Immobilien verdanken Keller gelungene Umbauten und Renovationen, seien das Kirchen, Dorfläden, Ge-meindekanzleien und der Gebäulichkeiten mehr. Ja, und auch 166 Miet- und Eigentumswohnungen garantieren bis heute Zeitgenossen ein Dach über dem Kopf. Hauptsächlich war der Absolvent des damaligen Abendtechnikums im Heimatkanton tätig, aber auch in den Kantonen Zürich, Bern und Tessin hat er gewirkt. Man spürt beim Austausch: Da ist einer, der sein Handwerk versteht, der die Materie kennt, sich mit den einzelnen Objekten genau auseinandergesetzt hat und so im Verlaufe der letzten Jahrzehnte zu viel Fachwissen gekommen ist. Kein Wunder also, dass er lange Zeit in den Gewerbeschulen Baden und Brugg als Fachlehrer und Prüfungsexperte den Nachwuchs förderte und im eigenen Betrieb die 16 Lehrtöchter und Lehrlinge allesamt erfolgreich durch die Prüfungen brachte. 

Hannes Keller – trotz fortgeschrittenem Alter ein interessierter Zeitgenosse
Hannes Keller – trotz fortgeschrittenem Alter ein interessierter Zeitgenosse (Bild: hle)

 

Überforderte Eltern

«Ich habe immer wieder zu spüren bekommen, was es heisst, zu den Ärmsten zu gehören», erinnert sich Hannes Keller. Der als Maurer tätige Vater verdiente vorab in den Wintermonaten – Lohnausfall-Entschädigung wegen Wetterunbill gabs damals noch nicht – zu wenig, um die sechsköpfige Familie anständig über die Runden zu bringen. Er begann zu trinken und wurde bei Schnapskonsum «zum Tier». Zudem wilderte er. Sehr früh mussten die Kinder hinzuverdienen, Hannes zum Beispiel als Pferdeäpfel-Sammler, als Mauser und als Jungknecht. Wie immer auch – der aufgeweckte Jüngling schaffte es 1946 als einziger Bözberger in die Brugger Bezirksschule. Eigentlich wollte er Lehrer werden, musste sich indes dem väterlichen Entscheid beugen und ebenfalls die Ausbildung als Maurer antreten. Wach, wie Keller war, bildete er sich permanent weiter, bis zum Architekten. 1959 heiratete er seine Annelies. Der Familie wurden vier Kinder geschenkt. Über seine Rolle meint er heute selbstkritisch: «Ich war kein guter Vater. Ich habe vieles vernachlässigt. Ich nahm mir für euch viel zu wenig Zeit.» Dennoch: Heute stehen seine Nachkommen alle tapfer im Leben und stehen ihren Mann bzw. Frau.

 

Berge, Reisen, Politik

Bei allem Ehrgeiz: Hannes Keller fand auch Zeit für schöne Abwechslungen. Über den ehemaligen Bözberger Pfarrer Helmut Huber findet er zur Kletterei und zur Liebe für die Berge. Insbesondere das Gelmergebiet in der Grimselwelt hatte es ihm angetan und Eindrücke fürs Leben hinterlassen. Auch das Reisen kam nicht zu kurz, seis im In- oder Ausland. Über die Schulpflege fand der Vielkönner in die Politik und beschäftigte sich in diesem Amt unter anderem mit Naturschutz, Bau- und Abwasserfragen und half an vorderster Front mit, die angedachte Autobahn über den Bözberg zu verhindern. Der Tätigkeiten in Beruf und Nebenamt wurden mit der Zeit derart viele, dass die Gesundheit zu leiden begann: Keller erlitt ein Burnout, musste dringend kürzertreten. Auch später blieb er von körperlichen Rückschlägen nicht verschont: Rücken-, Hüft-, Herz- und Knieoperationen waren notwendig. Eben, ein reiches Leben, in jeder Beziehung.

 

Steinmetz und Museumsgründer

Besonderer Erwähnung wert ist noch die von Hannes Keller mitgegründete Steinmetzgilde Bözberg. Während zehn Jahren vertieften sich fünf ältere Herren in das spannende Gebiet der Steinbearbeitung: Sechs Brunnenneubauten sowie etliche Vogelbäder gehen auf ihr Konto. Zudem haben sie zehn teilweise grosse Brunnen fachgerecht restauriert. Im Laufe der Zeit hat die Gemeinschaft auch alle wesentlichen Steinbrüche hierzulande und im nahen Ausland besucht. Das verlangte die Steinmetz-Ehre. 

1974 kam Keller schliesslich gleichsam wie die Jungfrau zum Kinde, indem ihm zugetragen wurde, man hätte beim Spülen der Kanalisation zwei alte, wertvolle Vorderlader-Revolver gefunden. Gleichzeitig gab man ihm zur Kunde, im Turnhallenkeller des Unterbözberg-Schulhauses befände sich altes Kulturgut. Daraus entwickelte sich eine heimatkundliche Sammlung vorwiegend bäuerlicher Güter. Bref: Jene Bemühungen bescherten der Gemeinde über die Jahre das heutige Museum Bözberg, welches insbesondere 2007 und 2008 über je eine Grossveranstaltung zum landwirtschaftlichen Leben von damals via Schweizer Fernsehen landesweite Bekanntheit erhielt. 

Zweifelsohne: Hier hat ein Mensch manches angepackt, auch zum Wohle der Allgemeinheit. Seine Anstrengungen sind nicht nur von kurzer Dauer. Vieles zeigt sich nachhaltig und wird ihren Erschaffer überdauern.

«Mein Leben» von Hannes Keller, 2017. Interessierte beziehen das Buch über hanneskeller@bluewin.ch.

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