«Musik habe ich im Herzen»

Baden hat wieder eine Rockabilly-Band: Am Freitag, 20. September, taufen Louie & the Wolf Gang im Werkk Baden ihr Debütalbum.

Gitarrist und Sänger Leo Niessner hat heute eine eigene Plattenfirma (Bild: zVg | Stephanie Kaiser)

von
Stefan Haller

18. September 2019
08:00

Die ganz wilden Zeiten sind vorbei: «Auftritte mit nacktem, von Kunstblut überströmtem Oberkörper würde ich heute wohl nicht mehr machen», erklärt Leo Niessner und lacht. Dennoch gehe immer noch rasant die Post ab, wenn er auf der Bühne steht. «Ich liebe es, on Stage abzurocken und gebe immer alles», erzählt der in Nussbaumen und Baden-Rütihof aufgewachsene frühere Oberstufenlehrer grinsend. Speziell fasziniert ist er vom Rockabilly, der seine Wurzeln in den US-Südstaaten hat. «Trotz der Herkunft ist es überhaupt keine rassistische Musik», betont Niessner. Das geniale an einer Rockabilly-Combo liege in ihrer Einfachheit. In der klassischen Besetzung mit einer oder allenfalls zwei Gitarren, Kontrabass und Schlagzeug wird ein dichter, oft «dreckig» anmutender Rocksound erzeugt, der insbesondere von den Gitarren-Pickings lebt. 

 

Die wilden 1990er-Jahre

Musik sei immer ein wichtiger Teil seines Lebens gewesen und sein Geschmack war wenig angepasst und kaum massentauglich, erzählt Leo Niessner. So richtig schlug es Mitte der 1980er-Jahre ein, als er den Schlagzeuger JP Free in einer Dixieland-Combo kennenlernte. Sie waren beide von Psychobilly- und Garage-Punk-Bands wie The Cramps oder The Meteors fasziniert. Den Dixieland-Sound empfanden sie daher schon bald als zu brav. So gründeten die Badener die Psychobilly-Band Blown Mad. «Am 1. April 1990 gaben wir unser erstes Konzert im Restaurant Killer in Turgi. Das Lokal war pumpenvoll. Die ganze damals sehr grosse Badener Rockabilly-Szene in Leder und Petticoats oder ähnlichen Klamotten feierte vor Ort – und das an einem Sonntagmorgen!», erinnert sich Niessner, der heute als Journalist arbeitet und die Plattenfirma Ambulance Recordings besitzt.

 

Einiges in der Schweizer Rockabilly-Szene bewegt 

Der Sound von Blown Mad traf den Nerv der Zeit: Neben The Monsters, The Peacocks und den Hillbilly Headhunters gehörten Blown Mad in den wilden 1990er-Jahren zu den bekanntesten Schweizer Vertretern des Genres. Viele Besetzungswechsel setzten der Band aber zu, weshalb Niessner und JP Free nach einiger Zeit die Indie-Band Spencer gründeten. Nach vier Jahren im Proberaum und vielen Auftritten erschien das Debütalbum This World. Mit dem Zweitling Timewarp im Jahr 2009, das von Adrian Stern produziert wurde, gelang es Spencer zum ersten Mal, ein grosses Publikum zu erreichen. Die beiden Single-Auskopplungen Timewarp und Don’t Wanna Spend schafften es unter anderem in die Playlist von Radio SRF3.

 

Schlüsselerlebnis in der Mühle

Nach eher ruhigen Jahren brauchte es eine Initialzündung in Form eines Auftritts am Motörhead-Tribute-Anlass in der Mühle Hunziken. «40 Musiker spielten während rund zweier Stunden Motörhead-Songs, und die Leute im Publikum flippten regelrecht aus», erzählt der Badener, der nebst Johnny Cash vor allem die Straycats als Inspirationsquellen nennt. Er entschied, zusammen mit seinem Bruder Sebi Niessner und Kontrabassist Phil Traussnig, wieder eine Band zu gründen: Louie & the Wolf Gang war geboren. 

 

Epizentrum der Szene

«Phil Traussnig hat in Baden bis 2018 die Trash-Town-Rockabilly-Festivals organisiert, die oft über 1000 Besucher aus der Schweiz und dem Ausland ins Nordportal zogen», sagt Leo Niessner. Rockabilly sei stark in der Region verwurzelt. Auch im Wettinger «Winkelried» fanden in den 1980er-Jahren viele legendäre Festivals statt – mit riesigem internationalen Publikum. Selbst Rockabilly-Legenden wie Charlie Feathers traten dort auf.

«Don’t stop the Bop!» – so heisst das Album, das Louie & the Wolf Gang am Freitag, 20. September, ab 20 Uhr im Werkk Baden taufen. Kein Zweifel: Der Rockabilly feiert wieder Urständ in Baden!

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