Eine Achterbahn der Gefühle

Im Stroppelareal in Untersiggenthal leben viele kreative und künstlerische Menschen. Zu ihnen gehört auch die 35-jährige Musikerin Andromeda Anarchia.

Andromeda Anarchia beschäftigt sich in ihren neusten Songs mit verschiedenen Gefühlswelten
Andromeda Anarchia beschäftigt sich in ihren neusten Songs mit verschiedenen Gefühlswelten (Bild: zVg/Seraina Gemperli)

von
Andrina Sarott

27. September 2018
09:15

«Darkmatters»

Herausgebracht wird die EP «Darkmatters» am 5. Oktober beim französischen Musiklabel «alter-nativ».

www.andromeda-anarchia.com 

Das ehemalige Industriegebiet im Stroppel ist Anziehungspunkt für viele Kreative, Künstler und Naturliebhaber. Idyllisch gelegen, direkt an der Limmat beim Wasserschloss, ist es eine Oase der Ruhe und gleichzeitig ein Ort voller Geschichten. 

Eine weitere Geschichte, die dort ihren Ursprung hat, erzählt Andromeda Anarchia, eine Frau, die mit ihren 35 Jahren bereits sehr schwierige Zeiten erleben musste, denn die Musikerin hat eine bipolare Störung. Bei dieser Erkrankung wechseln sich manische – also euphorische und hyperaktive – sowie depressive, lustlose Episoden ab. «Als Musikerin erkläre ich meine Krankheit gerne mit dem Bild eines Amplifiers bzw. eines Verstärkers. In der Phase der Schlaflosigkeit und Hyperaktivität sind alle Knöpfe voll aufgedreht. Man hat ganz viel Energie. In der Phase der Depression ist genau das Gegenteil der Fall. Zwischen 2015 und 2016 durchlebte ich eine zehnmonatige hyperaktive Episode. Ich war nie müde und versuchte diese scheinbar endlose Energie der Musik zu widmen», erklärt Andromeda Anarchia. Zu jener Zeit verbrachte sie viel Zeit am Klavier und schrieb und komponierte unzählige Lieder für verschiedene Projekte, über 27 davon für «Darkmatters». Unter diesem Namen veröffentlicht Andromeda Anarchia eine EP (Extended-Play-Tonträger) mit fünf Songs, die in dieser Zeit entstanden sind. Sie beschreiben die Achterbahn der Gefühle, die ein Mensch durchlebt, der eine bipolare Störung hat. «Ich wollte meine starken Emotionen in etwas Positives, etwas Konstruktives verwandeln. Die Lieder sollen denjenigen, die auch unter starken Stimmungsschwankungen leiden, Mut machen und allen anderen einen Einblick in diese Gefühlswelt geben.» Die Songs beschäftigen sich mit Themen wie Liebe, Freude, Trauer, Einsamkeit und Angst.

  • Recording Session (Bilder: zVg)
  • Andromeda Anarchia
  • Laurent David
  • Malcolm Braff
  • Olaf Ryter
  • Patrik Schwitter

Passend zu diesen Gefühlswelten, in denen auf ein Hoch auch immer ein Tief folgt, vermischt Andromeda Anarchia gerne verschiedene Genres. «Ich bin in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen. Es lief bei uns immer sehr unterschiedliche Musik, und mir gefallen auch viele Stile. Dementsprechend ist ‹Darkmatters› ein Mix aus Elementen des Jazz, Grunge, Metals und Pops in einer einmaligen und progressiven Art und Weise. Mit Soundeffekten und sphärischen Elementen konnten wir eine neue Welt erschaffen.» Eine eigene Welt umschreibt auch der Künstlername Andromeda Anarchia. «Schon als kleines Kind dachte ich manchmal, dass ich von einem anderen Planeten stamme. Das Weltall finde ich etwas sehr Spannendes. Aus diesem Grund wählte ich den Namen der Andromedagalaxie. Anarchia bedeutet für mich Freiheit. Denn auch wenn es gewisse Regeln gibt, die man befolgen muss, ist für mich Freiheit gerade in der Kunst wichtig», betont Andromeda Anarchia. «Freiheiten möchte ich auch den Musikern geben, mit denen ich zusammenarbeite. Sie sollen bei diesem Projekt immer ihre eigenen Ideen einbringen können. Das macht das Ganze sehr authentisch und einzigartig.» Für «Darkmatters» konnte Andromeda Anarchia Schweizer und internationale Musiker begeistern. Darunter der Schweizer Pianist Malcolm Braff, der französische Bassist Laurent David, der Schlagzeuger Olaf Ryter aus Spreitenbach sowie der Glarner Patrik Schwitter, der für das Sound Design zuständig ist. Den Gesangspart übernimmt sie selbst. «Meine Mitmusiker interessieren sich auch für meine Geschichte und versuchen ihre Sicht darauf miteinzubringen», meint die Sängerin.

Für das Musikvideo der aktuellen Single «The Angel’s Fall» hat Andromeda Anarchia ebenfalls auf eine internationale Kooperation gesetzt. Der belgische Wingsuit-Base-Jumper Sven Ugau stellt mit seinen Sprüngen die Achterbahn der Gefühle visuell dar. «Bei einer bipolaren Störung hat man oft das Gefühl oder den Wunsch, fliegen zu können, darauf folgt meistens die Ernüchterung bzw. der Fall. Während meiner letzten Episode wurde ich Fan von der Sportart Base-Jumping. Mich fasziniert es, dass diese Sportler den Mut haben und die Technik beherrschen, um mit der entsprechenden Ausrüstung von einem Berg zu springen, zu fliegen und Ziele auf zehn Zentimeter genau anzupeilen. Aus diesem Grund freut es mich sehr, dass Sven Ugau mir Videos seiner Sprünge für mein Lied zur Verfügung stellt», sagt Andromeda Anarchia lächelnd. 

Offizielles Musikvideo zu «The Angel’s Fall»

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