Friedliche Wespen

Wespen sind nicht unbedingt die beliebtesten Tiere bei uns Menschen. Dabei gibt es durchaus friedliche und nützliche Arten wie zum Beispiel die Gallische Feldwespe, die folgend genauer betrachtet wird.

Wespennest Anfang August 2018
Wespennest Anfang August 2018 (Bilder: as)

von
Andrina Sarott

09. August 2018
09:00

Dieses und bereits letztes Jahr haben sich Ende Frühling Wespen in der Dachschräge bei einem Fenster unseres Hauses angesiedelt. Zuerst haben wir sie gar nicht bemerkt. 2017 war das Nest mit 58 Zellen relativ klein. Und obwohl das Nest sehr nahe beim Fenster war und dieses oft schräg stand, flogen die Wespen nicht ins Haus und waren allgemein sehr friedlich. Als die Wespen im Herbst ausgeflogen bzw. gestorben waren, habe ich das Nest weggenommen. Diesen Frühling hat sich nun wieder die gleiche Wespenart an der identischen Stelle eingenistet. Mit dem Unterschied, dass dieses Nest um ein Vielfaches grösser ist.

Wespennest vom Jahr 2017
Wespennest vom Jahr 2017

 

Auffälliges Äusseres

Da ich die Wespen jeden Tag beobachten kann, habe ich mich über diese interessanten Tiere informiert. Es handelt sich bei dieser Art um die Feldwespe (Polistinae), genauer um die Gallische Feldwespe (Polistes dominula), auch Französische oder Haus-Feldwespe genannt. Die Feldwespe ist eine Unterart der Faltenwespe (Vespidae).

Die Gallische Feldwespe hat eine Körperlänge von elf bis fünfzehn Millimeter und ist damit etwas kleiner als die Gemeine Wespe. Ihre Antennen, der unterste Drittel der Beinchen und die Flügel leuchten orange-gelb. Das schwarz-gelbe Muster auf dem Hinterleib ist variabel. Auf dem zweiten Hinterleibssegment sind zwei auffällige gelbe Flecken erkennbar. Die anderen Rückenpartien sind gelb gestreift. Die recht langen Beinchen lässt die Wespe beim Fliegen gut sichtbar herunterhängen. 

  • Impressionen des Nestes
    Impressionen des Nestes

Vorkommen und Nahrung

Die Gallische Feldwespe bewohnt offenes und warmes Gelände wie Wiesen und buschreiche Heiden. Sie baut ihre Nester gerne im Siedlungsbereich von Menschen und fliegt von April bis September. Zudem ist die Feldwespe sehr nützlich und friedlich, denn sie verteidigt sich nur bei Störung gegen den Menschen. Zu ihrer Nahrung zählen Insekten, Spinnen und Blütennektar.

 

Nestbau, -pflege und Fortpflanzung

Das Nest wird im Frühling von einer oder mehreren Jungköniginnen gegründet. Die Bausubstanz besteht aus Holzkitt, der aus Holz vertrockneter Pflanzenstängel gemischt mit dem Sekret der Speicheldrüsen gebildet wird. Die offene Wabe wird an einem Neststiel in bzw. an Gebäuden, an Stängeln oder an Steinen, seltener in Hohlräumen vertikal gebaut. Meist umfasst das Nest rund 50 Zellen, seltener bis zu 150 Zellen. Es kann also einen Durchmesser von bis zu zehn Zentimeter erreichen und wird von rund 30 Arbeiterinnen betreut. Diese können die Temperatur regeln: Bei Hitze nehmen sie beispielsweise an stehenden Gewässern Wasser und spucken dieses auf die Wabe. Anschliessend wird sie mit den Flügeln befächelt. Bei Kälte zittern die Arbeiterinnen mit den Muskeln und geben somit Wärme ab.

Kurz nach der Eiablage frisst die stärkste Königin die Brut der Konkurrentinnen, bis diese die Ablage aufgeben und sich nur noch als Arbeiterinnen betätigen. Stirbt das stärkste Weibchen, nimmt das zweitstärkste diese Position ein. Die Arbeiterinnen füttern die Larven und die Königin mit Insekten wie Fliegen und Spinnen, die sie erst zerkauen und in Kugelform weitergeben. Ab Anfang Juni schlüpfen die ersten Arbeiterinnen und ab Ende Juli Weibchen und Männchen der nächsten Generation. Im September verenden die Gallischen Feldwespen. Nur die Jungköniginnen überwintern.

Nächstes Jahr werden wir sehen, ob wir wieder Gallische Feldwespen zu Gast haben werden.

Video-Impressionen des Wespennests

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