Nicht wie ihr – Tonio Schachinger

Schachingers Erstling reiht sich in der Shortlist des Deutschen Buchpreises ein. Es handelt sich um einen Sportlerroman. Geschildert wird ein Lebensabschnitt von Fussballer Ivo Trifunović, der auf höchstem internationalen Fussballniveau kickt. Und als 27-Jähriger finanziell bereits ausgesorgt hat. Auch privat?

von
Hans Lenzi

21. März 2020
09:00

An Selbstbewusstsein fehlte es dem Ivo Trifunović nie: Sein Talent ist ihm vorausgeeilt. Sein wöchentlicher Lohn beträgt satte 100‘000 Euro und mit seiner schweizstämmigen Ehefrau Jessy sind sie Eltern zweier Kindern. Wünscht der Gefeierte sexuelle Entspannung, ist die Gattin stets von Diensten. Da schlägt das Schicksal zu: Jugendliebe Mirna taucht auf und um Ivo ists geschehen: Er muss sie haben. Die Beziehung läuft im Verborgenen, ständig muss unser Held auf der Hut sein, damit seine Angetraute auch ja nichts mitbekommt. Er spürt aber bald, dass Jessy etwas vermutet, eventuell gar selbst fremdgeht? Auf jeden Fall zeigt Ivo Trifunović in dieser Situation keine bessere Performance, als die meisten Zeitgenossen: Er leidet, er lügt, er verletzt, er zeigt machohafte Züge. Immerhin: Es gelingt ihm, die Affäre zu beenden, und über eine Beinahe-Katastrophe renkt sich das Familienleben wieder ein.

Der Roman erstaunt mit der darin enthaltenen fussballerischen Detailkenntnis. Es kommen auch real existierende Mitsportler vor, man erfährt einiges darüber, wie Fussballer heute gemanagt werden. Es kann vermutet werden, dass der Autor irgendwelche Intimkontakte in dieser Szene zur Verfügung hat. Ist das mit Wiener Slang angereicherte 300 Seiten dicke Werk der Lektüre wert? Es liest sich leicht, wer aber moralischen Wohlfühl erhofft, kommt nicht auf die Rechnung.

 

Über den Autor

Tonio Schachinger (*1992 in Indien) ist Sohn eines österreichischen Diplomaten und lebt in Wien. Er studierte Romanistik und Germanistik an der Universität Wien sowie Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst.

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