«Ohne Röschti geht es nicht»

Francis Rossi über den Tod von Co-Leader Rick Parfitt, die Wiedergeburt von Status Quo und über Röschti werfende Fans im Hallenstadion.

Francis Rossi: «Wir sind eine Rock-Pop-Country-Blues-Band, deshalb passen wir überall hin»
Francis Rossi: «Wir sind eine Rock-Pop-Country-Blues-Band, deshalb passen wir überall hin» (Bild: zVg/Juan Salmeron)

von
Reinhold Hönle

30. September 2018
09:00

Francis Rossi

Sänger und Gitarrist Francis Rossi (69) ist das einzige Gründungsmitglied der englischen Gruppe Status Quo, die 1968 mit dem psychedelisch gefärbten «Pictures Of Matchstick Men» ihren ersten Hit landete und seither 31 Alben veröffentlicht hat, die sich weltweit über 100 Millionen Mal verkauften. Die Band wurde ihrem Namen vollauf gerecht, da sich ihr vom Boogie-Woogie-Rhythmus getriebener Bluesrock in diesen 50 Jahren kaum verändert hat. Die frühen Fans sind ihr ebenfalls treu geblieben und deren Söhne und Enkel hinzugekommen. Zu den grössten Erfolgen zählen «Wild Side Of Life», «Down Down» und «Whatever You Want» sowie die Coverversionen «In The Army Now» und «Rockin’ All Over The World».

Nach dem Tod von Co-Leader Rick Parfitt schien das Ende von Status Quo nach 50 Jahren «Rockin’ All Over The World» gekommen. Sänger Francis Rossi erzählt jedoch von der Wiedergeburt der Band und einer neuen CD.

 

Francis Rossi, Sie sind mit dem «Order of the British Empire» ausgezeichnet worden. Muss ich Sie jetzt Sir nennen?

Francis Rossi: Nein, Rick und ich wären in den Adelsstand befördert worden, doch er war ein ungezogener Junge! (lacht) Es ist schon verrückt. Als wir eine Rock ’n’ Roll-Band gestartet hatten, waren wir automatisch Rebellen und weit weg vom Establishment, doch man empfindet diesen Orden, wenn man in diesem Land aufgewachsen ist, trotzdem als grosse Ehre. 

 

Wie stehen Sie zur Monarchie?

Ich bin kein Royalist, da Könige per Definition Menschen sind, die andere umbringen und ihnen ihr Land wegnehmen. Aber ich glaube an diese Frau, die so hart arbeitet und so tolle Dinge für die englische Wirtschaft leistet. Ich habe die Queen schon ein paar Mal getroffen. Sie ist die letzte ihrer Art. Sie glaubt, es sei ihre Pflicht zu tun, was sie tut. Das wird sie mit ins Grab nehmen. Die nächste Generation ist anders.

 

Wer ist dort Ihr Favorit?

Prince William und die Duchess of Cambridge sind unglaubliche PR-Talente, einfach atemberaubend. That’s Showbusiness! Aber ich muss aufpassen, was ich sage, sonst lande ich im Tower ...

 

Es ist klar, dass Sie sich der Queen stärker verbunden fühlen, da Sie fast so hart arbeiten wie sie ...

Fast. Die Queen hat 300 Engagements im Jahr. Das tut sich kein Mensch an! Sie schon.

 

Nach Ricks Tod sind Sie auch kürzer getreten.

Zunächst war es schwierig. Wir alle haben Rick geliebt. Neben all dem Negativen eines solchen Verlustes gibt es aber auch Positives: Sein Tod hat in der Band etwas in Bewegung gebracht. Ich empfinde es als eine Art Wiedergeburt, eine Neuerfindung. Obwohl ich den Begriff nicht ausstehen kann, weil ich dann daran denke, dass auch über Madonna geschrieben wird, sie habe sich neu erfunden. Dabei hat sie sich nur die Haare gefärbt! (lacht schallend) 

 

Was haben Sie verändert?

Ich komme gerade aus dem Studio. Wir haben entgegen früheren Ankündigungen doch noch einmal ein elektrisch verstärktes Album gemacht. Ich finde das aufregend. Es ist sehr Quo und doch irgendwie anders. Vielleicht täusche ich mich auch, und ein bunter Haufen wie wir ist dazu gar nicht fähig. Immerhin ist der Schlagzeuger 40, der Gitarrist 30, Andrew über 70, John über 60. Ganz schön krass. Aber Mick und Keith sind ja auch noch unterwegs – mit 75! (gluckst) 

 

Ein Ansporn für einen jungen Kerl wie Sie?

Die Stones sind vielleicht die coolste Band auf diesem Planeten. Sie haben etwas Magisches. Haben Sie Keith Richards kürzlich mal gesehen? Ein knochiger alter Mann, aber anders als der Kerl an der U-Bahn-Station, der gleich aussieht, fasziniert er uns, weil er auf der Bühne fantastisch ist. Auch die Beispiele von Abba, die wir früher nicht für voll nahmen, Prince, dessen Kleider wir belächelten, oder BB King, ein fetter schwarzer Mann, der nur sitzend Konzerte geben konnte, zeigen, dass grossartige Musik alles überstrahlt. 

 

Wann kommt Ihr Album raus?

Nächstes Jahr, vielleicht im September. Es ist, als ob ein Mann seine Frau verloren hat. Aus Respekt wartet er eine Weile, bis er wieder heiratet. Obwohl ich ursprünglich gar kein Album mehr machen wollte, verlangt mir die Warterei nun viel Geduld ab, denn ich bin wahnsinnig gespannt auf die Beurteilung durch Fans und Kritiker.

 

Wie war Ihr Leben vor der ersten Geburt von Status Quo, als Sie noch als Gärtner arbeiteten? 

Den Job habe ich durch den Nachbarn meiner ersten Frau bekommen. Ich mochte das Rasenmähen. Du siehst sofort Resultate. Ich denke manchmal, das würde mir immer noch Spass machen. Ich war damals sehr glücklich. Aber dann kam der Tag, der mein Leben veränderte.

 

Was war das für ein Tag?

Es war ein Montagmorgen, ein grauer Tag, an dem ich in meiner leuchtend grünen Uniform auf dem Rasen den Kot (eigentlich: die gelbe Scheisse) eines Boxerhundes auflesen musste. Ich machte das regelmässig. Ein Bus hielt an der Ecke. Ein Kerl stieg aus, und wir schauten uns an. Er war schlecht drauf, ich war schlecht drauf. Und ich dachte: Ich würde alles dafür geben, wenn ich mein Leben nur noch der Musik widmen könnte!

 

Sie sind Ihrem Stil seit 50 Jahren treu. Wie lässt sich das Phänomen Status Quo erklären?

Wir sind eine Rock-Pop-Country-Blues-Band. Nicht authentisch genug für Blues, auch nicht richtig Country, nicht Pop – dafür sind wir zu laut – und für Rock sind wir zu poppig ... Deshalb passen wir überall hin, vom 80er-Jahre-Festival bis zum Metal-Open-Air. In Wacken haben uns 100'000 mit schwarzen Haaren, Tattoos und anderem teuflisch aussehenden Zeugs einen herzlichen Empfang bereitet. Und in der Schweiz werfen mir die Fans «Röschti» zu! (lacht)

 

Weshalb denn?

Weil ich sie so mag! Ohne «Röschti» geht es nicht. Pur, mit Salat vielleicht, aber nie mit Käse. Ich nehme immer welche nach Hause. Wenn wir im Hallenstadion auftreten, muss mein Assistent wieder zwei Kisten besorgen. Nicht nur aus kulinarischen Gründen bin ich froh, dass wir in der Schweiz so beliebt sind. Das Publikum drückt seine Begeisterung auf spezielle Art aus. Das Rotieren der Hände, begleitet von einem speziellen Laut, gibt es in keinem anderen Land. Sonst machen sie überall den gleichen Krach...

 

Was verbinden Sie sonst noch mit Zürich?

Da habe ich so gut italienisch gegessen wie noch nie. Ihr habt wirklich die schönsten Orte, an denen man verweilen kann – sofern man genug Geld hat! (lacht)

 

 

Samstag, 6. Oktober, 20 Uhr
Hallenstadion, Zürich

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