«Respektiere mein Brutrevier»

Im Umiker Schachen brütet regelmässig ein Mäusebussard-Paar. Dieses hat verschiedentlich Jogger attackiert. Das Gebiet sollte während der Brutzeit als Jogging-Strecke gemieden oder mit der entsprechenden Vorsicht durchquert werden.

Der Mäusebussard ist ein mittelgrosser, kompakter Greifvogel. Er ist bis zu 57 Zentimeter lang und hat eine Flügelspannweite bis zu 125 Zentimeter. Die Oberseite ist meist dunkelbraun, die Flügelunterseite ist hell mit dunkler Bänderung. Auffällig ist sein helles Brustband. Der oft im Flug zu hörende Ruf ähnelt dem Miauen einer jungen Katze.
Der Mäusebussard ist ein mittelgrosser, kompakter Greifvogel. Er ist bis zu 57 Zentimeter lang und hat eine Flügelspannweite bis zu 125 Zentimeter. Die Oberseite ist meist dunkelbraun, die Flügelunterseite ist hell mit dunkler Bänderung. Auffällig ist sein helles Brustband. Der oft im Flug zu hörende Ruf ähnelt dem Miauen einer jungen Katze. (Bilder: bhe)

von
Beni Herzog

29. Mai 2018
09:00

Von Umiken führt eine Fussgängerbrücke auf die Schacheninsel. Der Weg verläuft an der ehemaligen Umiker Badi vorbei in Richtung Villnachern. Dort wurde kürzlich ein Jogger von einem Mäusebussard attackiert. Der Angriff hinterliess eine blutende Kopfwunde und wohl einen gehörigen Schreck. Vor einem Jahr hatte eine Joggerin am gleichen Ort ein ähnliches Erlebnis. Der Angriff erfolgte lautlos und von hinten, das heisst für die Läuferin völlig überraschend.

Dies bedeutet aber nicht, dass Mäusebussarde generell aggressiv oder gar hinterhältig sind. Im Gegenteil: Sie zeigen gegenüber Menschen eine grosse Scheu und flüchten sofort. Allfällige Angriffe auf Menschen erfolgen nur während der Brutzeit, d. h. in den Monaten Mai bis Juli. Kommt ein Jogger zufälligerweise in die Nähe des Horstes oder nahe bei einem frisch ausgeflogenen Jungvogel vorbei, sehen die Altvögel in ihm eine Gefahr. Durch die Flugattacken geben sie dem vermeintlichen Feind zu verstehen: «Respektiere mein Brutrevier!» 

 

Greifen nur Mäusebussarde an?

Der Mäusebussard ist mit rund 25'000 Brutpaaren der häufigste Greifvogel der Schweiz. Schattige Waldpartien und Waldränder sind beliebte Jogging-Strecken. Dort befinden sich aber auch die Brutplätze der Bussarde. Daher ist ein Zusammentreffen mit Joggern relativ wahrscheinlich. Trotzdem stellen solche Attacken Ausnahmen dar. Pro Jahr werden nur etwa ein Dutzend Fälle bekannt. Mäusebussarde sind nicht die einzigen Vögel, die zum Schutz ihrer Jungen grössere Tiere und Menschen attackieren. Auch bei Raubmöwen und Seeschwalben ist dieses Verhalten zu beobachten, wenn beispielsweise Schafe, Hunde oder Menschen ihren Brutplätzen zu nahe kommen. Diese brüten aber weiter im Norden resp. treten bei uns kaum in Erscheinung. Bekannt sind auch Angriffe von Waldkäuzen und anderen Eulen.

 

Warum sind Jogger betroffen, und wie kann man sich schützen?

Die Vögel fühlen sich wegen der schnellen Bewegungen hauptsächlich von Joggern bedroht. Velofahrer und Spaziergänger sind in der Regel nicht betroffen – es gibt aber auch hier Ausnahmen. Jogger sollten während der Brutzeit bekannte Reviere von Mäusebussarden, die ein angriffiges Verhalten zeigen, meiden oder nur langsam durchqueren. Natürlich weiss nicht jeder, wo die Bussarde brüten und gelangt unbewusst in deren Brutbereich. Oft beginnt der Mäusebussard mit Scheinangriffen. In diesem Fall ist ein sofortiger «Rückzug» aus dem Gebiet die beste Strategie. Sobald man den unmittelbaren Nestbereich verlassen hat, werden keine Attacken mehr geflogen. In einzelnen Fällen setzt es Kratzer am Kopf der Opfer ab. Ernsthafte Verletzungen sind zum Glück eher selten. Doch auch bei kleinen Verletzungen sollte man sich unbedingt beim Hausarzt melden und gegen Starrkrampf (Tetanus) impfen lassen. Tollwut gibt es bei Vögeln nicht. Sie kann daher als mögliche Ursache der Attacke mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Zum Schutz gegen Kopfverletzungen kann auch eine Mütze aus starkem Material helfen.

Ein tragischer, aber seltener Fall ging im April dieses Jahres durch die Medien. Eine Joggerin wurde im März 2017 auf dem Heitersberg von einem Mäusebussard attackiert und mit der Hasenpest infiziert. Dies führte für die Betroffene zu einer monatelangen Leidensgeschichte. Erst nachdem die Ursache identifiziert wurde, konnte sie mit Antibiotika behandelt werden.

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