Stürmische Zeiten vor und nach Grammy

Jon Cleary ist am 7. Dezember zu Besuch im Salzhaus Brugg. Er gab «e-journal» ein Telefon-Interview unter stürmischen Umständen.

Der englische Pianist Jon Cleary
Der englische Pianist Jon Cleary (Bild: zVg)

von
Reinhold Hönle

27. November 2018
08:50

Jon Cleary gehört seit Jahrzehnten zu den herausragenden Künstlern der Musikszene von New Orleans und wurde 2016 mit dem Grammy ausgezeichnet. Er tritt am 7. Dezember im Salzhaus auf. 

 

Jon Cleary, was hat Sie mit 18 Jahren bewogen, aus England nach New Orleans zu ziehen?

Jon Cleary: Die Musik. Nur die Musik. Ich wollte herausfinden, woher die Musik kommt, die mir so gut gefällt, und wie ich sie spielen lernen kann. So zog ich als Teenager los, um den alten Männern zuzuhören, die den Jazz miterfunden hatten, und die fantastischen Blues-, Soul- und R&B-Musikern zu erleben, die in den 50er- und 60er-Jahren bahnbrechende Platten aufgenommen hatten. ... Hören Sie mich noch? Die Telefonverbindung ist schlecht, weil über New Orleans gerade ein tropischer Sturm tobt. 

 

Was macht aus Ihrer Sicht die speziellen New Orleans Vibes aus?

Die traditionelle Musik aus New Orleans macht das Publikum eigentlich immer glücklich. Wer sie hört, fühlt sich gut – ob in Ascona, Tokio, São Paulo oder New Orleans. Deshalb wird sie auch hundert Jahre nach ihrer Entstehung immer noch gespielt.

 

Was beschäftigt Sie als Engländer in den USA mehr, Trump oder Brexit?

Ich beschäftige mich mit Musik, nicht mit Politik. Das ist eine der schönen Seiten meines Jobs! ... Sorry, da es reinregnet, muss ich schnell alle Fenster schliessen und den Fernseher anmachen, um zu sehen, ob es eine Tornado-Warnung gibt. 

 

Waren auch Sie von Katrina betroffen?

Jeder von uns war mehr als nur betroffen. Während des Hurrikans, bei dem unser Haus geflutet wurde und grössere Schäden entstanden, war ich auf Tournee, und danach zwei Monate überall ein wenig, da ich nicht zurück konnte. Es herrschte eine Art militärische Besetzung durch die National Guard. Aber das war vor dreizehn Jahren. Die Leute in New Orleans versuchen gerade, Katrina zu vergessen ... Sorry, ich muss rasch noch einmal etwas unternehmen. Es fliesst Wasser unter den Türen durch ins Haus. 

 

Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich in New Orleans zu Hause gefühlt haben?

Etwa eine Minute! Die Leute waren alle sehr nett und freundlich zu mir. Ich hatte aber auch sehr viel Respekt für die Musiker und deshalb nicht versucht, schon selbst aufzutreten, bevor ich eine Ahnung hatte, wie das geht. Zuerst habe ich deshalb nur von meinen diversen Jobs als Schreiner und Barkeeper gelebt. 

 

Wie haben Sie es zur Meisterschaft gebracht?

Zwei Jahre habe ich nur die Könner studiert, ihre Platten gekauft und dann stundenlang auf meinem Klavier geübt. Erst, als Blues-Pianist James Booker eines Abends nicht erschien und der Besitzer des Clubs, bei dem ich angestellt war, sagte, ich müsse einspringen, bin ich in New Orleans zum ersten Mal vor Publikum aufgetreten.

 

Später haben Sie für Stars wie B. B. King, Bonnie Raitt, Taj Mahal und Eric Burdon gespielt. Wer hat Sie am meisten beeindruckt?

Aufnahmen und Tourneen mit solchen Berühmtheiten machten mir zwar auch Spass, doch stärker beeinflusst hat mich die Zusammenarbeit mit weniger bekannten Grössen wie Johnny Adams, Walter Washington und Earl King. 

 

Weshalb sind Sie 2009 nach langen Jahren aus der Band von Bonnie Raitt ausgestiegen?

Obwohl es sehr luxuriös war und ich Bonnie und ihre Musik mag, hatte mich dieses Engagement doch davon abgehalten, meine eigene Musik zu machen. 

 

Was hat der Grammy verändert, den Sie vor einem Jahr mit Ihrer CD «Go Go Juice» für das beste Regional Roots Music Album gewannen?

Sicher gibt es ein paar Leute, die dadurch auf meine Musik neugierig geworden sind, aber sonst gibt es keinen Unterschied. 

 

Eröffnen sich bei der Produktion Ihrer Alben nicht neue Möglichkeiten?

Das wird man sehen. Da meine Musik nicht kommerziell ist, haben sich die Labels noch nie darum gerissen, mir einen Plattenvertrag zu geben. Durchs Internet ist die Situation in der Musikbranche noch schwieriger geworden, doch dafür gibt es mir die Möglichkeit, die Fans in aller Welt direkt anzusprechen.

 

Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und hoffen, dass Sie kein Geld benötigen, um Tornado-Schäden zu beheben!

Danke, der Sturm ist nun am Abflachen. 

 

Freitag, 7. Dezember, 20.30 Uhr 
Salzhaus Brugg

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