«The Jungle Book»: Der Disney-Klassiker in neuem Gewand

Mit über 335 Millionen Zuschauern gehört «Das Dschungelbuch» von Disney (1967) auch heute noch zu einem der meistbesuchten Kinofilme aller Zeiten.

Mowgli (Neel Sethi) und sein pelziger Freund Baloo (Bill Murray) (Bild: © 2016 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.)
Mowgli (Neel Sethi) und sein pelziger Freund Baloo (Bill Murray) (Bild: © 2016 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.)

von
Andrin Schmidhalter

25. April 2016
23:39

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis Disney den alten Schmöker wieder ausgraben und der Geschichte mit viel CGI einer visuellen Rundumerneuerung unterziehen würde, wie dies bereits bei «Alice im Wunderland» (2010), «Maleficent» (2014) und «Cinderella» (2015) geschehen ist. 

 

Der Dschungel aus dem Rechner

Im neusten Streich von Disney bewegt sich der Jungdarsteller Neel Sethi in einer fast ausschliesslich computergenerierten Welt fort. Wie schwierig es für einen Schauspieler sein muss, sich vor einem blauen Hintergrund in einen gefährlichen Dschungel hineinzuversetzen, lässt sich gut erahnen, wenn man die Setfotos zu den Dreharbeiten betrachtet. Das Endresultat vermag trotzdem auf visueller Ebene zu begeistern. 

Im Vergleich mit dem Zeichentrickfilm steht in «The Jungle Book» vor allem die Action im Vordergrund und weniger die Charaktere. So wirken die Tiere und auch der Dschungel viel bedrohlicher als noch im Klassiker von 1967; aus der dümmlichen Python Kaa wird eine überlebensgrosse gerissene Schlange, und der leicht ulkige King Louie wird zu einem herrschsüchtigen Gigantopithecus.

Die Handlung von «The Jungle Book» weicht insgesamt nur sehr schwach von der Handlung der Zeichentrickfilm-Version ab. Einige Szenen wurden leicht verschärft und für ein etwas älteres Publikum aufbereitet.

 

Flache Charaktere 

Das neue Konzept von Disney scheint nur auf den ersten Blick aufzugehen. «The Jungle Book» kann zwar Spannung erzeugen, jedoch nur auf Kosten der Figuren. So fällt zum Beispiel das Wiedersehen mit Balu, dem notorischen Faulenzer und Lieblingssozialisationsinstanz zumindest meiner Kindheit, nur halb so freudig aus wie erhofft. 

Der Bär, der die Legitimität von Faulheit wie keine andere Filmfigur verkörpert hat, besitzt nicht annähernd so viel charakterliche Tiefe wie der «originale» Balu. Selbiges gilt auch für die restlichen Protagonisten. Nicht einmal das Staraufgebot an Synchronsprechern wie Christopher Walken, Scarlett Johansson, Bill Murray und Idris Elba vermag den computergenerierten Figuren Leben einzuhauchen.

 

Fazit: «The Jungle Book» ist eine solide Neuverfilmung, die einiges an Schauwerten zu bieten hat. Fans des Zeichentrickfilms von 1967 dürften bei ihrem Wiedersehen mit Balu, Baghira, Kaa und co. trotzdem leicht enttäuscht werden.

3 von 5 Punkten

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