Thor: Tag der Entscheidung – Taika Waititi

Ein krasser Stilwechsel gegenüber seinen Vorgängern macht diesen Film zu einem der besten der ganzen «Thor»-Reihe.

Filmplakat von Taika Waititis «Thor: Tag der Entscheidung» (Bild: © Marvel Studios)
Filmplakat von Taika Waititis «Thor: Tag der Entscheidung» (Bild: © Marvel Studios)

von
Chris Völkle

01. Dezember 2017
14:25

Vor rund zehn Jahren schaffte es Disney – angefangen mit «Iron Man» im Jahr 2008 – mit dem «Marvel Cinematic Universe» (oder kurz MCU) erfolgreich eine der revolutionärsten, riskantesten und lukrativsten Ideen der Filmgeschichte umsetzen. Basierend auf den Comics aus dem Hause Marvel spielen die Filme – falls nicht anders mitgeteilt – immer im Jahr, in dem sie erscheinen, und erzählen die Geschichten unterschiedlicher Superhelden, welche diverse Bösewichte oder Katastrophen aufhalten müssen. Im Normalfall haben alle diese Helden ihre eigenen Filme und Plots, welche sich dann in bestimmten Eventfilmen kreuzen und so das Zusammentreffen mehrerer Hauptfiguren und das Verschmelzen der Geschichten zur Folge haben. Der erste dieser Filme war «The Avengers» im Jahr 2012.

Durch diese Eventfilme lernen sich diese Charaktere kennen, kämpfen mit- oder gegeneinander für die Rettung der Welt, für ihre Prinzipien oder für ihre Freunde. Diese Erfahrungen und neuen Perspektiven nehmen sie dann in ihre Solo-Abenteuer im nächsten Film mit. Das führt dazu, dass die Charaktere über Jahre hinweg komplexe und interessante Entwicklungen durchmachen und wachsen können.


Thor erlebt eine starke Kurskorrektur

Womit wir also bei Thor angekommen wären. Thor, der wie sein Name vermuten lässt, auf dem mythologischen, nordischen Donnergott basiert, ist vor «Thor: Tag der Entscheidung» in vier Filmen erschienen. Zwei davon sind Solo-Filme, zwei «Avengers-Crossover»-Filme. Und leider wurde recht schnell klar, dass die Filmemacher nach seinem Film-Debut nicht mehr wussten, was sie mit ihm anstellen sollten. Er hatte in «Thor» im Jahr 2011 seine kindische Arroganz und Hochnäsigkeit gegen ein bodenständigeres und empathischeres Wesen getauscht, allerdings hat er sich in den nachfolgenden Filmen nicht mehr weiterentwickelt, was ihn leider zum langweiligsten Charakter aller MCU-Filme machte.

Auch Disney war durchaus bewusst, dass Thor selbst in seinen Solo-Filmen, das am wenigsten interessante Element war, und so wurde entschieden, bei seinem fünften Auftritt in «Thor: Tag der Entscheidung» eine starke Kurskorrektur zu machen. «Thor: Tag der Entscheidung» (Originaltitel: «Thor: Ragnarok») ist ein Science-Fiction/Fantasy/Comedy-Film, der im Weltraum spielt. Und mit dem ersten Satz wird auch sofort klar, dass sich dieser Film wesentlich weniger ernst nimmt und mehr an einer guten Unterhaltung interessiert ist, als zum Beispiel sein direkter Vorgänger «Thor: The Dark Kingdom».


Thor (Chris Hemsworth) ist, nach eigener Erklärung, auf der Suche nach den «Infinity Stones» (mächtige Artefakte, deren Auftauchen im MCU die Geschichten bis jetzt oft angetrieben haben). Als er von einem Ausflug nach Asgard zurückkommt findet er heraus, dass sein Bruder Loki (Tom Hiddleston) ihren Vater Odin (Anthony Hopkins) auf der Erde versteckt hat, um seinen Platz als König einzunehmen. Thor zwingt Loki, mit ihm zur Erde zu reisen, um ihren Vater zu suchen. Dort angekommen, finden sie einen Odin vor, der sein Ende nahen fühlt. Für seine Söhne hat er nur eine Warnung bereit. Seine schwindenden Kräfte ermöglichen es Hela (Cate Blanchett), der Göttin des Todes, aus ihrer Gefangenschaft zu entkommen und die Eroberung von Asgard und dem Rest des bekannten Universums zu beginnen. Es kommt zu einer ersten kurzen Auseinandersetzung zwischen den Göttern. Diese resultiert darin, dass Thor ins All geschleudert wird. Er strandet schliesslich auf einem Schrott-Planeten, wo er Valkyrie (Tessa Thompson), den Grand Master (Jeff Goldblum) und den Hulk/Bruce Banner (Mark Ruffalo) trifft. Nun muss Thor einen Weg finden, vom Planeten zu fliehen, nach Asgard zurück zu kehren und Hela aufzuhalten.


Frischer Wind gibt neue Energie

Die Musik des Filmes hat eine wesentlich stärkere Identität als es für MCU-Filme bisher üblich war. Der Film wird begleitet von einem Synthwave-Soundtrack, der sehr nach 80er-Jahre klingt und dem Spektakel ein einzigartiges Flair verleiht. Als Titelsong und musikalische Untermalung während den Höhepunkten im Film wird unter anderem der «Immigrant Song» von Led Zeppelin verwendet.

Alle Darsteller hatten offensichtlich eine super Zeit beim Dreh dieses Films. Taika Waititi vermutet, dass etwa 80 Prozent der Dialoge improvisiert seien. Dieser frische Wind gab auch Chris Hemsworth neue Energie. Er hatte zuvor angefangen mit dem Gedanken zu spielen, Thor als Charakter den Rücken zu kehren, weil die Rolle langsam stagnierte.

«Thor: Tag der Entscheidung» fühlt sich neu und doch vertraut an. Der wesentlich stärker vertretene Humor ist eine willkommene Abwechslung zur tristen Endzeitstimmung in «Thor: The Dark Kingdom». Die Charaktere wirken lebendiger und freier und ihre Beziehungen ehrlicher und tiefer als je zuvor. Das Drama kommt aber nicht zu kurz. Dem stellt sich der Humor – bis auf eine Ausnahme – auch nicht in den Weg. Visuell hat der Film ebenfalls ein Update erfahren und ist farblich nun mit den «Guardians of the Galaxy»-Filmen zu vergleichen. Dadurch wirkt alles noch etwas fröhlicher und lebhafter.

Für jemanden, der noch nie einen MCU-Film gesehen hat, ist dieser Film ein schwerer Einstieg in die Geschichte von Thor, da hier mit einem gewissen Vorwissen gerechnet wird. Trotzdem ist er, meiner Meinung nach, mit Sicherheit der lustigste und generell einer der besten Filme im MCU. Ich kann ihn also sehr empfehlen.



«Thor: Tag der Entscheidung» eignet sich für Fans von Superhelden-Geschichten und MCU-Fans.

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