Überleben am Red River – Therese Bichsel

Wer sich für Auswanderungsgeschichten aus der Schweiz interessiert, liegt hier richtig. Dieser an Zeitdokumenten orientierte Roman schildert plastisch, wie rund 170 Menschen im frühen 19. Jahrhundert den beschwerlichen Weg aus den Kantonen Bern und Neuenburg an den kanadischen Red River auf sich nahmen. Und stark ernüchtert wurden.

von
Hans Lenzi

06. September 2018
09:00

Die Enttäuschung hat ihre Ursache in der Person des in Schulden gefangenen Hauptmanns und Berner Patriziers Rudolf von May. Um zu Geld zu kommen, wirbt er mit blumigen Versprechen Auswanderungswillige an. Darunter sind auch die Familien Rindlisbacher und Scheidegger. Die Überfahrt in die Neue Welt entpuppt sich als mühselig und fordert ihre Menschenopfer. Um im kalten Norden überleben zu können, werden die heiratsfähigen Jungfrauen rasch verehelicht. Liebe ist hier zweitrangig. Besonders dargestellt wird Peter Rindisbacher, begabter Maler, der allerdings mit 28 Jahren verstirbt. Er hat etliche Darstellungen aus der damaligen indianischen Wirklichkeit hinterlassen. Manche der von der Realität am Red River Getäuschten verlassen im Übrigen die Gegend wieder, um in den heutigen USA eine bessere Heimat zu finden.

Die Autorin flicht in den Fluss der Geschichte immer wieder Zitate aus Zeitdokumenten ein, «kurze und wahre Übersichten aller der Vorteile, welcher ein Ansiedler zu erwarten und geniessen hat» oder die «Erinnerungen eines Auswanderers». Diese Belegstellen aus Briefen und Zeitungsartikeln machen das Werk historisch fassbar.

 

Über die Autorin

Therese Bichsel (*1956 im Emmental) lebt heute nahe den Seen und Bergen in Unterseen und in der Stadt Bern. Sie studierte Germanistik und Anglistik, ist viel gereist, darunter fallen auch mehrmonatige Aufenthalte in Paris und den USA. Sie arbeitet als freie Journalistin und Redaktorin. Therese Bichsel hat eine Familie mit zwei Söhnen. 

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