«Weiss de Gugger»…

…ist eine häufige Redensart, wenn man sich etwas nicht erklären kann. Früher sagte man dem Kuckuck hellseherische Fähigkeiten nach. Er ist ornithologisch eine der interessantesten Vogelarten.

Der Kuckuck
Der Kuckuck (Bilder: bhe)

von
Beni Herzog

25. Juli 2018
09:00

Der Kuckuck ist einer der wenigen Vögel, dessen Ruf resp. Gesang fast jedermann kennt – jedes «Guggerzytli» spielt ihn uns vor. In der Natur ist er allerdings immer seltener zu hören und die wenigsten Menschen haben je einen Kuckuck zu Gesicht bekommen. An unserem Wohnort Villnachern hatten wir das Glück, dass der Ruf des Kuckucks in den letzten Jahren von April bis Juni regelmässig zu hören war. Dem ausserordentlich fotogenen Vogel auf dem Bild sind wir jedoch auf einer Reise nach Schottland begegnet. Für die ornithologische Reise zur Insel Mull hatten wir uns Zielarten wie Seeadler und Wachtelkönig vorgenommen. Meistens kommt es aber zu ganz überraschenden Begegnungen. Wir waren in einer einsamen und abgelegenen Gegend unterwegs zu einem geheimnisvollen Steinkreis, eine Art «Mini-Stonehenge». Ausser uns gab es nur ein paar Schafe und schottische Hochlandrinder. Plötzlich sass der Kuckuck vor uns auf einem Ast, keine 10 Meter entfernt. In der Annahme, dass der Vogel bald Reissaus nehmen würde, machte ich schnell einige Bilder aus schlechter Position. Der Kuckuck wechselte aber nur einige Male seinen Standort und machte keine Anstalten davonzufliegen. So gelangen mit der Zeit einige schöne Bilder. Lag es an der Einsamkeit und der mystischen Ausstrahlung des Ortes? 

 

Ein sagenumwobener Vogel

In der Tat rankten sich früher viele Legenden um den Kuckuck, dies drückte sich in Sprichwörtern, Volksliedern und im Brauchtum aus. Man sagte dem Vogel wahrsagerische Fähigkeiten nach. So glaubten die Menschen, dass der Kuckuck mit der Anzahl seiner Rufe, je nach Lebensumständen, den Zeitpunkt der eigenen Hochzeit, die Anzahl Kinder oder die noch verbleibenden Lebensjahre voraussagen konnte. Noch heute hat sich der Glaube erhalten, dass beim ersten Gesang des Kuckucks ein Geldstück in der Tasche finanzielles Glück für das ganze Jahr verspricht. Der Kuckuck hatte aber auch den Ruf, mit «dem Bösen» in Verbindung zu stehen. In vielen Redensarten wurde «Kuckuck» als Ersatzwort genutzt, um den Teufel nicht beim Namen zu nennen, wie etwa im Ausdruck «Scher dich zum Kuckuck!». Dies könnte auch damit zu tun haben, dass man in früheren Zeiten die Art seiner speziellen Fortpflanzung als Brutparasit nicht verstanden hat. Wer seine Eier in fremde Nester legt und seine Jungen von Wirtsvögeln grossziehen lässt, muss einfach herzlos, teuflisch und böse sein. Dabei ist der Brutparasitismus eine hochkomplexe Angelegenheit und hat weder mit Boshaftigkeit noch mit Faulheit zu tun. Doch das ist eine andere Geschichte, die später im Artikel näher beschrieben wird.

 

Immer seltener zu hören

Mit der Zeit bemerkten wir, dass unser Kuckuck-Männchen keine mystischen, sondern höchst praktische Gründe hatte, um nicht wegzufliegen. Er war nämlich auf Nahrungssuche und schien ein besonders ergiebiges Gebiet mit seiner bevorzugten Raupennahrung gefunden zu haben. Immer wieder flog er auf die Wiese hinunter, jagte, frass und kehrte danach auf seinen Ansitz zurück. Seine Spezialisierung auf behaarte Raupen hat dem Kuckuck einst eine Nahrungsnische eröffnet, welche nur wenige andere Vögel nutzen. Genau dies bringt ihn heute in Bedrängnis. Der zunehmende Einsatz von Pestiziden, verbunden mit dem Rückgang von Schmetterlingen und deren Raupen, sowie der Verlust von Lebensräumen und Nahrungspflanzen wirken sich negativ auf den Kuckucksbestand aus. Die Ausdünnung der Bestände seiner Wirtsvögel verstärkt den Effekt zusätzlich. Der früher häufige Kuckuck steht heute in vielen Ländern auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Brutvögel, beispielsweise in Deutschland und England. In Schottland hingegen blieben die Bestände stabil und konnten dank vermehrt extensiver Bewirtschaftung sogar leicht zulegen. Hoffentlich gelingt es auch hierzulande, eine Trendwende einzuleiten.

 

Der Kuckuck (Cuculus canorus)…

…gehört zur Ordnung der Kuckucksvögel (Cuculiformes), die in ca. 140 verschiedenen Arten auf fast allen Kontinenten vorkommen, die eisige Antarktis ausgenommen. Eine Art – der Rennkuckuck von Mexiko und Arizona – läuft so schnell und so komisch, dass er Vorbild für die Comic-Figur «Road Runner» geworden ist.

Wenn wir vom Kuckuck sprechen, meinen wir in der Regel die Art Cuculus canorus. Sein extrem grosses Verbreitungsgebiet erstreckt sich über ganz Eurasien bis Japan und Kamtschatka, er brütet auch in Nordafrika. In Europa kommt er von Südportugal bis zum nördlichen Polarkreis vor, fehlt aber auf Island. Er bewohnt Kulturlandschaften ebenso wie Habitate oberhalb der Baumgrenze, die Dünen der Meeresküsten und fast alle Lebensräume dazwischen: lichte Laub- und Nadelwälder, Bruchwälder oder auch Hochmoore und Steppen. In der Schweiz beträgt der Bestand rund 20‘000 Paare, Tendenz rückläufig. Als Langstreckenzieher überwintert er im südlichen Afrika.

Der Kuckuck ist mit einer Spannweite bis zu 60 Zentimeter und einer Körperlänge bis 34 Zentimeter etwa taubengross, wirkt aber länger und schlanker als eine Taube. Im Flug sieht er einem Sperber ähnlich. Im Sitzen erscheint er kurzbeinig, die Flügel werden oft etwas abgespreizt hängen gelassen.

Ausgewachsene Männchen sind auf der Oberseite schiefergrau. Die Kehle, die Halsseiten und die Vorderbrust sind einheitlich hellgrau und heller als die Oberseite, die übrige Unterseite ist weiss mit breiter graubrauner Bänderung (sog. Sperberung). Iris, Lidring und Schnabelbasis sind hellgelb. Ausgewachsene Weibchen treten in zwei Farbvarianten auf. Die «graue Morphe» ähnelt den Männchen, zeigt jedoch auf der Brust eine rostbeige bis gelbliche Tönung und eine dünne dunkle Querbänderung. Die «braune Morphe» ist seltener und auf der Oberseite sowie der Brust rostbraun.

  • Kuckucksmännchen
  • Kuckucksweibchen (graue Morphe)

Seinen Namen verdankt der Kuckuck dem auffälligen Ruf des Männchens. Auch in vielen anderen Sprachen, wie im Französischen (coucou), Italienischen (cucú), Englischen (cuckoo) und Lateinischen (cuculus), wurde der Ruf lautmalerisch in seinen Namen integriert. Ein veralteter Name für den Kuckuck ist Gauch. Der Kuckucksruf ist weit zu hören und wird von einer hohen Warte von April bis in den Juli hinein vorgetragen. Die Pausen zwischen den Rufen hängen vom Erregungszustand des rufenden Männchens ab. Je erregter, desto kürzer die Pausen. Bei sehr hoher Erregung kann es zu mehrsilbigen, sich überschlagenden «Kuckuckuck»-Rufen kommen.

Knapp die Hälfte der weltweiten Kuckucksarten legen Eier in fremde Nester. Zusammen mit dem in Südeuropa vorkommenden Häherkuckuck ist der Kuckuck in Europa die einzige Vogelart, die sich als so genannte Brutparasiten fortpflanzen.

 

Brutparasitismus – eine komplexe Art der Fortpflanzung

Warum sich jedes Jahr von neuem plagen und ein Nest bauen, Eier produzieren und ausbrüten, Junge mit Futter versorgen – wenn es auch anders geht? Verschiedene Vogelarten haben zwar ein eigenes Gelege, schieben aber ihre Eier auch einem andern Paar unter und überlassen diesem die Brutpflege. Oft geschieht dies innerhalb der gleichen Art (z.B. bei Tafelenten oder Saatkrähen), aber auch zwischen ähnlichen Arten (z.B. Kolbenenten und Reiherenten).

Unter den Vögeln ist der Kuckuck bei uns der einzige echte Brutparasit, der seine Eier nicht selbst ausbrütet resp. ausbrüten kann. Er hat nämlich diese Fähigkeit vor vielen tausend Jahren verloren. Bei den Insekten gibt es übrigens häufig Brutschmarotzer. Fast ein Viertel der Wildbienen in Mitteleuropa gehören zu den «Kuckucksbienen», die sich der Brutfürsorge anderer Arten bedienen.

Das klingt so, als würden Kuckucke ein bequemes Leben führen. Das Gegenteil ist der Fall: Brutpara­sitismus ist für das Weibchen ein Riesenstress! Es legt den Sommer über ca. 20 Eier und muss ständig nach geeigneten Nestern suchen und diese beobachten. Welches sind geeignete Nester? Kuckucke haben zwar eine Menge möglicher «Wirtsvögel», d.h. Vogelarten, die sich für die Aufzucht eines Kuckucks-Kükens eignen und dies auch tun. Jedes Kuckucks-Weibchen ist jedoch auf eine einzige Vogelart geprägt, nämlich auf diejenige, die es als Küken aufgezogen haben. In seinen Genen hat es die Fähigkeit gespeichert, Eier zu produzieren, die fast «wie ein Ei dem anderen» denjenigen seiner Wirts­vögel gleichen. Bei der Vielzahl der Grössen, Farben und Musterungen von Vogeleiern ist das erstaun­lich, doch es ist einer der Schlüssel zum Bruterfolg. Die Wirtsvögel reagieren nämlich nicht immer so, dass sie das fremde Ei akzeptieren. Einige entfernen es aus dem Nest, manche decken es mit Nistmaterial zu und brüten es nicht aus und wiederum andere verlassen das ganze Gelege. Die Mehrheit brütet den kleinen Kuckuck jedoch aus. Dennoch überleben von den Nachkommen im Durchschnitt jährlich nur zwei Jungvögel pro Kuckuckspärchen.

Das Kuckucks-Weibchen beobachtet stundenlang ein geeignetes Nest «seines» Wirtsvogel-Paares. Es muss dabei sehr heimlich sein, denn wenn es von den Wirtsvögeln entdeckt wird, attackieren diese den «Brutparasiten» und versuchen ihn aus ihrem Revier zu vertreiben. Die Wirtseltern müssen ihre Eier kurz zuvor gelegt haben. Im günstigen Augenblick, nämlich wenn beide Wirtsvögel sich kurzzeitig vom Nest entfernt haben, legt das Kuckucks-Weibchen innert weniger Sekunden ein Ei ins fremde Nest. Meist entfernt es dabei noch schnell ein Ei aus dem Gelege, indem es dieses auffrisst. Denn die Wirtsvögel kennen offenbar die Anzahl ihrer eigenen Eier.

Manchmal wird es beim Eierlegen vom Kuckucks-Männchen unterstützt, indem dieses die Wirtsvögel vom Nest vertreibt. Dabei kommt ihm die Ähnlichkeit mit dem Sperber, einem Kleinvogeljäger, zugute. Die «Sperberung» des Kuckucks ist somit eine gewollte Täuschung, die bei der Fortpflanzung eine Rolle spielt, man spricht dabei von Mimikry.

Ansonsten hat das Kuckucks-Männchen nicht viel mit der Fortpflanzung zu tun. Kuckucke leben auch nicht in einer monogamen Paarbeziehung. Das Weibchen «benutzt» für die Befruchtung des nächsten Eies dasjenige Männchen, das gerade in seiner Nähe ist. Oft ist es aber dasselbe Männchen, denn die Reviere von Kuckucks-Männchen und -Weibchen sind gegeben und überlappen sich.

Wenn die Wirtseltern den «Betrug mit dem Kuckucksei» nicht bemerken resp. das fremde Ei akzeptieren, hat der junge Kuckuck gute Chancen, dass sie das Ei auch ausbrüten und ihn später auffüttern. Der letzte Akt in der Tragödie folgt, nachdem das Kuckucks-Küken geschlüpft ist. Dies passiert bereits nach 12 Tagen, d.h. früher als die Jungen der Wirtseltern schlüpfen. Auch dies begründet sich auf einer evolutionären Anpassung. Das Kuckucksei wird nämlich bereits im Körper durch das Weibchen «vorbebrütet». Kaum aus dem Ei gepellt, beginnt der junge Kuckuck aufzuräumen, indem er die Eier der Nahrungskonkurrenten oder bereits geschlüpfte Küken aus dem Nest wirft. Sobald er dann im Nest seinen gelb-orangen Schnabel aufreisst, ist der Damm bei den Zieheltern endgültig gebrochen. Ihr Instinkt verlangt von ihnen, dass sie nun für den Jungvogel unermüdlich Futter herbeischaffen, auch dann noch, wenn sie der Jungkuckuck in der Grösse weit übertrifft.

Warum hat die Evolution den Wirtsvögeln nicht beigebracht, verlässlicher ein Kuckucksei von den eigenen zu unterscheiden? Sie könnten es dann aus dem Nest entfernen und hätten nur ein eigenes und nicht die ganze Brut verloren. Zu erklären ist das wahrscheinlich durch die Seltenheit des Brutparasitismus. In den meisten Wirtsvogel-Populationen sind weniger als ein Prozent der Nester vom Kuckuck «befallen». Dies ist möglicherweise als Selektionsdruck zu schwach, um eine bessere Gegen­strategie zu entwickeln. Im Moment liegt der Kuckuck in diesem Wettrennen vorne.

 

Warum wurde der Kuckuck zum Brutparasit?

Eine mögliche Erklärung liegt in der Nahrungs-Spezialisierung des Kuckucks. Dieser frisst fast ausschliesslich Insekten. Grösstenteils werden Schmetterlingsraupen verzehrt, darunter auch behaarte wie etwa die Raupe des Prozessionsspinners und Warnfarben tragende Raupen, die von anderen Vögeln nicht gefressen werden. Von Zeit zu Zeit würgt er die Raupenhaare mit der Magenschleimhaut aus. Diese Nahrung vertragen die Jungvögel nicht. Daher ist er im Laufe der Evolution dazu übergegangen, andere Vogeleltern die noch empfindlichen Mägen der Jungkuckucke mit verträglicherer Insektennahrung füllen zu lassen. Dieser Prozess ist nicht umkehrbar. So ist er heute auf Gedeih und Verderb auf seine Wirtsvögel und die aufwändige Technik des Brutparasitismus angewiesen.

 

Wirtsvogelarten

In Europa hat man bis zu 150 Vogelarten als «Kuckuckswirte» nachgewiesen, 40 davon gelten als häufige Wirtsvögel. Zu ihnen gehören unter anderem:

  • Teichrohrsänger (Bild) und Sumpfrohrsänger
  • Zaunkönig
  • Bachstelze
  • Wiesenpieper
  • Rotkehlchen
  • Hausrotschwanz
  • Bergpieper

Nicht alle Wirtsvögel sind gleichermassen «kuckucksfreundlich». So wurde nachgewiesen, dass der Sumpfrohrsänger viel öfters Kuckuckseier aus seinem Nest entfernt als sein naher Verwandter, der Teichrohrsänger.

Aufgrund der Eigenschaft der Kuckucks-Weibchen, bestimmte Eier von Wirtsvögeln zu imitieren, spricht man auch von «Rassen». So gibt es eigentlich «Rohrsänger-Kuckucke», «Bachstelzen-Kuckucke», «Wiesenpieper-Kuckucke» etc., die sich genetisch durch die Art der produzierten Eier unterscheiden, jedoch in den übrigen Merkmalen komplett identisch sind. Diese genetischen Eigenschaften werden von Generation zu Generation vererbt.

 

Verwandte des Kuckucks

Der in Südeuropa beheimatete Häherkuckuck (Clamator glandarius) ist etwas grösser als unser Kuckuck und legt seine Eier in die Nester von Rabenkrähen und Elstern. Häherkuckucke leben paarweise und arbeiten zusammen. Bei der Eiablage lenkt das Männchen die wehrhaften Rabenvögel ab. Im Gegensatz zum Kuckuck stösst der geschlüpfte Häherkuckuck keine Eier oder andere Küken aus dem Nest, sondern wächst zusammen mit seinen Stiefgeschwistern auf. Was harmonisch klingt, geht trotzdem auf Kosten der Wirte, deren eigener Bruterfolg darunter leidet. Sie könnten daher versucht sein, das fremde Küken auszustossen. Der Häherkuckuck behält aber das Brutgeschehen im Auge. Sollten die Wirte es wagen, den jungen Kuckuck aus dem Nest zu werfen, zerstört der Häherkuckuck deren ganze Brut.

 

Ein weiterer Verwandter des Kuckucks in Süd- und Mittelamerika ist der Eichhornkuckuck.

 

Gefährdung und Schutz des Kuckucks

Fragt man die Leute nach dem Kuckuck, so meinen viele, sie hätten schon lange keinen mehr gehört. Dieser Eindruck täuscht nicht. Bis Mitte der 1980er-Jahre war der Kuckuck in der Schweiz weit verbrei­tet. Dass er nur 30 Jahre später vielerorts fehlen würde, ahnte damals niemand. In den tieferen Lagen der Schweiz kommt er heute nur noch in den grossen Flusstälern und Feuchtgebieten vor. In weiten Teilen des Mittellandes und des zentralen und östlichen Juras ist er nur noch punktuell anzutreffen und hat die früher üblichen Vorkommen in Wäldern und Kulturland weitgehend geräumt. Im Kanton Zürich hat er zwischen 1988 und 2008 einen Rückgang von rund 40 Prozent erlitten. Nur in den Alpen und Voralpen kommt er nach wie vor flächendeckend in recht guten Dichten vor.

Auch in Deutschland geht der Kuckucksbestand seit Mitte der 1960er-Jahre immer weiter zurück, in sie­ben Bundesländern um mehr als 20 Prozent, in zwei Bundesländern sogar um mehr als 50 Prozent. Da­her steht der Kuckuck mittlerweile auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Brutvögel (Stand: Aus­gabe August 2016). Eine Ursache dafür ist, dass auch die Wirtsvögel wie die Rohrsänger seltener werden.

Grossbritannien hat in den letzten 25 Jahren mehr als 70 Prozent seiner Kuckucke verloren. Auch hier gibt es auffällige regionale Unterschiede: England erlitt die grössten Verluste, während in Schottland die Bestände stabil blieben und stellenweise sogar zulegten. Alle Indizien sprechen dafür, dass die viel zu inten­sive Landwirtschaft dem Kuckuck und seinen Wirtsvögeln zusetzt. In Westeuropa wird das Kultur­land intensiver genutzt als in Osteuropa, in England intensiver als in Schottland, in der Schweiz im Flachland intensiver als in den Alpen. Vor allem hat der intensive Einsatz von Insektiziden und Herbiziden zu einem Kollaps in der Insektenwelt geführt. Allein seit 1989 sind laut einer neueren Unter­suchung in deutschen Naturschutz­gebieten mehr als 75 Prozent der Insektenbiomasse verloren gegangen. Mit den Insekten verschwinden auch die Vögel. Der Kuckuck findet in der Agrarlandschaft kaum mehr Nahrung. Die von der Bundesverfassung verlangte Multifunktionalität der Landwirtschaft ist nicht mehr gegeben. Die OECD kommt in ihrem Bericht 2017 zum Schluss, dass die Schweiz bei der Erhaltung der Biodiversität hinterherhinkt. Als weitere Gründe für den Bestandsrückgang der Kuckucke werden auch die Intensivierung der Landwirtschaft in Afrika, weniger Insektenreichtum, fehlende Rastbiotope auf den Zugwegen sowie der Verlust von Lebensraum und Nahrung durch Abholzung genannt. Zudem könnte auch die Vogeljagd eine Rolle spielen.

Nicht nur für den Kuckuck brauchen wir dringend eine ökologischere Landwirtschaft. Es gilt, die Kulturland­schaft im grossen Stil mit Blumenwiesen, extensiven Weiden, Hecken, Feldbäumen, Buntbrachen und Weihern zu bereichern (Bild unten). Der Kuckuck gilt als exzellenter Bioindikator für den Reichtum an Vogelarten in einem bestimmten Gebiet. Wenn es gelingt, den Kuckuck zu retten, profitieren auch viele andere Vögel und die Natur davon.

 

www.benifoto.ch

Kommentare (5)

  1. Odermatt
    Odermatt am 29.07.2018
    Liebe Edith und Beni,
    Für euren wertvollen Bericht bedanke ich mich bei euch herzlich. Die Foto vom sitzenden Kuckuck ist sehr schön aber auch einzigartig. Der Kuckuck wusste, dass du Beni ihn berühmt machen wirst, darum hat er sich von dir ablichten lassen. Ich habe diesen sagenumwobene Vogel schon viele Jahre gehört, aber das er so schön aussieht hat mich überrascht. Ja auch ich bin besorgt, wie lange wir sein Rufen aus dem Walde noch hören können. Wenn unsere Umwelt sich so frappant verändert und wir keine Massnahmen anpacken, so wird dieser aussterben wie vieles andere auch.
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  2. Beni Herzog
    Beni Herzog am 28.07.2018
    Danke Flurin, für die sprachliche Ergänzung aus dem Rumantsch. Es scheint mir aber, dass die Kuckucke im Bündnerland etwas "einsilbig" sind ....;-)

    Danke Margrit, für die schönen Fotos braucht es manchmal viiiieeel Geduld und anchmal nur ein bisschen Glück.

    Danke Urs Heinz, bezüglich naturnahen Gärten sind wir natürlich voll und ganz auf Deiner Linie. Es scheint manchmal, die Leute möchten zwar immer mehr "zurück zur Natur", aber ja keine Natur ums eigene Haus herum.
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  3. Flurin Sarott
    Flurin Sarott am 27.07.2018
    Danke für den interessanten Artikel, Beni Herzog.
    Übrigens in meiner Muttersprache Rumantsch-Vallader nennen wir den Vogel „il cuc“.

    Schöne Grüsse, Flurin Sarott.
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  4. Margrit Senn
    Margrit Senn am 27.07.2018
    Hallo Beni
    wie gewohnt wieder ein gut recherchierter Beitrag mit wunderschönen Foto.Ich freue mich immer wieder über Deine Beiträge.Man kann soviel davon lernen.
    Danke
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  5. Urs Heinz Aerni
    Urs Heinz Aerni am 27.07.2018
    Sehr schöner und aufschlussreicher Beitrag. Es besteht sehr großer Handelsbedarf, nicht nur für den Kuckuck. Nicht nur durch Sicherung und Erweiterung von Naturschutzgebieten, sondern auch in den Wohnsiedlungen. Nach wie vor entstehen in allen Dörfern und Städten neue moderne Mehrfamilienhäuser, an denen Schwalben und Segler nicht mehr brüten können und in deren Gärten Pflanzen gesetzt und Rasen gesät wird, die weder für Insekten noch für Igel und Vögel wertvoll sind. Mehr einheimische Pflanzen, mehr Abwechslung brauchen unsere Gärten. Mehr Gewässer ebenso. Es gibt viel zu tun.
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