Wer nichts braucht, hat alles – Janosch, Die Biographie – Angela Bajorek

Lieber Janosch, herzlichen Glückwunsch zum 85. Geburtstag im März diesen Jahres von der Stadtbibliothek Brugg! Janosch, geboren als Horst Eckert in Oberschlesien, ist Autor so vieler Romane und Kinderbücher wie zum Beispiel «Oh, wie schön ist Panama». Selbst hatte er alles andere als eine schöne Kindheit.

26. Mai 2016
06:00

Seine Mutter, eine gefühlskalte Streberin nach gesellschaftlicher Anerkennung, und sein Vater, ein prügelnder Säufer, machen ihm das Leben zur Hölle. Als eher kränkliches Kind muss er viele Demütigungen ertragen. Armut, Alkohol und Missgunst bestimmen die Jahre in Oberschlesien. Janosch wird diese Erfahrungen später in seinem Roman «Cholonek» verarbeiten.

Der Verlust der elterlichen Wohnung mit allen Habseligkeiten und die Flucht 1945 nach Deutschland sind für den jungen Horst eine Befreiung von den Schrecken der Nazi-Herrschaft und der primitiven, erdrückenden Umgebung in seiner Heimatstadt Hindenburg. Janosch nutzt die Freiheit, sich in München niederzulassen und wird nach zweimalig erfolgloser Bewerbung an der Hochschule der bildenden Künste aufgenommen. Seinen Lebensunterhalt sichert er mit seinem gelernten Fach als Textilzeichner – er bekommt sogar eine eigene Kollektion. Trotz aller Mühen als Maler bleibt der erhoffte Erfolg aus.

Er beginnt als Autor zu arbeiten. Namhafte Zeitungen wie «Die Zeit» veröffentlichen seine Kurzgeschichten und Zeichnungen. Dieses Einkommen ermöglicht ihm, Europa zu bereisen und so entsteht seine Leidenschaft für Spanien, die dauerhaft bleibt. Janosch wird später seinen Wohnsitz auf Teneriffa nehmen und sich dem deutschen Kulturbetrieb weitgehend entziehen.


Tiefschürfend und humorvoll

Eine wirklich gelungene, tiefschürfende und einfühlsame Biographie, gespickt mit humorvollen Anekdoten.


Über die Autorin

Angela Bajorek brachte das Kunststück fertig, mit dem medienscheuen und introvertierten Janosch über tausend E-Mails auszutauschen. Sie ist Germanistin und lehrt an der Universität Krakau. Ihre erste Kontaktaufnahme, die unbeantwortet blieb, datiert aus Ihrer Zeit als Studentin – fasziniert von dem sonderbaren Original, das den Kleinen Tiger und den Kleinen Bären erschaffen hatte. Fünfzehn Jahre später traute sie sich noch einmal und schrieb Janosch an, der zum Glück seine Meinung über Biographien inzwischen geändert hatte. (Interview der Welt mit Angela Bajorek)

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