«Zwischen Euphorie und Verzweiflung»

Marc Sway über seine Tournee, die Vorboten des kommenden Albums «Way Back Home» und die Reise zu seinen brasilianischen Wurzeln.

Die Erfahrung hilft ihm, cool zu bleiben: Marc Sway (Bild: zVg)

von
Reinhold Hönle

05. März 2019
09:35

Marc Sway

wurde am 25. Juni 1979 als Stefan Marc Bachofen in Männedorf geboren. Der Sohn eines Schweizer Hobby-Musikers und einer brasilianischen Tanzlehrerin und Ex-Jimmy-Cliff-Perkussionistin erhielt 2002 von BMG München seinen ersten Plattenvertrag. Ein Jahr später landete er mit der Single «Natural High» den ersten Hit. Mit seiner Rückkehr in die Schweiz setzte er auf eine selbstbestimmte Popkarriere. Mit seiner dunklen Soulstimme, seinem unverwechselbaren Auftreten und Liedern wie «Hemmigslos liebe» (mit Fabienne Louves) und «Severina» etablierte er sich und wurde durch die Berufung zum «The Voice Of Switzerland»-Coach auch dem breiten Publikum bekannt. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter (zehn und sieben). Sein neues Album «Way Back Home» (Sony Music) wird am 12. April veröffentlicht. 

www.marcsway.ch 

Marc Sway, wie hoch ist Ihr Ruhepuls?

Marc Sway: Ich glaube, je älter ich werde, umso tiefer wird er. Eigentlich bin ich ein ganz ruhiger Mensch – bis es um Musik geht. Dann bin ichs nicht mehr! Wenn es auf den grossen Bühnen stürmisch wird, hilft mir jedoch die zunehmende Erfahrung, cool zu bleiben und die Übersicht zu bewahren, obwohl alles in dir sagt: Du musst noch mehr Gas geben. 

 

Der Videoclip zu «Beat Of My Heart» zeigt Sie, wie Sie müde ins Bett fallen und von einer wilden Party in Ihrem Hotelzimmer träumen. Was entspricht der Realität, wenn Sie auf Tour sind?

Wenn man als Musiker ein paar Stunden nach dem Konzert ins Hotelzimmer kommt, ist der Adrenalinspiegel oft noch so hoch, dass man nicht schlafen kann. Wenn es anderen auch so geht und man Pech hat, wird das eigene Zimmer zum Partyzimmer. Dann kann man definitiv nicht schlafen! (lacht)

 

Ist das Lied in so einer schlaflosen Situation entstanden?

Nein, wir waren zu dritt in einer Studio-Session. Lars Christen, der eine Produzent, hat einen Beat programmiert. Irgendeiner von uns hat begonnen, eine Melodie dazu zu singen, und zum Schluss haben wir gemerkt, dass wir es alle tun. Das war so ein Ohrwurm, dass er uns nicht mehr aus dem Kopf ging. 

 

Was hat Ihr Herz in den letzten Wochen höher schlagen lassen?

Ich bin vor der Tournee und der Albumveröffentlichung zwei Wochen in die Ferien gegangen, und zwar an den Ort, wo die Umwelt so ruhig ist, wie sonst nirgends. Dort bin ich abgetaucht. 

 

Wo?

Auf den Malediven. Ich bin passionierter Taucher und fühle mich an keinem Ort so schwerelos und weg von allem. 

 

Auch von der Familie?

Nein, die ist mitgekommen. Meine zehnjährige Tochter hat ihren ersten Tauchgang mit der Flasche gemacht.

 

Wie schwierig ist es für Sie, Beruf und Privates zu vereinbaren? 

Manchmal gelingt es sehr gut, manchmal weniger. Vor allem im Prozess des Songschreibens bin ich oft nur physisch anwesend, aber in Gedanken woanders. Meine Frau sagt den Kindern dann: «Jetzt flüügt de Papi.» Severine war schon vor der Hochzeit klar, dass ich auch mit der Musik verheiratet bin. 

 

Mit welchen Gefühlen nähern Sie sich dem 40. Geburtstag, den Sie im Juni feiern können?

Ich freue mich auf die Zeit, die kommt. Als ich für dieses Album mit Nemo zusammenarbeitete, habe ich mich über die Jugendlichkeit und Leichtigkeit gefreut, mit der er die Sachen anpackt. Das hat mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert und mich inspiriert. Ich finde das Älterwerden aber genauso spannend und habe keine Angst davor. Ausserdem ist alles eine Frage der Perspektive. Ich denke wie die 80-jährige Brasilianerin, die mir gesagt hat, alte Menschen wären für sie Menschen, die 20 Jahre älter sind als sie ...

 

Inwiefern haben Sie in Nemo den jungen Marc Sway wiedererkannt?

Ich habe mich insofern wiedererkannt, dass Technologie und Zeit auch die Skills verändern. Ich war beeindruckt von der Art, wie er arbeitet, oder von der Energie, die er hat. Das hat mich an die Zeit erinnert, als ich als 20-Jähriger mit älteren Musikern zusammengearbeitet habe. Die waren auch beeindruckt.

 

Woher kam das Bedürfnis, Ihre brasilianischen Wurzeln mehr in Ihre Musik einfliessen zu lassen?

Den Traum habe ich, seitdem ich Musik mache. Was in der Theorie einfach schien, war in der Praxis jedoch sehr schwierig umzusetzen. Vielleicht hat es eine gewisse Erfahrung gebraucht. Wenn der Rhythmus noch mehr Teil der Musik werden soll, musst du noch mehr loszulassen lernen und gewisse Risiken auf dich nehmen. Das hat sich schon 2010 gelohnt, als ich «Tuesday Songs» mit einer mir unbekannten Band in den USA aufgenommen habe. 

  

Hat es Ihnen Türen geöffnet, dass Sie von einem TV-Team begleitet wurden?

Es lag mehr daran, dass ich schon ein Jahr zuvor in Brasilien war und mir ein Netzwerk aufbaute. Und es hat geholfen, dass ich während der Olympischen Spiele Kulturbotschafter für die Schweiz sein konnte und im House of Switzerland Menschen und Künstler kennenlernte, die zur Spitze der brasilianischen Studio- und Produzentencracks zählen. Sonst wäre ich kaum an diese Leute herangekommen. 

 

Haben Sie in Ihrer Jugend mit der Familie die brasilianische Verwandtschaft besucht?

Ja, wir sind einmal pro Jahr nach Brasilien gereist und haben länger Ferien gemacht. Und das in einer Zeit, als es noch keine Billigflieger gab! Das war für meinen Vater eine ziemliche finanzielle Herausforderung, aber für meine Mami sehr wichtig, da Brasilianer besonders stark vom Heimweh geplagt sind. 

  

Wie hat sich Brasilien textlich niedergeschlagen?

Es gibt zwei Stücke, wo sich – wie man das von meiner früheren Single «Severina» kennt – Englisch und Portugiesisch abwechseln. Der Einfluss auf die Rhythmik ist jedoch grösser, wobei ich mich vor allem von der Energie und Kreativität des Landes inspirieren lassen und nicht das Klischee Brasilien bedienen wollte.

  

Worum geht es in der Ballade «Color»?

Sie handelt davon, dass es jemandem nicht gut geht und der andere Farbe in dessen düstere Stimmung bringen möchte. Mir gefällt die Farbenvielfalt in der Schweiz, ob kulinarisch oder kulturell. Als Mischlingskind bin ich es gewohnt, Farben zusammenzumischen, und stehe für eine bunte Gesellschaft ein.

 

Sie waren zweimal Coach bei The Voice of Switzerland. An welche Ratschläge, die Sie den Kandidaten gegeben haben, erinnerten Sie sich, als Sie dieses Album machten?

Sei geduldig, wenn du an einem Album arbeitest. Es ist normal, dass man Ehrenrunden dreht, dass man leidet und an den Anschlag kommt. Es ist immer eine Achterbahnfahrt der Gefühle zwischen absoluter Euphorie und völliger Verzweiflung. Das sind dann die Momente, wo die Familie sicher denkt: «Wow, wen haben wir denn da zu Hause!?»

 

Bei einem halben Brasilianer, ehemaligen FC-Männedorf-Junior und «Dem Match»-Teilnehmer darf die Frage nicht fehlen, wie Sie Ihre Fussball-Begeisterung heute ausleben?

Vor allem an Weltmeisterschaften vor dem Fernseher und mit dem Götti-Buben, der ein begeisterter Fussballer ist. Wenn ich mit ihm zusammen bin, gibt es keine Minute, an der er mich nicht fragt, ob ich mit ihm «tschutten» würde. Dann bin ich froh, dass ich mir beim FCM mal die Grundskills geholt habe. Wenn ich einen Ball sehe, reizt es mich auch immer noch, etwas mit ihm anzustellen – das habe ich wohl in meiner DNA.

 

Halten Sie sich immer noch mit Capoeira (eine tänzerische brasilianische Kampfkunst) fit?

Nein, dafür fehlt mir leider die Zeit.

 

Weshalb gehen Sie ungewöhnlicherweise schon einen Monat vor der Veröffentlichung von «Way Back Home» auf Tournee?

Ich bin hungrig, die neuen Stücke zu spielen, und die Frühlingssaison ist kurz. Ich will den Leuten schon vor den Sommerfestivals die Chance geben, das Album live zu hören. Früher wäre eine solche Planung undenkbar gewesen, doch die Zeiten haben sich geändert. Konzerte sind wichtiger als Single- oder Albumstrategien. 

 

Weshalb beginnen Sie Ihre Tournee gerade in Brugg?

Wir fühlen uns im Salzhaus wohl. Die Leute sind sehr gastfreundlich. Wir sind auf jeder Tour dort aufgetreten. Deshalb und weil mein Schlagzeuger Simon Kistler aus Brugg kommt, ist das Salzhaus für uns fast wie ein zweites Zuhause. Zudem ist es ideal für den Tourstart, weil wir zwei, drei Tage vorher rein und proben dürfen.

  

Wir verlosen Tickets für das Konzert von Marc Sway am Freitag, 15. März, um 20.30 Uhr im Salzhaus Brugg

Einsendeschluss: Freitag, 15. März, 11 Uhr.

Die Gewinner werden per Mail benachrichtigt. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt.

Viel Glück!

 

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