Clarissen und Franziskaner

Die Führung zum Thema «Frauenleben im Kloster Königsfelden» lockte am Wochenende viel Publikum nach Windisch.

Silvia Dehler
Silvia Dehler (Bilder: em)

von
Esther Meier

09. Oktober 2018
09:15

Eigentlich wollten die zwei Herren zum Legionärspfad, doch als sie am Sonntag sahen, dass für zwei Uhr eine Führung angesetzt war, liessen sie die Gelegenheit nicht entgehen. Nadav Schwarz aus Arlesheim und Lukas Studer aus Sissach waren zum ersten Mal in Königsfelden. Silvia Dehler dagegen, die heute in Aarau wohnt, war vorher in Brugg zu Hause. Sie hatte zufällig die Ankündigung der Führung gesehen. Kurt Gasser aus Scherz erwähnte später für die weiter Hergereisten das Brötliexamen im Eigenamt, das auf Königin Agnes zurückgeht und heute als Jugendfest gefeiert wird. Johanna Gerik aus Zofingen und Susanne Alder aus dem luzernischen Altishofen freuten sich, hatten sie die Klosterkirche doch noch nie von innen gesehen. Maria Willi Wernli und Beat Wernli aus Villigen waren gespannt auf die Ausführungen zum damaligen Frauenleben im Kloster Königsfelden. Isabelle Bay aus Windisch studierte beim Warten die Gegenstände, die beim Empfang zum Verkauf angeboten werden.

  • Kurt Gasser
    Kurt Gasser
  • Maria Willi Wernli
    Maria Willi Wernli
  • Lukas Studer und Nadav Schwarz
    Lukas Studer und Nadav Schwarz
  • Isabelle Bay
    Isabelle Bay
  • Beat Wernli
    Beat Wernli
  • Johanna Gerik und Susanne Alder
    Johanna Gerik und Susanne Alder

Der erste Besuch galt der sogenannten Agnes-Kapelle, die neben den angedeuteten Grundmauern des Refektoriums und des Franziskanerklosters steht. Die Malereien wurden wohl häufig restauriert, da der kleine Raum sehr feucht ist und daher viel Unterhalt braucht. Die an den Wänden dargestellten Sempacherritter blicken in die falsche Richtung und tragen Bärte, was zu ihrer Zeit nicht üblich war. Deshalb ist anzunehmen, dass sie in einer späteren Epoche entstanden. Im 14. Jahrhundert war der Neffe Johann von Schwaben auf seinen Oheim Albrecht schlecht zu sprechen, da er ihm sein Vermögen nicht wie versprochen auszahlte, obwohl er schon lange volljährig war. Doch Albrecht musste schliesslich an seine elf Kinder denken, die auch erben wollten. Beim Aufstieg von der Reuss erstach Johann am Michaelistag 1308 seinen Onkel. Dies veranlasste dessen Witwe Elisabeth, ein Kloster für ihn zu errichten. Darin wurde für seine ohne Absolution verstorbene Seele gebetet. Besonders aufwendig geschah dies an den sogenannten Jahrzeitfeiern, also am jeweiligen Todestag des Verstorbenen. Jede Schwester hatte hundert Paternoster und ebenso viele Ave-Maria zu beten, zusätzlich zur besonders feierlichen Messe, die gelesen wurde. Die Franziskaner als Bettel­orden durften selber nichts besitzen, deshalb waren sie auf das Vermögen der Clarissen angewiesen. Diese wiederum waren froh um Franziskaner als Beichtväter. Agnes selber wohnte nie im eigentlichen Kloster. Ihr Zuhause lag – direkt auf dem heutigen Misthaufen hinter der Kirche, bei den verschiedenen Tieren der Specie Rara. Für sie gab es einen separaten Eingang zum Kirchenschiff, der noch andeutungsweise zu sehen ist. Die Clarissen lebten in strenger Zurückgezogenheit, nur an einem Redefenster konnten sie sich mit Verwandten austauschen. Den Abschluss der Führung bildeten die berühmten Fenster von Königsfelden, insbesondere das Clara- und das Franziskusfenster.

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