Inspirierendes Klima im Glas-Palast

Im Winter ist es zu kalt, im Sommer zu heiss, und es ist fast immer etwas los: Arbeitsplätze in der «Vitrine» Wettingen sind trotzdem begehrt.

Einige der kreativen Köpfe der Vitrine, hinten v.l.: Claudia Krauz-Zillig, Monika Kappeler, Gaby Senn. Vorne v.l.: Vera Käufeler, Anouk Holthuizen, Michaela Erne
Einige der kreativen Köpfe der Vitrine, hinten v.l.: Claudia Krauz-Zillig, Monika Kappeler, Gaby Senn. Vorne v.l.: Vera Käufeler, Anouk Holthuizen, Michaela Erne (Bilder: is)

von
Ilona Scherer

08. November 2018
09:00

Wo früher Blumen und Pflanzen gediehen, wird seit bald fünf Jahren gesägt, gewoben, gemalt und genäht, geschrieben und geplant, designt und geschnitten. Im ehemaligen Gewächshaus der Gärtnerei Widmer an der Seminarstrasse neben dem «Spitzbueb» gründeten die Journalistin Anouk Holthuizen, Werklehrer Christof Borner sowie die Malerin und Gestalterin Vera Käufeler Anfang 2014 eine Ateliergemeinschaft, die auch ein Laden ist. Nach und nach stiessen weitere Mieterinnen und Mieter dazu: Schmuck- und Textildesignerinnen, eine Grafikerin, eine Kuratorin, aber auch Spezialistinnen für Farbkonzepte oder Inneneinrichtung. Auf den 250 Quadratmetern befinden sich mittlerweile zehn Arbeitsplätze, die sich jeweils zwei Personen teilen können. Im Sommer 2017 zog gar eine siebenköpfige Gruppe von Weberinnen mit ihren imposanten Webstühlen ein. So entstand ein buntes ­Potpourri von Einzelfirmen und Kreativköpfen, die sich gegenseitig austauschen und unterstützen. 

Und mittendrin thront der Billardtisch aus Biel, den die Gemeinschaft letztes Jahr auf Ebay ersteigert hat – eine echte Allzweckwaffe: Er dient als Ablagefläche oder als Unterlage für Zuschnitte, und immer am ersten Freitag im Monat auch zum Billardspielen mit Nachbarn und Freunden, um das gesellige Beisammensein zu pflegen. Einmal im Jahr findet zudem die «Werkblüte» statt, eine Art Tag des offenen Ateliers, an dem die einzelnen Firmen ihre Werke präsentieren und verkaufen. «Aber selbstverständlich kann man das ganze Jahr über zu uns kommen – unter der Woche ist vormittags immer jemand hier», sagt Mitgründerin Anouk Holt­huizen. Zudem können alle Mietparteien das Gebäude auch privat für Kurse oder Sitzungen nutzen.  

Die Mieterinnen und Mieter genies­sen den Austausch mit anderen kreativen Köpfen, aber auch die besondere Atmosphäre der Vitrine. «Hier ist es sehr inspirierend und bereichernd, und gleichzeitig chillig», schwärmt Schneiderin Claudia Krauz-Zillig, die unter dem Label «maramara» zeitlose, sportlich-elegante Mode schneidert. Werklehrer Christof Borner, der früher Fotograf war, schätzt die besondere Architektur: «Das gibt Raum für Ideen.» Und für die ehemalige Bauleiterin Regina Bigler, die Farbkonzepte für Räume und Fassaden erstellt, ist die Helligkeit entscheidend: «Farbe und Licht gehören zusammen, hier ist beides perfekt.»

Der Nachteil: Unter dem Glasdach steigt die Temperatur im Sommer oft gegen 40 Grad, und im Winter ist es eher kühl. Aber offensichtlich das richtige Klima, um kreative Ideen gedeihen zu lassen!

  • Monika Kappeler, Schmuckdesignerin: «Schon seit meiner Jugend fasziniert mich das Thema Farbe. Ich habe eine Ausbildung zur Farbdesignerin in Zürich absolviert. Durch das Anfertigen von Schmuck aus feinen Perlen habe ich eine Möglichkeit gefunden, meine Ideen umzusetzen. Ich mache auch Umgestaltungen, indem ich aus alten Schmuckstücken neue kreiere. Vor vier Jahren bin ich durch eine Kollegin aus Ennetbaden in der Vitrine gelandet. Ich wollte einfach wieder auswärts arbeiten. Bis dahin hatte ich meine Kreationen zuhause produziert.»
    Monika Kappeler, Schmuckdesignerin: «Schon seit meiner Jugend fasziniert mich das Thema Farbe. Ich habe eine Ausbildung zur Farbdesignerin in Zürich absolviert. Durch das Anfertigen von Schmuck aus feinen Perlen habe ich eine Möglichkeit gefunden, meine Ideen umzusetzen. Ich mache auch Umgestaltungen, indem ich aus alten Schmuckstücken neue kreiere. Vor vier Jahren bin ich durch eine Kollegin aus Ennetbaden in der Vitrine gelandet. Ich wollte einfach wieder auswärts arbeiten. Bis dahin hatte ich meine Kreationen zuhause produziert.»
  • Gaby Itin, Villnachern, Handweberin: «Unser Webatelier bietet Kurse, Beratung und Webstuhlmiete an. Aber man kann auch einfach herkommen und weben – zwei Webstühle sind immer eingerichtet. Ziel ist, den Menschen das Weben zugänglich zu machen und die Freude daran zu wecken. Viele wissen gar nicht so genau, was alles dahintersteckt. Regelmässig findet auch unser Weberinnen-Treff statt. Da kann man erste Erfahrungen am Webstuhl machen und sich bei Projekten beraten lassen. Es ist auch möglich, einen Webstuhl für ein eigenes Projekt zu mieten. Im Untergeschoss haben wir unser Garn-Lager.»
    Gaby Itin, Villnachern, Handweberin: «Unser Webatelier bietet Kurse, Beratung und Webstuhlmiete an. Aber man kann auch einfach herkommen und weben – zwei Webstühle sind immer eingerichtet. Ziel ist, den Menschen das Weben zugänglich zu machen und die Freude daran zu wecken. Viele wissen gar nicht so genau, was alles dahintersteckt. Regelmässig findet auch unser Weberinnen-Treff statt. Da kann man erste Erfahrungen am Webstuhl machen und sich bei Projekten beraten lassen. Es ist auch möglich, einen Webstuhl für ein eigenes Projekt zu mieten. Im Untergeschoss haben wir unser Garn-Lager.»
  • Vera Käufeler, Wettingen, Malerin und Gestalterin: «Vor 15 Jahren kündigte ich meinen Job als Primarlehrerin. Ich wollte nicht bis zur Pensionierung warten, sondern jetzt tun, was mir gefällt! Anfangs malte ich zuhause. Als meine vier Kinder ausgezogen waren, spürte ich, dass ich «raus» musste, sonst wäre ich vereinsamt. Über meine Schwägerin Vreni Widmer von der Gärtnerei entstand der Kontakt, mit Anouk und Christof gehöre ich zum Pionier-Team der Vitrine. Die erste Sitzung machten wir zusammen mit etwa zehn Interessierten Ende 2013. Wir sind basisdemokratisch organisiert und unsere ganze Administration besteht aus einem einzigen Ordner, das macht mich etwas stolz. Ich male vor allem fotorealistische Tierbilder und realisiere zwischendurch auch andere Projekte. Ich bezeichne mich als Kunsthandwerkerin.»
    Vera Käufeler, Wettingen, Malerin und Gestalterin: «Vor 15 Jahren kündigte ich meinen Job als Primarlehrerin. Ich wollte nicht bis zur Pensionierung warten, sondern jetzt tun, was mir gefällt! Anfangs malte ich zuhause. Als meine vier Kinder ausgezogen waren, spürte ich, dass ich «raus» musste, sonst wäre ich vereinsamt. Über meine Schwägerin Vreni Widmer von der Gärtnerei entstand der Kontakt, mit Anouk und Christof gehöre ich zum Pionier-Team der Vitrine. Die erste Sitzung machten wir zusammen mit etwa zehn Interessierten Ende 2013. Wir sind basisdemokratisch organisiert und unsere ganze Administration besteht aus einem einzigen Ordner, das macht mich etwas stolz. Ich male vor allem fotorealistische Tierbilder und realisiere zwischendurch auch andere Projekte. Ich bezeichne mich als Kunsthandwerkerin.»
  • Christof Borner, Rütihof, Werklehrer: «Ursprünglich bin ich Pressefotograf. Nach Abschluss meiner zweiten Ausbildung zum Werklehrer suchte ich einen Raum zusammen mit meiner Frau Jacqueline, die gerne näht. An dem Gebäude fasziniert mich die Offenheit, das gibt Raum für Ideen. Im Untergeschoss kann ich meinen ganzen Materialfundus lagern – purer Luxus! Meine Werkzeuge und Werkbank dürfen alle benutzen. Ich würde gern auch für mich selber etwas machen, aber neben der Vorbereitung der Lektionen für meine Primarklassen in Baden und Zürich bleibt kaum Zeit. Am schönsten ist es hier, wenn ich allein hier bin.»
    Christof Borner, Rütihof, Werklehrer: «Ursprünglich bin ich Pressefotograf. Nach Abschluss meiner zweiten Ausbildung zum Werklehrer suchte ich einen Raum zusammen mit meiner Frau Jacqueline, die gerne näht. An dem Gebäude fasziniert mich die Offenheit, das gibt Raum für Ideen. Im Untergeschoss kann ich meinen ganzen Materialfundus lagern – purer Luxus! Meine Werkzeuge und Werkbank dürfen alle benutzen. Ich würde gern auch für mich selber etwas machen, aber neben der Vorbereitung der Lektionen für meine Primarklassen in Baden und Zürich bleibt kaum Zeit. Am schönsten ist es hier, wenn ich allein hier bin.»
  • Michaela Erne, Freienwil, Bekleidung auf Mass: «Nach der Geburt meiner Söhne suchte ich eine neue Tätigkeit. Ursprünglich bin ich Primarlehrerin und Lehrerin für Textiles Werken, und so begann ich mit dem Nähen von Taschen und später auch von Kleidern. Dafür habe ich verschiedene Weiterbildungen im Kleidernähen absolviert. Meine Spezialität ist die Kombination von graphischen Elementen und Farbe. Ich mache elegante Mode, sie darf aber auch bunt sein – und trotzdem bequem. Ende Januar verlasse ich die Vitrine, weil ich im Oederlin-Areal mit einer Kollegin ein eigenes Atelier gemietet habe. Die Innendekorateurin Monelle wird meine Nachfolgerin in der Vitrine. Ich brauchte dringend Platz für die riesigen Stoffballen, die ich hier leider nicht lagern kann. Ich werde den Austausch mit den kreativen Leuten der Vitrine vermissen.»
    Michaela Erne, Freienwil, Bekleidung auf Mass: «Nach der Geburt meiner Söhne suchte ich eine neue Tätigkeit. Ursprünglich bin ich Primarlehrerin und Lehrerin für Textiles Werken, und so begann ich mit dem Nähen von Taschen und später auch von Kleidern. Dafür habe ich verschiedene Weiterbildungen im Kleidernähen absolviert. Meine Spezialität ist die Kombination von graphischen Elementen und Farbe. Ich mache elegante Mode, sie darf aber auch bunt sein – und trotzdem bequem. Ende Januar verlasse ich die Vitrine, weil ich im Oederlin-Areal mit einer Kollegin ein eigenes Atelier gemietet habe. Die Innendekorateurin Monelle wird meine Nachfolgerin in der Vitrine. Ich brauchte dringend Platz für die riesigen Stoffballen, die ich hier leider nicht lagern kann. Ich werde den Austausch mit den kreativen Leuten der Vitrine vermissen.»
  • Anouk Holthuizen, Wettingen, Journalistin: «Da ich ganz in der Nähe wohne, kam ich regelmässig an der Gärtnerei vorbei. Eines Tages bemerkte ich, dass der Blumenladen weg war und klingelte spontan bei der Familie Widmer. Zufall oder nicht – der Zwischenmieter, ein Lagerist, hatte seinen Vertrag gerade gekündigt. Es gibt wenig günstigen Schaffensraum in der Region, und so startete ich mit Vera und Christof zusammen das Projekt «Vitrine». Beim Schreiben setze ich manchmal die Kopfhörer auf, dann kann ich ungestört arbeiten. Ich arbeite als Redaktorin und freie Journalistin, sowie für den Verein Netzwerk Asyl Aargau.»
    Anouk Holthuizen, Wettingen, Journalistin: «Da ich ganz in der Nähe wohne, kam ich regelmässig an der Gärtnerei vorbei. Eines Tages bemerkte ich, dass der Blumenladen weg war und klingelte spontan bei der Familie Widmer. Zufall oder nicht – der Zwischenmieter, ein Lagerist, hatte seinen Vertrag gerade gekündigt. Es gibt wenig günstigen Schaffensraum in der Region, und so startete ich mit Vera und Christof zusammen das Projekt «Vitrine». Beim Schreiben setze ich manchmal die Kopfhörer auf, dann kann ich ungestört arbeiten. Ich arbeite als Redaktorin und freie Journalistin, sowie für den Verein Netzwerk Asyl Aargau.»
  • Gaby Senn, Wettingen/Baden, Nähen und Werken: «Eines Tages schlug mir mein Mann vor, ich solle mir doch ein Atelier auswärts suchen. Wahrscheinlich störten ihn die Unmengen an gesammelten Materialien, die ich für meine kreative Tätigkeit zuhause lagerte: Kokosfaser, farbige Folien, Schoggipapierli, Silber- und Goldfäden, Rocaille-Perlen oder Früchtenetzli und vieles mehr. Als ich mal mit dem Velo an der Vitrine vorbeifuhr, schlug mein Herz sofort schneller. Ich musste über ein Jahr auf einen freien Platz warten! Unter dem Künstlername Gabriella stelle ich vor allem Fadenkunst her. Das sind Bilder mit verschiedenen Lagen aus Materialien aus der Natur, dem Alltag und Stoffen. In der Vitrine schätze den Austausch mit anderen kreativen Menschen sehr.»
    Gaby Senn, Wettingen/Baden, Nähen und Werken: «Eines Tages schlug mir mein Mann vor, ich solle mir doch ein Atelier auswärts suchen. Wahrscheinlich störten ihn die Unmengen an gesammelten Materialien, die ich für meine kreative Tätigkeit zuhause lagerte: Kokosfaser, farbige Folien, Schoggipapierli, Silber- und Goldfäden, Rocaille-Perlen oder Früchtenetzli und vieles mehr. Als ich mal mit dem Velo an der Vitrine vorbeifuhr, schlug mein Herz sofort schneller. Ich musste über ein Jahr auf einen freien Platz warten! Unter dem Künstlername Gabriella stelle ich vor allem Fadenkunst her. Das sind Bilder mit verschiedenen Lagen aus Materialien aus der Natur, dem Alltag und Stoffen. In der Vitrine schätze den Austausch mit anderen kreativen Menschen sehr.»
  • Regina Bigler, Wettingen, Raum- und Farbkonzepte: «Farbe und Licht gehören zusammen – und hier ist beides perfekt! Ich erstelle Raum- und Farbkonzepte und biete Beratung für Räume und Fassaden an. Man kann viel aus einem Raum herausholen, wenn man Farbe, Licht und Bau in einen stimmigen Einklang bringt. Ich war viele Jahre als Bauleiterin tätig und habe Bauprojekte geplant und ausgeführt. Seit Herbst 2016 bin ich Teil der Ateliergemeinschaft. Mir gefällt an der Vitrine vor allem der gute Austausch mit kreativen Leuten.»
    Regina Bigler, Wettingen, Raum- und Farbkonzepte: «Farbe und Licht gehören zusammen – und hier ist beides perfekt! Ich erstelle Raum- und Farbkonzepte und biete Beratung für Räume und Fassaden an. Man kann viel aus einem Raum herausholen, wenn man Farbe, Licht und Bau in einen stimmigen Einklang bringt. Ich war viele Jahre als Bauleiterin tätig und habe Bauprojekte geplant und ausgeführt. Seit Herbst 2016 bin ich Teil der Ateliergemeinschaft. Mir gefällt an der Vitrine vor allem der gute Austausch mit kreativen Leuten.»
  • Claudia Krauz-Zillig, Wettingen, Kleidergestalterin: «Meine Mode ist zeitlos sportlich-elegant. An einem von mir gestalteten Kleidungsstück kann man sich über Jahre erfreuen. Ich mag selber sehr gerne Röcke. Ursprünglich begann ich mit dem Nähen von Kinderkleidern. Mein Label maramara habe ich nach meiner Tochter Mara benannt. Ich habe die Vitrine einst durch die Werkblüte, den Tag des offenen Ateliers, kennen gelernt und fand sie sofort interessant. Es ist schön hier zu arbeiten. Sehr inspirierend und bereichernd, aber auch gechillt.»
    Claudia Krauz-Zillig, Wettingen, Kleidergestalterin: «Meine Mode ist zeitlos sportlich-elegant. An einem von mir gestalteten Kleidungsstück kann man sich über Jahre erfreuen. Ich mag selber sehr gerne Röcke. Ursprünglich begann ich mit dem Nähen von Kinderkleidern. Mein Label maramara habe ich nach meiner Tochter Mara benannt. Ich habe die Vitrine einst durch die Werkblüte, den Tag des offenen Ateliers, kennen gelernt und fand sie sofort interessant. Es ist schön hier zu arbeiten. Sehr inspirierend und bereichernd, aber auch gechillt.»

Werkblüte – Verkaufstag:
Samstag, 17. November, 11 bis 17 Uhr
Seminarstrasse 79, Wettingen
www.vitrine-wettingen.blogspot.ch 

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