Spannendes vor 150 Jahren

Im Stadtmuseum Brugg fand die Vernissage des jüngsten Werks von Peter Belart zur Geschichte seiner Vorfahren statt.

von
Esther Meier

09. Mai 2018
09:00

Kurator Dominik Sieber freute sich, dass der Autor nach neun Monaten pünktlich den dritten Teil der Familiensaga präsentieren könne. Geschäftsleiter Cédric Kaiser der Effingerhof AG, die «Ein stilles Heimweh wird mir immer bleiben» herausgibt, betonte, das haptische Gefühl beim Blättern eines Buchs sei doch etwas ganz anderes als ein E-Book. Da konnte der frühere Buchgestalter Paul Bieger nur zustimmen. Noë Wyss, Block- und Altblockflöten, umrahmte mit Eliana Imbiscuso, Harfe, die Lesung musikalisch. Noë pflegte eine Brieffreundschaft, aber sonst wickeln die Jungen ihre Korrespondenz auf digitalem Weg ab.

Ausnahmsweise kamen auch die prächtig gepolsterten Sitzmöbel zum Einsatz, die sonst nur für Ziviltrauungen gebraucht werden. Sie waren reserviert für Nachkommen der Familien, über die Peter Belart berichtet. Ein Ehepaar aus Männedorf, Katrin und Christoph Ackeret sowie Jennifer und Dieter Baumgartner aus Meggen gehören zu den Nachkommen von Hans und Marie Siegrist. Die Geschwister Katrin und Dieter Baumgartner wuchsen allerdings bereits nicht mehr im Aargau, sondern in Küsnacht auf. Während Katrin Ackeret noch häufig Briefe schreibt, da ihr Sohn berufshalber im Ausland weilt, kommt ihr Bruder als Arzt schon infolge seiner Arbeit genügend dazu. Peter Belart hatte während der letzten 25 Jahre rund 161 Briefe fein säuberlich aus der alten deutschen Schrift transkribiert. Für sein jüngstes Buch verarbeitete er rund einen Viertel davon. «Diese Briefwechsel könnten für Germanistikstudenten dankbare Themen bieten, sei es die Veränderung der Sprache oder andere Aspekte», meinte Peter Belart. Es wäre wirklich schade, wenn diese Geschichten aus vergangener Zeit nicht ein Publikum fänden. Der jüngste Band enthält im Anhang sogar einige Rezepte, die zum Nachkochen einladen. 

  • Christoph Ackeret
    Christoph Ackeret (Bilder: em)
  • Dieter Baumgartner
    Dieter Baumgartner
  • Jennifer Baumgartner
    Jennifer Baumgartner
  • Paul Bieger
    Paul Bieger
  • Katrin Ackeret
    Katrin Ackeret
  • Noë Wyss und Eliana Imbiscuso
    Noë Wyss und Eliana Imbiscuso

Die junge Marie folgte 1858 ihrem Mann Hans, der sich in Konstantinopel als Uhrenhändler niedergelassen hatte. Der Schock vom ruhigen Landstädtchen Brugg in die Metropole Konstantinopel war gross. Da die junge Frau bald schwanger wurde, beriet sie ihre Mutter im Briefwechsel über alle Aspekte dieses Zustands bis hin zu den ersten Anzeichen für die Geburt. Allein diese Ratschläge dürften anderswo schwer zu finden sein, hielt man sich doch damals recht bedeckt in leiblichen Fragen. Der türkische Bazar und die angrenzenden Quartiere mit einer Moschee machten grossen Eindruck auf Marie. Das Leben war wohl auch noch farbiger und exotischer als im heutigen Istanbul. Auch in Brugg geschah einiges. Eine Episode erklärt, warum hier die Freischarenkämpfe früh aufgegeben wurden. Nach der Heimkehr in die Schweiz baute das Paar das heutige Dufourhaus bauen, das nach Meinung von Peter Belart bei genauerem Betrachten leicht orientalisch angehaucht erscheint.

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