1950 Kilometer durch die Wildnis Alaskas

Letzten Sommer haben Manuel Meier aus Schinznach-Dorf und Lukas Mathis aus Unterendingen die Brooks Traverse gemeistert.

1950 Kilometer in totaler Einsamkeit, abseits von Strassen oder Wanderwegen, waren die beiden Aargauer unterwegs. Der westliche Teil der Brooks-Kette gehört zum «Gates Of The Arctic National Park»
1950 Kilometer in totaler Einsamkeit, abseits von Strassen oder Wanderwegen, waren die beiden Aargauer unterwegs. Der westliche Teil der Brooks-Kette gehört zum «Gates Of The Arctic National Park» (Bilder: zVg)

von
Stefan Haller

26. Februar 2019
14:00

Mit 24 Jahren sind die beiden JO-Leiter des SAC Brugg unter den ersten Europäern, welche die gesamte Brooks Traverse von der kanadischen Grenze bis zur Beringstrasse erfolgreich gemeistert haben. Die Brooks Range liegt 200 Kilometer nördlich des Polarkreises. Das Projekt, das der GA in der Ausgabe vom 24. Mai 2018 vorstellte, war äusserst anspruchsvoll: 1300 Kilometer zu Fuss von Ost nach West durch die Berge und von da, wo der Noatak-Fluss schiffbar ist, 650 Kilometer mit dem Kanu. Gesamthaft 1950 Kilometer in totaler Einsamkeit, abseits von Strassen oder Wanderwegen. Der westliche Teil der Brooks-Kette gehört zum «Gates Of The Arctic National Park», der trotz achtfacher Grösse in den letzten zehn Jahren so viele Besucher verzeichnete wie der Grand Canyon in einer durchschnittlichen Woche.

Am 7. Juni letzten Jahres setzte Buschpilot Kirk die beiden Aargauer mit einem speziell ausgestatteten Kleinflugzeug an der kanadischen Grenze ab. Von da an waren sie auf sich allein gestellt. Bis zur Ankunft am 8. August in Kotzebue bei der Mündung des Noatak Rivers. 

  • Ein gutes Team: Lukas Mathis (links) und Manuel Meier waren zwei Monate lang auf sich allein gestellt
    Ein gutes Team: Lukas Mathis (links) und Manuel Meier waren zwei Monate lang auf sich allein gestellt

60 Tage zusammen allein

Längst sind Manuel Meier aus Schinznach-Dorf und Lukas Mathis aus Unterendingen, der heute in Rapperswil wohnt, wieder zurück in ihrem Alltag. Der Elektrotechnik-Student an der ETH und der Bauingenieur sind immer noch gute Freunde. Kurz nach dem Gespräch mit «e-journal» fuhren die beiden nach Zernez im Engadin, wo sie eine Skitour unternahmen. 

Bilanzierend konstatieren sie: «Wir waren sehr isoliert. Die Abkapselung von der Aussenwelt sei im Nachhinein vielleicht eine der beeindruckendsten Erfahrungen gewesen, erzählt Manuel Meier. «Wir verspürten  kein Verlangen nach News, die Resultate der damaligen Fussball-WM interessierten uns beispielsweise kaum.» 

Wirklich gefährliche Situationen erlebten sie nicht. Dies trotz Begegnungen mit mehreren Grizzlybären, die sie auch mit ihrer Drohne fotografierten. Es sei wichtig, nicht den Respekt vor den Bären zu verlieren und Abstand zu wahren, sagt Manuel Meier, der auf seinen Touren schon über 80 Bären-Begegnungen erlebte. Eindrückliche Aufnahmen entstanden auch von Karibus, von denen sie mehrere Tausend zu Gesicht erhielten. 

 

«Die Hölle verlassen»

Eine Herausforderung war die unerwartete Kälte zu Beginn. Nach einem 17-stündigen Schneesturm schrieb Lukas Mathis in sein Tagebuch: «Wir haben die Hölle verlassen.» Es gab keine Fluchtmöglichkeit, der einzige Schutz vor der Nässe und Kälte war das Zelt. Die widrigen Bedingungen hätten fast Konsequenzen gehabt. Lukas Mathis kämpfte mit starken Knöchelschmerzen und überlegte sich, das Projekt für eine Weile abzubrechen und später wieder zu seinem Kollegen Manuel zu stossen. Glücklicherweise verbesserten sich die Beschwerden dank Schmerzmitteln und der Erwärmung dann, und es konnte weiter gehen. Eine weitere «Krise» entstand, als während einer dreitägigen Schluchtenquerung die vereinbarten Signale des Satellitentelefons nicht nach Hause durchkamen. So hätten die Eltern beinahe den Notruf abgesetzt. Kurz vor der vereinbarten 72-Stunden-Frist kam aber eine Nachricht durch, und der Buschpilot wurde nicht auf die Suche geschickt.

Vieles war unvorhersehbar: Manche Bäche und Flüsse präsentierten sich völlig ausgetrocknet, dafür war die Querung von Pässen gefährlicher als erwartet.

 

Ein Königreich für einen Salat

Trotz kalorienreicher Ernährung litten die zwei Aargauer Hunger. Die Ernährung präsentierte sich immer gleich. Zum Zmorge assen sie Milchpulver, Granola-Müesli und Haferflocken, die mit Mandel- und Erdnussbutter angereichert wurden. Während des Wanderns gab es Nüsse, M&Ms, Riegel, Schokolade, Blevita, Trockenfleisch, getrocknete Früchte und Beeren und zum Nachtessen dehydrierte Menüs (warme Mahlzeit) sowie Instant-Nudeln. Der erste selbst gefangene Lachs bei der Ankunft am Noatak River kam ihnen vor wie ein Festessen. Und ein Salatteller im Restaurant in Fairbanks habe ebenfalls paradiesisch geschmeckt.

 

Der eine nahm ab, der andere zu

Die Auswirkungen des Hungers waren unterschiedlich: Während der grössere und deutlich schwerere Manuel über zehn Kilogramm an Gewicht verlor, nahm Lukas sogar drei Kilogramm zu. «Er hat mir wohl alles weggessen», meint Manuel Meier lachend. Ernsthaft fortfahrend ergänzt er: «Weshalb die Körper unterschiedlich auf die extremen Bedingungen reagierten, ist letztlich nicht ganz klar. Eine Möglichkeit wäre der Muskelaufbau bei Lukas.»

Schon kurz nach dem Projekt war klar, dass es über die Traverse der Brooks Range an verschiedenen Orten im Jahr 2019 Vorträge geben würde. Untermalt mit eindrücklichen Bildern und Videos, erzählen Meier und Mathis von ihrem Projekt und geben Einblick in die Hochs und Tiefs, die sie während zweier Monate in der Wildnis Nordalaskas erlebten.

Die Premiere findet am Sonntag, 24. März, 10 Uhr im Kino Excelsior Brugg statt, danach folgen unter anderem Vorträge in Schöftland (28. April) und Schinznach-Dorf (25. Oktober).

 

«Ihr seid Sibesieche»

Das Projekt fand grosse mediale Beachtung, und Meier und Mathis erhielten viele positive Rückmeldungen vor und nach der Traverse. So schrieb etwa der von der SRF-Serie «Auf und davon» bekannte Schweizer Auswanderer und Holzfäller Hermann Schönbächler, der heute mit der Familie in British Columbia (Kanada) lebt und Manuel Meier von einer früheren Begegnung kennt: «Ihr seid Sibesieche!» «Dieser Kommentar bedeutet uns wirklich sehr viel», erklären die beiden Freunde lachend.

Sonntag, 24. März, 10 Uhr
Vortragsmatinee
Kino Excelsior, Brugg
Weitere Aufführungen: www.northwards.ch 

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