70 Jahre «Diener Eurer Freude»

Eugen Vogel, langjähriger katholischer Pfarrer von Windisch, wusste schon seit der Primarschule, dass er Priester werden wollte. Am 29. Juni feiert er sein 70-Jahr-Priesterjubiläum.

Eugen Vogel war der richtige Pfarrer zur richtigen Zeit am richtigen Ort (Bild: pwf)

von
Peter W. Frey

25. Juni 2020
09:00

Am 29. Juni 1950, am Feiertag von Peter und Paul, wurde der 26-jährige Eugen Vogel in der St.-Ursen-Kathedrale in Solothurn von Bischof Franziskus von Streng zum Priester geweiht. Auf den Tag genau siebzig Jahre später feiert er am kommenden Montag um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Windischer Marienkirche sein siebzigstes Priesterjubiläum. 

Es ist jener Ort, an dem Eugen Vogel tiefe Spuren hinterlassen hat: Nach zwölf Jahren als Vikar in Aarau sandte ihn nämlich der Bischof 1962 nach Brugg mit dem Auftrag, in Windisch mehr als 400 Jahre nach der Reformation wieder eine katholische Pfarrei aufzubauen. «Mein Wunsch war eine Pfarrei in der Aargauer Dias­pora – und dieser Wunsch ging in Erfüllung», erzählt Eugen Vogel. Es wurde seine Lebensaufgabe.

 

Pionier der Ökumene

Der Aufbau der Pfarrei Windisch mit der Kirchweihe 1965 fiel in die Zeit der Öffnung und des Aufbruchs nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Diese Chance packte Eugen Vogel, aufgewachsen im tief katholischen Entlebuch, innovativ und mit gros­sem Elan an. Seine menschliche und theologische Offenheit machte es ihm dabei leicht, auf Augenhöhe auf die Menschen zuzugehen – auch auf die reformierten Mitchristen: «Zu neunzig Prozent unterscheiden wir uns ja gar nicht.» Kein Wunder, dass er in Windisch zu einem Pionier der gelebten Ökumene wurde, der Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen.

Er war der richtige Pfarrer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. «Unkompliziert, offen, direkt, volksnah, bei den Leuten, gepaart mit einer tiefen Frömmigkeit», umschreibt es Walter Meier, pensionierter reformierter Pfarrer von Windisch und Eugen Vogel freundschaftlich verbunden. Eugen Vogel verstand seine Tätigkeit immer als «Diener Eurer Freude», getreu seinem Wahlspruch aus dem zweiten Korintherbrief. «Ich will die Menschen froh machen, das ist das Hauptmotiv meiner Tätigkeit.» 

 

«Pfarrer in Rufweite»

Nach 27 Jahren als Pfarrer von Windisch wechselte Eugen Vogel zusammen mit seiner langjährigen Haushälterin Elisabeth Zöllig für sieben Jahre in die Pfarrer Wohlenschwil-Mägenwil. Nach seiner offiziellen Pensionierung – wohlverstanden mit 75 Jahren – zog es ihn zurück in die Region, nach Hausen. «Hier bin ich eben beheimatet», sagt er in seinem Haus an der Titlisstrasse. An der Wohnzimmerwand kündet eine Urkunde von der Wertschätzung, die er weit über seine eigene Konfession hinaus geniesst. «Als Dank und Anerkennung für die grossen und aus­serordentlichen Dienste für die Gemeinde und die Bevölkerung» verlieh ihm der Einwohnerrat von Windisch 2004 das Ehrenbürgerrecht.

Auch nach der Pensionierung übernahm er Gottesdienst-Aushilfen und seelsorgerische Aufgaben. Auf dem Schild an seiner Haustüre steht «Eugen Vogel, Pfarrer i.R.» Gemeinhin heisst das «Pfarrer im Ruhestand». Doch er sagt verschmitzt, das habe lange Zeit doch eher «Pfarrer in Rufweite» bedeutet. Unterdessen ist Eugen Vogels Mobilität etwas eingeschränkt; er ist auf ein Elektromobil angewiesen. In Hausen und Windisch ist sein rotes Gefährt weitherum bekannt als «Eugens Papamobil».  Auch wenn er kaum mehr Gottesdienst-Aushilfen übernimmt, etwas hat sich mit 96 Jahren nicht geändert – das innere Feuer für seine geistliche Aufgabe: «Das ist eben nicht wie in einem anderen Beruf. Priester zu sein, ist ein Auftrag, eine Sendung – und die endet  nicht». 

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