97 Jahre und kein bisschen alt

Im Historischen Museum ­Baden feierten rund 80 Gäste den 97. Jahrgang der Neujahrsblätter. Passend zum Leitthema floss lokales Bier.

Salome Egloff aus der Redaktion. (Bild: cd)

von
Dahl, Caoline

24. November 2021
18:55

An die Vernissage im Historischen Museum Baden kamen mehr Gäste, als angemeldet waren. Eine positive Überraschung für die Veranstalter: «Ihr seid alle herzlich willkommen. Schön, dass ihr da seid!», hiess es. Der Stolz war deutlich in den Gesichtern des Redaktionsteams zu lesen, als am Montag die Vernissage der Neujahrsblätter 2022 gefeiert wurde.

Unter erschwerten Bedingungen ist die neue Ausgabe produziert worden, denn aufgrund persönlicher, gesundheitlicher und Corona-bedingter Umstände hatten gleich vier Mitarbeitende vor einem Jahr die Redaktion verlassen. Das neue Team besteht nun aus Severina Eggenspiller, Salome ­Egloff, Jonas Huggenberger, Bruno Meier, Sara Venzin und Ruth Wiederkehr. Sein grosser Einsatz wurde von Museumsleiterin Carol Nater Cartier verdankt und mit Applaus bedacht, auch im Namen der beiden Herausgeber, der Vereinigung für Heimatkunde des Bezirks Baden und der Literarischen Gesellschaft Baden.

Pferdefuhrwerk der Brauerei Müller (1969). (Bild: zVg | Hier und Jetzt Verlag)


Krämerordnung und Bademode

Entstanden ist auch dieses Mal eine sowohl inhaltlich wie auch ästhetisch ansprechende Ausgabe. «Für Baden und seine Region ist es sehr wichtig, dass jedes Jahr ein qualitativ so hochstehendes Buch publiziert wird», ist Naterer Cartier überzeugt.

Der 97. Jahrgang steht unter dem Thema «Wirtschaft und Gewerbe.» Autorin Sandra Lang schreibt über die Badener Krämerordnung von 1640 und gibt so Einblicke in den Handel der frühen Neuzeit. Andrea Ventura nimmt die Leserschaft ins Kurgebiet mit und veranschaulicht die Situation der Gewerbetreibenden um die Jahrhundertwende. Franz Streif erinnert in einem Spaziergang um 1950 an die untere Altstadt und das Treiben des dortigen Handels und Handwerks, und Simon Steiner erzählt von der ­Bademodenfirma Lahco, wo man «Gummibänder ins Stoffgewebe» mischte. Der Beitrag von Andreas Fahrländer zum 125-Jahr-Jubiläum der Müllerbräu wurde später auch kulinarisch aufgegriffen, als am Apéro Bier offeriert wurde.


Wie die Milch in die Packung kam
Bei Themen rund um Wirtschaft und Gewerbe geht es auch immer um den Konsum und seine Auswirkungen. So kann man anhand des Beitrags «Vom Milchmann zur Milchzentrale» von Bruno Meier eindrücklich verfolgen, wie die Industrialisierung die frische Milch aus dem Offenverkauf zur Pastmilch in der Wegwerfpackung machte. Ein Prozess, der unter anderem im «Milchkrieg» 1966 gipfelte.

Interessant sind auch wirtschafts­historische Analysen zu den Bädern um 1900 oder Details zum Stadtteil Dättwil um die Jahrtausendwende. Schön zusammengestellt sind die Porträts und die «Reussgfrörni», welche die Gegenwart abbilden. Die neue Ausgabe der Neujahrsblätter ist mit sorgfältigem Bildmaterial ausstaffiert. Die rund zwanzig Autorinnen und Autoren, die dafür recherchiert, geschrieben und gearbeitet haben – gegen ein kleines Honorar, wie an der Vernissage erwähnt wird –, haben ganze Arbeit geleistet. Bier, warmer Apéro und Akkordeonklänge waren die perfekte Kulisse für den Erstauftritt des neuen alten Buches.

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