Abgang einer «Allzweckwaffe»

26 Jahre lang stellte sich der Freienwiler Bernhard Burger in den Dienst von Gemeinde und Schule. Ohne grosse Worte, aber mit viel Engagement.

Bernhard Burger auf dem Rasenmäher beim Schöpfli, in dem seine Arbeitsgeräte eingestellt sind. (Bild: is)

07. Oktober 2020
12:07

Wenn am Montag die Kinder nach den Schulferien wieder in die Klassenzimmer stürmen, beginnt für Bernhard Burger die letzte Arbeitswoche. 26 Jahre lang war er an der kleinen Dorfschule als Hausabwart omnipräsent. Ab dem 19. Oktober geniesst er zwei Wochen Ferien, bevor er Ende Monat offiziell frühzeitig in Pension geht – zwei Tage nach seinem 64. Geburtstag. Seinen Nachfolger, Stefan Näf (40), hat er seit dem 1. Juli eingearbeitet. An der Schule wird man ihn vermissen: «Bernhard war für mich das stille Herz der Schule Freienwil. Immer da, wenn man ihn brauchte – ruhig, besonnen und professionell», sagt Lehrer François Ruedin, der selbst seit 16 Jahren an der Schule tätig ist.

Bei Kindern und Jugendlichen ist «de Bernhard», wie sie ihn nennen dürfen, ebenfalls beliebt. Im Umgang mit ihnen bewies der gebürtige Freienwiler Fingerspitzengefühl, auch wenn mal was beschädigt wurde: «Man erwischt die Übeltäter ja sowieso selten direkt, und wenn man sich zu stark aufregt, machen sie es erst recht», lautete sein Credo. Es störte ihn auch nicht, wenn es am Mittwochnachmittag an seiner Haustür im Weiherdörfli klingelte, weil jemand die Hausaufgaben im Klassenzimmer vergessen hatte. «Es war natürlich praktisch, dass ich gleich neben der Schule wohne», schmunzelt er.
Der Kontakt mit jungen Menschen werde ihm fehlen, sagt Burger. Gleichzeitig freut er sich darauf, gewisse Dinge am Haus zu machen oder mit Holz zu werken. Reisen sei ja momentan sowieso nur eingeschränkt möglich, findet er: «Und wir haben hier auch eine schöne Landschaft.»


Hauswart mit Fachausweis
Der Freienwiler ist kein Mann der grossen Worte, dafür umso mehr der Tat. Denn er ist nicht nur Hauswart mit Fachausweis, sondern auch Leiter Unterhalt der Gemeinde Freienwil. Als solcher hat er sich über die Jahre ein breites Wissen angeeignet. Als er am 1. Februar 1994 anfing, hiess seine Funktion «Betreuer öffentliche Anlagen»; die Stelle war von Gemeinderat Edi Laube geschaffen worden. Burger war unter anderem zuständig für die Instandhaltung und Pflege von Gemeindehaus, Waldhütte, Ortsbürgerhaus, Friedhofsgebäude, Entsorgungsplatz und Schulhaus.
Über die Jahre wuchs sein Aufgabengebiet, er übernahm das Amt des Brunnenmeisters und war Stellvertretender Bestatter. «Feierabend hatte ich eigentlich nie, vor allem im Winter oder bei starken Gewittern. Da stand ich morgens um 4.30 Uhr auf, um den Zustand der Strassen zu prüfen und zu entscheiden, was unternommen wird», erinnert sich Bernhard Burger. 

Es waren lange Arbeitstage. Doch die Vielseitigkeit gefiel dem Multitalent. Er schob den Schnee von der Strasse,  reinigte das Friedhof-WC, flickte Löcher auf geteerten Zufahrtsstrassen, assistierte bei Grüngut- und Häckseldiensten, überwachte Wasserversorgung und Holzschnitzelheizung, war stets auf Pikett im Fall eines Wasserrohrbruchs.

Ganz nebenbei erledigte der gelernte Elektromonteur, der seine Lehre bei Eglin in Unterehrendingen absolviert hat, auch Reparaturen und Renovationen der Elektroinstallationen. So hat die Gemeinde viel Geld gespart. «Bernhards Fachkenntnisse in diesem Bereich waren während seiner ganzen Dienstzeit sehr dienlich», bestätigt Gemeindeammann Robert Müller. Burgers langjähriger Einsatz wurde auch von der Gemeinde sehr geschätzt: «Er hat sehr selbständig gearbeitet und seine Aufgaben immer effizient ausgeführt», lobt Müller.


Aufgewachsen auf dem Tannenhof
Seit rund 15 Jahren stellte die Gemeinde auch Lehrlinge an, die Burger mit Geduld ausbildete. Das sei für ihn eine grosse Entlastung gewesen: «Ich habe die Lernenden früh zu selbständigem Arbeiten erzogen.» Dank seiner Arbeitspläne waren die Aufgaben stets klar verteilt. Montags stand zum Beispiel eine Tour vom Regenbecken via Friedhof und Bushaltestelle zum Entsorgungsplatz an. Am Mittwoch wurde zuerst das Reservoir kontrolliert, dann ging es auf Robidog-Tour, um die grünen Kästen zu leeren und Säcke nachzufüllen. Der Verbrauch der Hundekot-Beutel hat in den letzten Monaten aufgrund des Bauernlandwegs und der Corona-Krise übrigens massiv zugenommen, weiss Burger: «Man merkt, dass viel mehr Menschen mit Hunden auf den Spazierwegen unterwegs sind.» 

Als Ortsbürger kennt er das Dorf wie seine Westentasche. Aufgewachsen ist Bernhard Burger neben dem ehemaligen Restaurant Eintracht. Nach Abschluss der Güterregulierung baute sein Vater den Tannenhof hoch über dem Dorf, wo heute sein Bruder Adrian mit Ehefrau Christa und einer Herde stattlicher Salers-Rinder lebt.

Bernhard Burger ist längst ins Dorf zurückgezogen, wo auch die Kinder Michelle und Matthias aufgewachsen sind. Seine Ehefrau Monika hat sich ebenfalls immer stark engagiert. Jahrelang führte sie den Mittagstisch für die Kinder, und in den Sommerferien reinigte sie mit ihrem eingespielten Helferteam die Schulanlagen inklusive Gemeindehaus. Auch sie hat nun jedoch ihren Dienst quittiert.

Am 10. September wurde Bernhard Burger an der Gemeindeversammlung mit einer Wein-Dekantierkaraffe und einem Früchtekorb offiziell verabschiedet. Die Stimmberechtigten dankten ihm mit Standing Ovations. Trotz 26 Jahren wurde Burger aber nie die Ehre eines Dienstjubiläums zuteil – das ist im Freienwiler Reglement erst ab 35 (!) Dienstjahren vorgesehen. Es wird derzeit überarbeitet.

War dieser Artikel lesenswert?

Wir setzen uns mit Herzblut und Know-how für gute Geschichten aus Ihrer Region ein. Wenn auch Sie hochwertigen Journalismus schätzen, können Sie uns spontan unterstützen. Wir danken Ihnen – und bleiben gerne für Sie am Ball.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Eine Maske wie keine andere

Seit 1927 stellt die Firma Künzli aus Windisch Schuhe her. Nun wurde man… Weiterlesen

Sein Ziel ist die Weltspitze

Motorradrennfahrer Jordan Bartucca (14) aus Endingen gehört zu den ganz grossen… Weiterlesen

region

Vom Eisbär bis zur Giraffe

Von Eisbären und Bisons bis hin zu Tigern und Löwen: Der Wettinger Walter Benz… Weiterlesen

region

«Wir sind das Gegenstück zu Grossbanken»

Die Integration der NAB in die CS hat den Konkurrenzkampf der Banken verschärft.… Weiterlesen

region

A wie Abwasser, Z wie Zubetonierung

An der Videopräsentation vom 14. Januar beantworteten die Stadt- und… Weiterlesen