Abschied einer Förster-Legende

Franz Suter hat den Lengnauer Wald während 35 Dienstjahren zu dem gemacht, was er ist – und dies auf rentable Art.

Gemeindeammann Franz Bertschi (links) und Franz Suter begrüssen den neuen Förster Roman Häusermann und händigen ihm ein erstes Arbeitsinstrument aus. (Bild: bkr)

22. September 2021
19:45

Waldumgänge stehen jeweils unter einem Thema. Beim diesjährigen Anlass in Lengnau führten Förster Franz Suter und Gemeindeammann Franz Bertschi unter dem Motto «Abschied und Neubeginn» durch das «Gländ» – den Wald oberhalb des Weilers Hausen in Richtung Endingen. Ein prächtiger, an schönen alten Bäumen reicher Wald. Ihn und andere Wälder auf dem Gemeindegebiet hat Franz Suter als Revierförster während 35 Jahren gepflegt und bewirtschaftet. In den
30 Jahren vor ihm war sein gleichnamiger Vater für den Lengnauer Forst zuständig.


Übergabe an Roman Häusermann

Nun geht Suter in seinen wohlverdienten Ruhestand und übergibt in drei Monaten «seine» rund 420 Hektaren Wald an den frisch ausgebildeten Förster Roman Häusermann. Wehmut? Die verspürten die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Rundgangs durch den in der herbstlichen Sonne leuchtenden Wald nicht. Suter vermittelte vielmehr das, was sein Leben ist: Die Freude an der Natur und insbesondere am Wald. Mit ihm ist er auch über die Jagd verbunden – und durch das Mitwirken bei den Zurzibieter Jagdbläsern, die bei ihren Auftritten am Waldumgang für einmal ohne ihren Kameraden auskommen mussten. Wald hat den Ruf, wenig rentabel zu sein. Nicht so in Lengnau. Franz Suter gilt als Holz-Verkaufs-Genie. Beste und jahrelang gepflegte Kontakte ermöglichten es ihm beispielsweise im Jahr 2000, das Fallholz des Sturms «Lothar» – 5000 Kubikmeter – komplett und zu einem «anständigen» Preis zu verkaufen. Spannend in diesem Zusammenhang ist der Kauf des Zehnder-Waldes – rund 4,2 Hektaren, welche sich im Eigentum einer Weinhändlerfamilie aus Mellingen befanden. Der junge Förster und der junge Gemeindeammann Kurt Schmid fuhren zur Verkäuferin, einer 87-jährigen Dame, und überzeugten oder bezirzten diese so sehr, dass der Forst Lengnau den Zuschlag erhielt. Das einzige Problem: Es fehlte das nötige Geld. Die Einwohnergemeinde sprang ein, und der Forstkasse gelang es, den Betrag innert sieben Jahren zurückzubezahlen.


300 Kubikmeter Lärchen-Holz

Apropos Holzverkäufe: Im Sommer 1999 waren Franz Suter und Kurt Schmid als Aktive an einem Schützenfest. Plötzlich klingelte Suters Telefon. Eines der grössten Sägewerke der Schweiz rief an und wollte 300 Kubikmeter Lärchen-Holz – ausserhalb der winterlichen Schlagsaison. Was war da los? Das Holz wurde für den von Star-Architekt Peter Zumthor entworfenen Schweizer Pavillon an der Weltausstellung 2000 in Hannover benötigt und zu einem für Lengnau guten Preis erworben. Ganz klar, dass ein stolzer Gemeinderat in corpore zusammen mit seinem Förster das Bauwerk besuchte.

Was viele nicht wussten: Franz Suter ist nicht nur FCZ-Fan, sondern auch mit dessen Präsident Ancillo Canepa per Du. Mit diesem Wissen wollte Gemeindeschreiber Anselm Rohner Canepa als Überraschungsgast zum Waldumgang einladen. Das scheiterte zwar, dafür gab es für Franz Suter ein signiertes Buch und für ihn und sein Forstteam gratis Match-Tickets auf der Haupttribüne.

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