Adlerauge auf 121 Metern Höhe

Um die neue Fernwärmeleitung zwischen KVA Turgi und Siggenthal-Station möglichst genau zu verlegen, vermisst eine Drohne das Terrain. 

Martin Jung lässt die Drohne auf einem freien Grundstück starten
Martin Jung lässt die Drohne auf einem freien Grundstück starten (Bilder: wag)

von
Hans Christof Wagner

25. März 2020
12:00

Fernwärmeleitung

Die Refuna AG (Regionale Fernwärme Unteres Aaretal) will in ihr Fernwärmenetz künftig Wärme aus der Kehrichtverwertung Turgi einleiten. Dazu muss eine rund sechs Kilometer lange Verbindungsleitung zwischen der KVA Turgi und dem schon bestehenden Refuna-Fernwärmenetz gebaut werden. Die Leitung beginnt bei der KVA und verläuft über Gebenstorf, Untersiggenthal bis nach Siggenthal Station, wo der Anschluss an das bereits bestehende Fernwärmenetz der Refuna erfolgt.

Wenn Martin Jung alles richtig eingestellt hat, müsste sie jetzt eigentlich jetzt von allein in die Lüfte steigen. Und tatsächlich: eBee X schiesst in Sekundenschnelle in die Höhe. Bald schon sind die schwarzen Flügel aus dem Blickfeld verschwunden. «121 Meter fliegt sie jetzt hoch», berichtet der Geomatiker voller Vertrauen auf die Flugkünste seines Minifliegers, den er augenscheinlich gar nicht zu steuern scheint. Doch eBee X kennt den Kurs genau: Etappe 1, das heisst vom Ausgangspunkt der künftigen Fernwärmeleitung auf Höhe des Holcim-Werks Siggenthal der Landstrasse entlang etwa einen Kilometer nach Süden. 

 

Nach acht Minuten Flugzeit schon 250 Bilder

Gleich mehrere Male fliegt die Drohne die Strecke ab. Jung: «So erreichen wir eine möglichst breite Abdeckung mit einer grossen Überlappung der Bilder.» Nach nur acht Minuten Flugzeit hat die im Bauch der Drohne steckende schwenkbare Kamera schon 250 Bilder geschossen. Immer, wenn diese auslöst, macht der Laptop im Kofferraum, der auch Steuerzentrale ist, ein Klick-Geräusch. 

Ein Bildpunkt (Pixel) auf dem Computer entspricht später 28 Millimeter auf dem abgebildeten Grund. So hochauflösend wird die Darstellung nach der Fertigstellung sein. «Das heisst, alles was grösser als 2,8 Zentimeter ist, kann man auf den Bildern erkennen», erklärt Martin Jung.

Seine Drohne ist aber keine, wie man sie gemeinhin kennt, kein Quadrocopter mit vier nach oben gerichteten Propellern. Bei ihr ist nur ein Motor eingebaut, der einen am Heck sitzenden Propeller antreibt. eBee X sieht nicht wie ein Mini-Hubschrauber aus, sondern mit seinen aufsteckbaren Styropor-Flügeln eher wie ein Segelflieger mit Hilfsmotor. Elf Meter pro Sekunde ist das System schnell, was etwa 40 Kilometer pro Stunde entspricht. Windmesser und Bodensensor sind darin eingebaut. Eigentlich könnte sich die Drohne etwa drei Kilometer von Jung entfernen, ohne dass die Funkverbindung abreisst. Doch der Geomatiker weiss: «Schon nach nur rund einem Kilometer kann es Probleme geben.» 

2155 Bilder nach einem 80-minütigen Flug 

Am Ende des Einsatzes war eBee X in zwei Etappen 80 Minuten in der Luft und hat 2155 Bilder geschossen. Eine Software wird sie miteinander zu einer dreidimensionalen Topografie des künftigen Baugeländes zusammenfügen. Jung weiss, was das für eine enorme Rechenleistung erfordert. «Bei einem vergleichbaren Projekt mit 2000 Bildern brauchte der Computer 17 Stunden dafür», erzählt er. Also wird es bei der Fernwärmeleitung zwischen Turgi und Siggenthal-Station mit 2155 Fotos noch länger dauern. Aber wenn die Bilder einmal im Kasten sind, erledigt der Rechner die Arbeit. 

Jung hatte für die Vermessung der Strecke inklusive Vor- und Nachbereitung unterm Strich viel weniger Aufwand als zu früheren Zeiten. Damals war das zwar noch genauere, aber viel zeitaufwendigere Messverfahren mittels Tachymeter üblich. «Vermessung mit Drohnen kommt jetzt immer mehr, wir haben unsere seit zwei Jahren im Einsatz», so der Mitarbeiter der Geomatik-Abteilung von KSL Ingenieure mit Sitz in Frick. 

 

Vieles muss stimmen

Aber es gilt beim Drohnenflug vieles einzubeziehen: Bewilligungen müssen eingeholt werden. Das Wetter muss stimmen. Es sollte möglichst windstill sein. Ein bewölkter Himmel wäre ideal, denn Sonnenschein wirft Schatten und beeinträchtigt so die Qualität der Bilder. «Aber die perfekten Bedingungen gibt es nicht», sagt Jung an einem strahlend schönen Märztag, hält die Hand an die Stirn, um eBee X am wolkenlosen Himmel ausmachen zu können. Jetzt muss er los, um der Drohne mit dem Auto zu folgen. Denn sonst läuft er Gefahr, die Verbindung zu ihr zu verlieren. Dann wäre sie orientierungslos. Aber wiederfinden würde er sie immer, einem eingebauten GPS-Sender sei Dank.

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