Als die Italiener kamen

Pizza und Pasta: Damit verbindet man heute Italien. Dass das nicht immer so war, zeigt die aktuelle Ausstellung im Ortsmuseum Untersiggenthal.

Die Vespa: italienische Zeitzeugin auf zwei Rädern
Die Vespa: italienische Zeitzeugin auf zwei Rädern (Bild: sbs)

von
Suzana Senn-Benes

06. April 2018
09:00

Sonderausstellung «Arrivano gli Italiani»

Jeweils sonntags von 10 bis 12 Uhr

8. April, 6. Mai, 1. Juli, 5. August, und 2. September

Sonntag, 3. Juni, 10 bis 16 Uhr: Museumstag mit Unterhaltung und frischer Pizza 

Marcel Meier 079 290 56 87, ortsmuseum@untersiggenthal.ch 

Das «Tschinggeli» ist definitiv Geschichte. Denn so wurde der Italiener einst als Fremder betitelt. Mit ihrem Temperament und ihrer Lebensfreude irritierten die Zugezogenen dereinst die Schweizer. Doch im Miteinander der beiden Kulturen hat sich das Land weiterentwickelt – hin zu einer multikulturellen Nation. 

Ankunft der Einwanderer in der Schweiz
Ankunft der Einwanderer in der Schweiz (Bild: zVg)

 

Der Weg in die Fremde

Warum aber kamen so viele Italiener in die «Bella Svizzera»? Nach dem Zweiten Weltkrieg brach auch in Italien eine Wirtschaftskrise aus, da bot eine Auswanderung den erhofften Ausweg. Die «Brown, Boveri & Cie.» sah zu dieser Zeit in den ausländischen Arbeitskräften eine willkommene Entlastung. Im Badener Brisgi-Quartier entstand bald schon ein italienisches Arbeiter-Baracken-Dorf. Die Arbeiterinnen wurden in Rieden, auf der anderen Seite der Limmat, untergebracht. Vorerst bekamen die Männer, nach einer Saisonier-Anstellung, eine dauerhafte Arbeitsbewilligung. Deren Familien mussten sich gedulden, bis sie viele Jahre später nachreisen durften. 

Für die Italiener war Deutsch eine Fremdsprache, was das Zusammenleben erschwerte. Mit den ersten italienischen Restaurants, heute Pizzerias, kam aber die Annäherung. Auch wenn die Schweizer den italienischen Köstlichkeiten zunächst skeptisch gegenüberstanden, sind Pasta oder Pizza mittlerweile kaum mehr wegzudenken vom Menüplan. 

 

Die Kinder als Secondos

Die Italiener hatten es als Eltern zunächst schwer, sie gingen pflichtbewusst der täglichen Arbeit nach, kümmerten sich um ihre Sprösslinge und trafen sich untereinander in den Vereinen. So nahm die Integration ihren Anfang. 

Fortgeführt wurde sie durch die zweite Generation, die hier die Schulen besuchte und mit der Zweitsprache Deutsch gross wurde. Natürlich sind viele von ihnen nach wie vor stolz auf ihre italienische Herkunft, ihre eigenen Wertvorstellungen haben sich aber verändert – und die Schweiz wurde zu ihrem Zuhause. Während ihre Eltern oft davon träumen, den Lebensabend wieder in Italien zu verbringen, sieht die jüngere Generation ihre Zukunft in der Schweiz.

 

Vernissage mit viel Musik

Das Team des Ortsmuseums Untersiggenthal zeigt seit 1980 zwei Sonderausstellungen jährlich. Nun hat zur 70. Sonderausstellung das sonnige Italien Einzug gehalten. Schwarzweiss-Bilder als Zeugen der Zeitgeschichte hängen an den Wänden, eine Vespa lockt Reiselust hervor, und die beliebten Spezialitäten der italienischen Küche lassen einen das Wasser im Mund zergehen. An der Vernissage entführten zwei Vollblut-Musiker ins Spaghetti-Land. Der Untersiggenthaler Micha Plüss übte in den Sportferien fleissig, um seinen Gesang auf Italienisch darbieten zu können. An der Gitarre wurde er unterstützt von Ivan Mangia, einem gebürtigen Italiener aus Lecce. Das Publikum, egal ob Schweizer oder Italiener, sang lautstark mit – denn was verbindet mehr als ein gemeinsames «Ti amo»?

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