Als Glücksbringer unterwegs

Hans Ehrbar ist seit vielen Jahren pensioniert. Als Glücksbringer ist er noch immer unterwegs. Diesmal geht er ans Sechseläuten.

Hans Ehrbar aus Schinznach-Bad will in voller Montur am Sechseläuten-Umzug teilnehmen
Hans Ehrbar aus Schinznach-Bad will in voller Montur am Sechseläuten-Umzug teilnehmen (Bild: cl)

von
Claudia Marek

12. April 2018
09:00

Seit 60 Jahren ist Hans Ehrbar als der sprichwörtliche Glücksbringer unterwegs, mit Zylinder, Velo und Holzleiter. In der Hosentasche hat er eine Rolle mit Räpplern. Diese verteilt er jeweils bei verschiedenen Gelegenheiten. So auch einmal an Adolf Ogi, dem ehemaligen Bundesrat. 2000 Kaminfeger aus der ganzen Schweiz feierten 1999 an Silvester das kommende Millennium auf dem Bundeshausplatz. Hans Ehrbar hatte sich einen speziellen Gag ausgedacht und kochte dort auf einem qualmenden Kachelofen  ein Fondue «à la Schwarzer Mann». 

 

Der Beruf wandelte sich

Hans Ehrbar hatte seinen Beruf 1958 in Herisau gelernt. Es war ein harter Beruf. Man habe sehr schlecht verdient und die Arbeit war beschwerlich, erzählt Hans Ehrbar. «Manchmal musste ich sogar ins Tessin fahren, um Kamine zu russen.» So entschied er sich, knapp zwei Jahre nach der Ausbildung, den Beruf zu wechseln. 1970 kam er mit seiner Familie nach Schinznach-Bad. 

20 Jahre lang war er als Abfüllchef bei der Weinbaugenossenschaft Schinznach tätig. Während dieser Zeit hatte sich der Beruf des Kaminfegers stark verändert, und er wechselte 1993 wieder in seinen herkömmlichen Beruf. Gleichzeitig wurde sein Beruf zu seinem Hobby.

So pilgerte er zum Beispiel 2011  zum «Mekka der Schornsteinfeger» ins Vigezzo-Tal nach Nord-Italien. Dort treffen sich alle Jahre Kamin­feger aus aller Herren Ländern zum Gedenken an die schwierigen Anfänge ihrer Zunft und natürlich auch zum Feiern.

 

Beschwerliche Anfänge

Die schwierigen Anfänge hat Hans Ehrbar hautnah erlebt. Als er 1958 seine dreijährige Lehre antrat, betrug seine Arbeitszeit 55 Stunden pro Woche. Lehrgeld bekam er 100 Franken pro Jahr. 

Die Ausrüstung war: ein Velo mit Rücktritt ohne Übersetzungen, eine Holzleiter mit diversen Rohrwischern, Langstielen, Heizungseisen, diversen Kruckeli und einem Seil mit Kugel. Das alles musste er mit dem Velo ohne Anhänger transportieren. Taschenlampen gab es noch nicht, dafür Karbidlampen für die Industrie. Nach der Velofahrt bis zu einer Stunde begann die Arbeitszeit beim ersten Haus. Nach der Knochenarbeit machte er sich mit dem Velo auf den Heimweg. «Meistens musste ich zu Hause noch den Badeofen einheizen», erzählt Hans Ehrbar. Ehrbar reinigte auch Hochkamine. Dafür ging er am Sonntagnachmittag in den Wald und holte lange Tannäste. Diese band er zu einem Besen zusammen. Ein Hochkamin hatte einen Durchmesser von etwa fünf Metern und eine Höhe bis 60 Meter. Auf einer Seite waren Steigeisen angebracht. Er stieg jeweils in der Nacht, gegen 23 Uhr, hoch. Er band ein Mundtuch um, stieg auf den Kamin und reinigte bei Zugluft und grosser Hitze eine 5 bis zehn Zentimeter dicke Russschicht von oben bis unten. 

Viele Jahre später, bereits im Schenkenbergertal, stieg Hans Ehrbar wieder einmal auf einen Hochkamin. Diesmal aber etwas komfortabler. Per Lift fuhr er als «Erstbesteiger» den 125 Meter hohen Kamin der Jura Cement in Wildegg hinauf, um diesen zu reinigen. 

 

Ans Sechseläuten

Nun möchte der 75-Jährige einmal am Sechseläuten-Umzug teilnehmen. Rund 3500 Zünftler ziehen mit ihren farbenfrohen Kostümen, Trachten und Uniformen, über 350 Reiter, und rund 50 von Pferden gezogenen Wagen und gegen 30 Musikkorps ziehen am Sechseläuten-Montag über Bahnhofstrasse und Limmatquai zum Sechseläutenplatz, wo der Böög verbrennt wird. Auf eine Zusage seiner Anmeldung wartet er noch. «Ich gehe so oder so», sagt Hans Ehrbar überzeugt. 

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